Wölfersheim

Wölfersheim will mit See Kurzurlauber locken

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Der knapp 40 Hektar große Wölfersheimer See und der Uferbereich sollen stärker als Freizeit- und Touristikgelände nutzt werden.

Schon mäßiger Wind erzeugt eine deutlich gekräuselte Wasseroberfläche. Für Segler wird dies voraussichtlich kein wehmütiger Anblick bleiben. Schon bald könnte auf dem Wölfersheimer See ein Revier entstehen – zumindest für Jollen. Der knapp 40 Hektar große See und der Uferbereich sollen stärker als Freizeit- und Touristikgelände genutzt werden. Dabei hat die Gemeinde auch den Kurzurlauber im Blick. Das Areal tangiert überregionale Rad- und Wanderwege, überdies führt die Pilgerroute „Lutherweg“ am See vorbei. Geplant haben Verwaltung und Bürger. Dazu wurde ein Forum veranstaltet und ein umfangreicher Fragenkatalog ausgewertet, den 227 Personen ausfüllten.

Kohlerevier

Die Wetterauer Seenplatte zwischen Wölfersheim, Reichelsheim und Hungen entstand aus dem Braunkohletagebau, der Anfang 1900 begann, zuvor wurde in Stollen abgebaut.

In Wölfersheim wurde die Braunkohle von 1929 bis 1954 zu Teer, Benzol und Leichtöl verschwelt. Von 1954 bis 1991 wurde an gleicher Stelle die Kohle in einem E-Werk verbrannt.

Der See am Dorf war zuletzt Kühlteich. Ob der hohen Wassertemperatur lebten dort sogar subtropische Fische.

Die Liste im „Maßnahmenkatalog“ ist lang ausgefallen: etwa einen Minigolfplatz bauen, Beach-Felder für Volley-, Hand- und Fußball anlegen oder einen Pavillon für Eheschließungen errichten, das sind nur einige Vorhaben. In das Konzept aufgenommen wurde auch der von den Beteiligten priorisierte allgemeine Zugang auf den See etwa mit Ruder- oder Segelbooten. Eine Steg- und Slipanlage sollen hierfür errichtet sowie ein Bootsverleiher gefunden werden.

Wegen der unzureichenden Wasserqualität wird es jedoch kaum ein Seebad geben. Das Abwasser der Kläranlage läuft in den See, der aus dem Braunkohletagebau entstand. Danach fungierte der See als Kühlteich für das ufernahe Kohlekraftwerk, das 1996 abrissen wurde. Die riesige Verregnungsanlage ist im See als Industriedenkmal geblieben, sie soll laut Konzept beleuchtet werden.

Vor rund acht Jahren wurde mittels eines ersten Plans damit begonnen, den See als Freizeitgelände zu erschließen. Ein asphaltierter Rundweg bildete die Basis, Fußballgolfanlage, Hochseilgarten sowie eine Arena für Open-Air-Konzerte und Kino folgten. Auf Informationstafeln entlang des Uferpfads wird über die Geschichte der örtlichen Braunkohleindustrie und das Dorf berichtet. Spaziergänger, Jogger und Radler sind bislang die Hauptnutzer des gut drei Kilometer langen Rundwegs um den größten See in der Wetterau, der an Schönwettertagen stark frequentiert wird.

So stark bereits, dass im Seekonzept Lösungen zu aktuellen Nutzerkonflikten aufgeführt werden. Radler und Fußgänger sollen sich mit Bodenmarkierung nicht mehr in die Quere kommen, Hundebesitzer mit dem Drang, ihr Tier von der Leine zu lassen, sollen dies auf einer Hundewiese tun können, und für Reiter soll es zum Rundweg einen naturnahen Pfad geben, wo die Pferde auch ihr Hauptärgernis zurücklassen können.

Die Umfrage zum Seekonzept ergab, dass dem Naturschutz und dem Ackerbau bereits Genüge getan sei und eine verstärkte Freizeitnutzung gewünscht wird – nicht allein für körperliche Aktivitäten. Mehr Bänke mit Tischen, Grillstellen, mehr Konzerte in der Arena und vor allem ein Lokal werden gefordert, am besten direkt am See, wie es im Konzept steht. Bürger bemängelten, dass lediglich Essen an einem Imbisswagen angeboten werde. Die Gastronomie soll an der nördlichen Spitze des Gewässers entstehen, nahe Arena und Hochseilgarten, dort befindet sich zudem ein großer Parkplatz.

Wie schon manche Kommune in der Wetterau will man sich auch in Wölfersheim auf die offenbar wachsende Gruppe der Wohnmobiltouristen einrichten. Stellplätze samt nötiger Infrastruktur werden für sinnvoll gehalten. Eine kleine Fläche soll für Übernachtungsgäste mit Zelt reserviert werden.

Angaben zu den Kosten macht das Konzept nicht. „Die Umsetzung wird über mehrere Jahre erfolgen“, sagt Sebastian Göbel, Pressesprecher der Gemeinde, auf Anfrage. Abzuwarten bleibt auch, was die Politik auf den mehr als 70 Seiten streicht, ändert oder hinzufügt. Das Konzept wird am 20. August in den Ausschüssen beraten und soll in der Gemeindesitzung am Monatsende beschlossen werden.

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