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Felix Woisetschläger mit seinem Gesellenstück.
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Felix Woisetschläger mit seinem Gesellenstück.

Handwerk Wetterau

Zwischen Jesus und Meister Eder

Beim Wettbewerb „Die Gute Form“ polieren Tischler-Gesellen am Berufsimage. Am Freitag zeigen die Preisträger in Karben ihre Werkstücke.

Von Peter Hauff

Beim Wettbewerb „Die Gute Form“ polieren Tischler-Gesellen am Berufsimage. Am Freitag zeigen die Preisträger in Karben ihre Werkstücke.

Wie wertvoll sein Gesellenstück ist, belegen über 100 Arbeitsstunden: Wer Felix Woisetschlägers selbst entworfenen und gebauten Couchtisch erwerben wollte, müsste zwischen 4000 und 6000 Euro hinblättern. Zu Geld machen will der 21-jährige sein Möbel aber nicht. Als eines unter vielen Abschlussarbeiten der Tischlerinnung im Wetteraukreis wird es eingereicht, um im Wettbewerb „Die Gute Form“ von einer unabhängigen Jury ausgezeichnet zu werden.

Schubfächer aus Walnussholz, eine wohl überlegte, grau-grün lackierte Außenhaut und Handgriffe, die das Innenleben des Couchtisches nur ahnen lassen – alle Details hat der 21-Jährige so und nicht anders gewollt. „Das ist das Schöne an meinem Beruf“, sagt der Geselle aus Steinfurt. „Dass ich sehe, was ich aus einer Holzplatte gestaltet habe.“ Sofort erkennen und anfassen, was man gearbeitet hat, das geht fast nur im Handwerk.

Perfektes Lernklima in der „Holzklasse“

Im Blaumann stand er gerade noch vor seinem Werkstück, um es lackierfertig zu schleifen. Ein fester, staubiger Handdruck zur Begrüßung; genau so stellt man sich Tischler vor. Doch Sägemehl, ein Hobel und Schleifpapier reicht Tischlern heute nicht mehr, um gegen Bulthaup und Ikea zu bestehen. Felix Woisetschläger glaubt sich gewappnet: In drei Gesellenjahren auf der Berufsschule Friedberg und in der väterlichen Werkstatt mit computergestützten Maschinen habe er viel gelernt. Er redet schnell, drückt seine Ideen aber lieber mit einem Werkzeug aus und schwärmt noch immer von einem perfekten Lernklima mit zehn Mitschülern in seiner „Holzklasse“.

Viele Tischlereien suchen zurzeit Fachkräfte, finden auf dem Arbeitsmarkt aber zu wenig junge Menschen, die ausbildungswillig wären, schildert die Handwerks-kammer Wiesbaden. „Vor allem Mädchen scheuen sich, Tischler zu lernen“, sagt Pressesprecher Dirk Kornau und schickt sofort hinterher, „wenn sie es aber tun, sind sie häufig die Besseren!“

Das Klischee, das viele Bürger immer noch von dem Berufsbild haben, liegt demnach irgendwo zwischen Jesus von Nazareth und Meister Eder – gutes Design wird auf dem Markt vergöttert, doch ein unterbezahlter, alter Mann am Hobel will keiner werden.

Mehr als nur ein Brotberuf

Von Problemen im Ausbildungsbereich spricht auch die Innung regelmäßig. Nach der Lehre und zehn Berufsjahren dürfen Tischlergesellen im Schnitt mit 3500 Euro Bruttogehalt rechnen. Weshalb das Image von Tischlern trotzdem so ist, wie es ist, weiß auch Felix‘ Vater Frank nicht: „Leider machen viele Ausgelernte nur noch Montage“, sagt er. Die bringt sicheres Geld. Mit schöner Form und eigenen Ideen hat das wenig zu tun. In Woisetschlägers Augen ist sein Handwerk mehr als ein Brotberuf. Seinen Betrieb führt er in vierter Generation.

Bei einer Führung durch die Verkaufsräume der Steinfurter Schreinerei zeigt der Firmenchef Beispiele, die er und seine vier Mitarbeiter gestaltet haben, um die Bandbreite ihres Könnens zu zeigen: Mit einem Laser gravierte Schrankfronten, ein blütenweißes Sideboard, aus dem von Geisterhand ein Flachbildschirm auftaucht und fein gemaserte Hölzer aus Indien bis Südamerika. „Viele Kunden schätzen derzeit auf Gehrung gearbeitete Fronten, federleicht laufende Schubläden und Griffe, die nicht mehr herausstehen, so dass kaum Kanten zu sehen sind“, beschreibt er den aktuellen Trend.

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