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„Wir bauen Stadtteile“

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Von: Claudia Isabel Rittel

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Im Quellenpark entsteht derzeit das erste von zahlreichen Häusern, die Dietmar Bücher baut.
Im Quellenpark entsteht derzeit das erste von zahlreichen Häusern, die Dietmar Bücher baut. © Monika Müller

Investor Dietmar Bücher, der in diesem Jahr für 42 Millionen Euro Bauland im Quellenpark gekauft hat, errichtet dort gerade das erste Haus. Im Laufe der kommenden Jahre will er einen ganzen Stadtteil erschaffen mit bis zu 40 Häusern und 500 Wohnungen.

Im Grunde fahren wir beide gemeinsam einen Zug“, sagt der Immobilieninvestor Dietmar Bücher. „Ich bin der Heizer und gebe Gas. Herr Rose bremst.“ Beim Gespräch mit der Frankfurter Rundschau in Dietmar Büchers Arbeitszimmer in der Idsteiner Innenstadt ist auch Dieter Rose dabei, der kaufmännische Leiter und Prokurist von Bücher. Investor Bücher hat Anfang des Jahres für 43 Millionen Euro Bauland im Bad Vilbeler Quellenpark gekauft.

Seit 1975 arbeiten die beiden Herren zusammen. Bücher ist inzwischen 71 Jahre alt, Rose 74. Aber ans Aufhören denken sie nicht. Bücher will noch mindestens zehn Jahre weitermachen. Aber kommende Woche steht erstmal die Tennis-Europameisterschaft der Herren 60 an. Die beiden Herren mögen die Herausforderung. Und so haben sie auch zueinander gefunden.

Der gebürtige Idsteiner Bücher, der nach einer Lehre als Zimmermann die Ingenieursschule besucht und zwei Jahre im Baukonzern Philipp Holzmann in Frankfurt gearbeitet hat, machte sich bereits mit 25 Jahren selbständig. „Als ich gemerkt habe, dass es 30 Jahre dauern würde, bis ich die Frankfurter Niederlassung von Philipp Holzmann leiten könnte, wusste ich, ich muss da weg“, erzählt Bücher.

Zunächst baute er für Fremde, erstellte Pläne und Rohbauten. Auch für Dieter Rose baute er ein Haus. „So haben wir uns kennengelernt“, erzählt Rose. „Irgendwann kam Bücher dann zu mir ins Büro und bot mir einen Job an. Nach einer Lehre bei der Sparkasse Oldenburg hatte Rose zunächst in Frankfurt als Makler gearbeitet.

Rund 500 Wohnungen in zehn Jahren

Seit 1975 arbeiten sie zusammen und seitdem baut Bücher nur noch auf eigenen Grundstücken. Er kauf Land, baut Mehrfamilienhäuser und verkauft die Eigentumswohnungen.

So auch in Bad Vilbel. Seit einigen Wochen entsteht das erste Haus nördlich der Nordumgehung im Baugebiet „Im Schleid“. Insgesamt will Bücher auf seinem Areal von rund 60 000 Quadratmetern in den kommenden Jahren 40 Häuser mit durchschnittlich zwölf Wohnungen bauen. „Mal sind sieben Wohnungen in einem Haus, mal 14“, sagt Bücher. Alles in allem seien es wohl um die 500 Wohnungen.

„Wir bauen Stadtteile, die sich ins Ortsbild einfügen“, sagt Bücher, der in der Region schon auf eine beachtliche Zahl von Projekten verweisen kann. „Wir haben in der Regel mehr als 20 Projekte gleichzeitig laufen“, sagt Bücher. „Die sind aber unterschiedlich groß“, ergänzt Rose. Pro Jahr bauten sie im Durchschnitt etwa 300 Eigentumswohnungen.

Bis die 500 Wohnungen in Bad Vilbel gebaut und verkauft sein werden, wird es aber noch einen Moment dauern. Vom ersten Haus ist bereits das Fundament gegossen, derzeit ist eine Gruppe polnischer Bauarbeiter dabei, die Wände der Kellerräume zu gießen. Hier entstehen 15 Wohnungen in einer Größe zwischen 89 und 139 Quadratmeter; sie kosten laut Prospekt zwischen 298 000 und 525 000 Euro. Zwei weist der Prospekt schon als verkauft aus.

Fertig werden soll das erste Haus im kommenden Sommer. „Dann wird alle drei bis vier Monate ein weiteres fertig“, sagt Bücher. „Wir werden je nach Nachfrage anfangen zu bauen“, ergänzt der Kaufmann Rose. Er rechnet mit 50 Wohnungen pro Jahr. „Alles in allem wird das mindestens zehn Jahre dauern.“

Für Bücher ist ein Projekt in der Größenordnung „nichts Erstaunliches“. Dennoch hat ihm sein kaufmännischer Leiter zunächst davon abgeraten. 42 Millionen Euro seien schließlich auch bei einem Jahresumsatz von 120 bis 130 Millionen Euro keine Kleinigkeit. „Rose wollte maximal 20 000 Quadratmeter kaufen“, erzählt Bücher. Er aber hatte die Fläche schon länger im Blick.

Bereits als der chinesische Investor Lu Changqing sich 2013 für den Quellenpark interessierte und von der Stadt 27 Hektar Bauland reservieren ließ, habe Bücher versucht mit ihm zusammenzuarbeiten, reiste nach Peking, verhandelte mit Lu.

Rund 70 Mitarbeiter

„Aber wir kamen zu gar nichts“, sagt Bücher. Immerhin kannte Bücher seitdem die Preise und wollte gerne einen Teil kaufen. Als er gemerkt habe, dass es der Stadt ernst sei und sie ihm alles oder nichts verkaufen würde, habe er zugeschlagen. „Entgegen meinem Rat“, sagt Rose. Und Bücher sagt: „Mit 700 Euro pro Quadratmeter war das eigentlich viel zu teuer“. Das sei ein „unverschämt hoher Preis“. Immerhin könne er ja nur drei Geschosse bauen. „Aber wir haben die Hoffnung, dass die Preise steigen.“

Seit seiner Gründung im Jahr 1969 ist „Dietmar Bücher Schlüsselfertiges Bauen“ ein Einzelunternehmen. Bücher selbst trägt die komplette Verantwortung. „Ich mache nur Geschäfte, die ich verstehe“, sagt er. Und das sei der Wohnungsbau. „Dafür haben wir das komplette Programm“.

Inzwischen beschäftigt Bücher rund 70 Mitarbeiter, darunter Architekten, Bauleiter, Zeichner, Buchhalter, Verkäufer und Finanzfachleute. Zudem hat er einen eigenen Bauhof mit 25 Kränen und weiteren Gerätschaften. Büchers Personal kümmert sich um Planung, Bauleitung und Verkauf. Den Bau selbst stemmen überwiegend Lohnfirmen. Mit rund 25 verschiedenen arbeitet Bücher für den Bau eines Hauses zusammen. „Ich rate ihm schon lange, eine Firma zu gründen“, sagt Rose. „Ja, wir werden eine Firma gründen“ sagt Bücher. „Aber das braucht Zeit.“

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