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Zivildienstleistende sind wichtige Ansprechpartner für alte Menschen.
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Zivildienstleistende sind wichtige Ansprechpartner für alte Menschen.

Soziale Dienste

Zivis sind kaum noch gefragt

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Mit der Wehrpflicht entfällt auch der Zivildienst. Wie sich die sozialen Dienste auf die Zeit danach vorbereiten, hat FR-Mitarbeiter Martin Brust in der Wetterau erkundet.

Die Wehrpflicht wird zum 1. Juli 2011 ausgesetzt. Das hat gravierende Folgen für Pflegedienste und soziale Arbeit – denn mit der Wehrpflicht entfällt auch der Zivildienst. Essen auf Rädern und Hausmeisterjobs, Alten- und Behindertenbetreuung bis zum Rettungsdienst und Krankentransport waren klassische Einsatzstellen für die „Zivis“. Wie werden die Einrichtungen im Wetteraukreis ohne Zivis klarkommen?

Beim Arbeiter-Samariterbund (ASB) in Karben sind die Folgen schon deutlich zu spüren. Yvonne Unruh, Sachbearbeiterin im Bereich soziale Dienste und zuständig für den Menüservice, sagt, die Zahl der Bewerber für Zivi-Stellen sei „merklich rückläufig“. Nach derzeitigem Stand werde im Januar und Februar noch jeweils einer seinen sechs Monate dauernden Dienst beginnen. Für die Zeit danach gebe es derzeit keine Bewerber. „Wenn der Zivildienst abgeschafft ist und wir keine Freiwilligen für unseren Menüservice finden, müssen wir dafür hauptamtliche Kräfte nehmen“, sagt sie.

Momentan beschäftigt der ASB Wetterau in Karben sieben Zivis, die vor allem auf den beiden langen und schwierigeren Essen-auf-Rädern-Touren Richtung Bad Vilbel und Friedrichsdorf/Bad Nauheim eingesetzt werden. Vor zehn Jahren seien es noch um die 20 Zivis gewesen mit einem viel breiteren Einsatzspektrum – auch in der Pflege oder dem Rettungsdienst. Das lohnt sich schon länger nicht mehr, denn der Aufwand für die Ausbildung wurde in Relation zur kurzen Dienstzeit zu hoch.

Insgesamt fährt der ASB sieben Touren, bis nach Hanau und Bad Homburg beliefert er vorwiegend alte Menschen mit heißem Essen oder Tiefkühlmenüs zum Aufwärmen. Wenn die beiden „Zivi-Touren“ mit 400-Euro-Kräften besetzt werden müssen, steigen die Kosten für den ASB. Die Folge: Entweder erhöht er die Preise, oder er streicht die Touren. Unruh hofft auf den neuen Freiwilligendienst, denn der soll Menschen jeden Alters offenstehen – anders als das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ).

Recht wenig wird hingegen das Diakonische Werk Wetterau vom Ende des Zivildienstes zu spüren bekommen. Vier bis fünf Zivi-Stellen gab es hier zuletzt noch, in einem Wohnheim in Bad Nauheim, dem Spiel- und Lernzentrum Butzbach oder dem psychosozialen Zentrum Friedberg. Heute setzt die Diakonie voll auf das FSJ – über diese Freiwilligen ist Anny Rahn-Walaschewski „sehr froh“, mit ihnen hat sie „sehr gute Erfahrungen gemacht“. Die stellvertretende Leiterin des Diakonischen Werkes Wetterau ist dort zuständig für die Gemeindepsychiatrie. Die FSJ-ler seien zwar etwas teurer als Zivis, könnten aber mit einem Jahr Dienstzeit besser eingesetzt werden und selbstständiger arbeiten.

Auch Rahn-Walschewski sagt, dass Zivis mit sechs Monaten Dienstzeit kaum noch sinnvoll eingesetzt werden konnten. Denn zieht man die notwendigen Schulungen, Urlaub und sonstige Fehlzeiten etwa wegen Krankheit ab, dann bleiben noch ungefähr vier Monate für den Einsatz.

Ähnliche Erfahrungen hat Matthias Schnitzler, Leiter des Altenzentrums Heilsberg. Die Vilbeler Einrichtung wird betrieben von der Gesellschaft für diakonische Einrichtungen in Hessen und Nassau. In den 90er Jahren hatte sie noch sechs Zivi-Stellen, die auch meist alle besetzt waren. In den letzten Jahren waren noch höchstens drei bis vier im Haus, und die hatten nur ergänzende Aufgaben. Aktuell beschäftigt er keinen einzigen Zivi.

„Uns trifft das Ende des Zivildienstes weniger als etwa die Fahrdienste oder Essen auf Rädern“, sagt Schnitzler. Grundsätzlich aber habe sich die stete Reduktion der Dienstzeiten in seinem Heim schon bemerkbar gemacht, auch wenn er Zivis nicht in der Pflege einsetzte. Sie hätten sich früher etwa um den Garten gekümmert, der sei damals besser in Schuss gewesen. Sie hätten viele kleinere Aufgaben übernommen und so den Fachkräften den Rücken freigehalten – und das sei der Pflege zugutegekommen.

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