Friedberg

Brücke der Begegnung

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Das Gesundheitszentrum in der Wetterau hat einen neuen Therapiegarten angelegt. Für Patienten der Psychiatrie und anderen soll er als Ort der Begegnung fungieren.

Die Parzelle auf dem Kleingartengelände am östlichen Rand von Ockstadt ist frisch gepflügt, nun kann darauf Neues entstehen. Der künftig naturnahe Garten soll auch als Begegnungsraum für Patienten der Klinik für Psychiatrie und anderen Menschen fungieren. Die „Soteria“-Station des Gesundheitszentrums Wetterau hatte das Projekt bei der Umweltlotterie GENAU angemeldet und bekam nun 5000 Euro ausgeschüttet.

„Das Grundstück wird von der Stadt Friedberg seit etwa 2003 gepachtet und als Therapiegarten der Klinik genutzt“, sagt Stationsleiter Bjoern Pfarrer. Die Nutzung sei über die Jahre sehr schwankend gewesen. Seit rund eineinhalb Jahren habe der Garten sogar brachgelegen, nachdem eine frühere Kollegin die Betreuung aufgegeben habe. Daher sei das Umpflügen mit Hilfe eines örtlichen Baumaschinenverleihers als erster Schritt für eine Neunutzung erforderlich geworden. Bei der Aufstellung des Konzeptes seien viele Ideen aufgenommen worden, deren Verwirklichung jedoch allein vom Stationsbudget nicht bestritten werden könne. Pfarrer bewarb sich mit dem Projekt erfolgreich bei der Umweltlotterie. Das Geld reiche nun für die Umsetzung des Plans, heißt es.

Soteria

Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet Rettung, Heilen und steht für eine alternative stationäre Behandlung von Menschen im psychotischen Krisen.

Umweltlotterie Genau(Gemeinsam für die Natur) gehört zu Hessen Lotto. Gewinne werden an Teilnehmer und Kommunen der Gewinner für Naturprojekte ausgeschüttet. sun

Angelegt werden Beete mit Kräutern und Gemüse, Bänke und ein Weidentippi sollen zum Verweilen einladen. Die Natur soll dort auch spürbar sein etwa mit einem Aromagarten und einem Barfußpfad. „Der Garten soll zu einer Naturoase für alle werden“, sagt Pfarrer. Das rund 300 Quadratmeter große Gelände werde daher auch nicht eingezäunt. „In vielen Köpfen ist noch immer das Bild vom brandgefährlichen psychisch Kranken sehr manifestiert“, sagt Pfarrer. Das gegenseitige Kennenlernen könne die Sensibilisierung der Gesunden für die seelische Erkrankten fördern. Der Garten diene somit auch als Brücke der Begegnung.

Die Patienten der Soteria-Station nehmen freiwillig an dem begleiteten therapeutischen Gartenprogramm teil, das an zwei Vormittagen in der Woche geboten wird. Die Teilnahme ist freiwillig, so Pfarrer. Die Gruppenstärke beträgt vier bis zehn Patienten, deren Mitmachen auch von der Tagesverfassung abhängt. Bei gutem Wetter werde der Fußweg zur Parzelle genommen, alternativ bestehe eine Busverbindung.

Die Betreuung bei der Tätigkeit auf dem Gelände umfasst mehr als die therapeutische-gärtnerische Anleitung. Es ist auch das Allgemeine, etwa dass Sonnenschutz, Trinken oder Pausen nicht vergessen werden. Der Bau von Igel- und Vogelhäusern lasse sich in der Ergotherapie integrieren.

Was ab Spätsommer an Kräutern, Gemüse und Obst geerntet wird, wird für den Eigenverbrauch genommen. In den Back- und Kochgruppen können die frischen Zutaten gleich verarbeitet werden.

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