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Einmal im Jahr ist Weihnachtsmarkt, ein Treffpunkt für Oberurseler und Gäste aus dem Ausland.

Oberursel

Whisky im Rathaus

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Die Partnerstädte bringen Gaben zum Weihnachtsmarkt nach Oberursel. Das alljährliche Treffen hat Tradition.

Bernsteinfarben leuchtet der Körper und Geist belebende und wärmende Tropfen im Plastikbecherchen. Frank Rust hat eine wunderbare Auswahl dieser in Flaschen gesammelten Tropfen mitgebracht. Seit 1997 kommt er alle Jahre wieder zum Weihnachtsmarkt ins deutsche Land. Bei Wind und Wetter, bei Schnee und Regen, sein im geheizten Rathaus ausgeschenkter Whisky von der Insel kommt immer gut. Der Auchentoshan etwa, kaum auszusprechen, oder ein Glen Elgin Speyside Single Malt aus dem nordöstlichen Schottland. Frank Rust mit grauem Bart und Brille im hellblauen Polo-Shirt, auf dem Herzen die Flaggen von Deutschland, Polen und Frankreich im Quartett mit dem Union Jack.

Frank Rust steht treu zu Oberursel und den anderen Partnerstädten in Polen und Frankreich, auch im Schatten des Brexit. Ungefähr auf halbem Weg zwischen seinem ersten Besuch in der damals noch frischen Partnerstadt und heute war er für ein Jahr „Mayor“ (Bürgermeister) von Rushmoor im Südwesten von England. Auf dem Weihnachtsmarkt trifft er viele Freunde und Bekannte aus all den Jahren, lernt neue Menschen aus den anderen Partnerstädten Oberursels, etwa aus dem russischen Lomonossow und dem Pariser Vorort Epinay-sur-Seine, kennen. Im kleinen Sitzungssaal bieten sie alle Kostproben aus ihrer jeweiligen Heimat, eine Institution ist dieses Treffen beim Weihnachtsmarkt.

Wie so vieles im Feld der Hütten und kleineren Märkte im Markt. Die Kunsthandwerker und die Künstler sind auch wie immer im Rathaus, die Glühwein-Ausschenker überall, die Freunde des Mittelalters dieses Jahr etwas im Abseits hinter der Stadthalle, weil sie ihren angestammten Platz räumen mussten. Die Dampfeisenbahn natürlich im Zentrum, pfeifend, dampfend und zischend im Kreis herum um den großen zentralen Weihnachtsbaum auf dem Festgelände fahrend, so wie eben die Welt sich dreht. Nur ein Ziel haben Bahn und Lokführer, für Momente Staunen und Freude ins Leben unzähliger Kinder zu bringen. Tausendfach wird es per Handy gespeichert in allen möglichen Datenwolken.

Auch der Bürgermeister hat etwas gespeichert. Bei der Eröffnung des Marktes bekommt er Beifall, weil er ankündigt, einen Eingriff in die Tradition im nächsten Jahr wieder zu korrigieren. Viel Unmut hat es gegeben in der Stadt, weil ausgerechnet der Historische Marktplatz und die schnuckelige Strackgasse, die aus dem innersten Kern der Stadt dorthin führt, aus dem Weihnachtsmarkt-Erlebnisfeld gestrichen wurden. Sozusagen die perfekte Altstadt-Kulisse, die der klassische Weihnachtsmarkt-Besucher bei solcherlei Ereignissen stets besonders goutiert. Der Glühwein und eine Portion „von der Sau“, der heiße Äppler und ein „Gänseburger“ oder ein Fischbrötchen von der Marinekameradschaft, in Gesellschaft von Freunden und Bekannten schmeckt das in dieser Atmosphäre einfach am besten.

Die „Orscheler“, wie sie sich selbst gerne nennen, und ihre Gäste haben sich ihren Spaß trotz der unverstandenen Sparmaßnahme nicht nehmen lassen. Im geliebten Glühweinduft und umhüllt von Bratwurstgeruch, zwischen süßen Zuckerschwaden und viel Weihnachtsglitzer ist der Mensch meist wohlgestimmt. Tut Gutes und verkauft dafür schöne Dinge wie viele Hilfsorganisationen und soziale Einrichtungen und geht am Ende vor allem satt nach Hause. Von den offiziell gemeldeten 77 Hütten und Ständen zwischen Rathausplatz und Epinay-Platz beschäftigten sich 53 mit der kulinarischen Versorgung der Kundschaft.

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