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Windrad in Karben-Petterweil
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Windrad in Karben-Petterweil

Karben

Ziel: 100 Prozent Ökostrom

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Karbens Bürgermeister Guido Rahn verfolgt ein ehrgeiziges Energiekonzept: Er will die Windenergie im Stadtgebiet weiter ausbauen, aber er setzt auch auf die Fotovoltaik.

Sie sind zu einem Wahrzeichen der südlichen Wetterau geworden, die vier Windkraftanlagen auf der Kloppenheimer Höhe. Sie zeugen von einer bereits vor Jahren eingeleiteten Energiewende, aber auch von Gerichtsverfahren wegen ihrer baulichen Dimension. Bürgermeister Guido Rahn will dennoch weitere der spargelschlanken Kraftwerke aufstellen lassen – zum Schrecken vieler Amtskollegen mit demselben Parteibuch. Rahn ist nämlich kein Grüner, sondern Christdemokrat.

„Ob demnächst zwei weitere Anlagen auf einer Kuppe in der Gemarkung errichtet werden, ist derzeit noch offen“, teilt Ekkehart Böing, Pressesprecher der Stadt, mit. Das Genehmigungsverfahren sei sehr aufwendig. Bürgermeister Rahn musste Ende 2010 erleben, wie ihm bei seinem Plan der Gegenwind aus der ihm sonst wohlgesonnenen bürgerlichen Koalition ins Gesicht blies.

Sicher sei hingegen laut Böing das Ziel, dass die Kommune ihren Stromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestreiten wolle – genauer gesagt, durch Einspeisung ins Netz kompensieren.

Die vorhandene Windkrafttechnik und die wachsenden Fotovoltaikflächen sollen diese Energie in erster Linie liefern. Dabei sollen nicht einfach wahllos Dächer mit Solarpaneelen überzogen werden. „Die Wirtschaftlichkeit muss immer gegeben sein“, erklärt Böing.

Einsparen lautet ein weiterer Punkt des jüngst beschlossenen kommunalen Konzepts für den Ausbau erneuerbarer Energien. Der städtische Eigenbetrieb Karbener Immobilienmanagement (KIM) erhielt den Auf trag, für alle städtischen Immobilien den Energieverbrauch zu ermitteln und die Werte in ein Kennziffernsystem zu übertragen.

Dass hier das Budget für die Betriebsausgaben entlastet werden kann, zeigen etwa die Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG). Der Friedberger Stromlieferant kümmert sich seit dem vergangenen Jahr um die Straßenbeleuchtung in der Stadt und erhält dafür einen festen Betrag. Die OVAG installiert nun sparsame Beleuchtungstechnik.

Bereits auf drei Dächern und Grundstücken der Stadt erzeugen bläulich schimmernde Siliziumflächen Ökostrom: auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke, den Dächern des Feuerwehrgerätehauses und einer Kindertagesstätte. Die Strommenge reiche aus, um übers Jahre rund 40 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen, berichtet Michael Quentin, Leiter des Bereichs erneuerbare Energien bei den Stadtwerken.

Von den Bundesministerien fordert er weniger Druck auf die Kommunen, die den Ausbau von Fotovoltaik vorantreiben. „Alles muss unter hohem Zeitdruck geschehen, um die Fristen der Bundesnetzagentur für die Einspeisevergütung einzuhalten.“ Klappt dies nicht, dauert die Amortisierung der Anlagen länger.

Auch wenn aus Berlin „Sonderkürzungen“ bei der Einspeisung von Strom aus Fotovoltaikanlagen ab dem Sommer angekündigt werden, wollen Kommune und Stadtwerke weitere Flächen bestücken. Zum einen, weil die Genehmigung im Vergleich zu den Windkraftanlagen sehr einfach ist. Zum anderem erhofft man sich für den Sonnenstrom lokales Kapital. Der Anreiz: Fotovoltaik als Renditeobjekt für Bürger, die sich keine eigenen Anlage leisten können, weil das Geld oder der Platz fehlt.

Geothermie noch ungenutzt

Bei der Bürgerbeteiligung sind die Stadtwerke noch am Anfang. „Wir arbeiten an einem Konzept“, sagt Quentin. Es geht um die Beteiligungsform und die Renditeausschüttung. Fest steht, dass die Anlagen in möglichst großen Streubesitz gelangen sollen. Die Mindesteinlage werde voraussichtlich 2000 Euro betragen. Das Limit nach oben beträgt 20?000 Euro pro Bürger. Bereits jetzt lägen 20 Bewerbungen vor, so der Abteilungsleiter. In dem Konzept für erneuerbare Energien der Stadt Karben wird gefordert, alle Möglichkeiten der umweltentlastenden Energiegewinnung auszuschöpfen. Michael Quentin räumt aber ein: „Bei Geothermie sehe ich uns noch gar nicht im Geschäft.“ Die geologischen Bedingungen seien hierzu noch zu wenig erkundet worden.

Bei einer weiteren Methode setzt Quentin auf ein Markenzeichen der Wetterau, die Landwirtschaft. Noch in diesem Jahr soll die Biogasanlage in Groß-Karben anlaufen. Dort wird Mais zu Menthan vergoren, das anschließend in das Erdgasnetz eingeleitet werden kann . Die Anlage trägt somit weniger zur Umweltentlastung im eigentlichen Sinn bei als zur autonomen Energieversorgung der Region.

In der Planungsphase gab es Spannungen, weil Gegner der Anlage knapp 3000 zusätzliche Lkw-Bewegungen im Jahr befürchten. CDU-Mann Rahn musste das tun, was normalerweise das Geschäft der Grünen ist, um ein Projekt durchzubringen: relativieren. Es gehe um allenfalls einen Lastwagen pro Tag, sagte er.

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