Wetterau

Ein Fluss versinkt im Schlamm

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Die Sedimentschicht in der Horloff wächst stark. Nun werden die Ursachen ermittelt.

Über Jahrhunderte wurde die Horloff auf weiten Abschnitten der ursprüngliche Charakter genommen. Der aus dem wasserreichen Vogelsberg kommende Fluss wurde früh gestaut, um ihn Mühlen antreiben zu lassen. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Horloff in Siedlungsgebieten in einen kanalartigen Verlauf gezwängt, was ihrn Hochwasser bändigen sollte. Die Spätfolgen beschäftigen nun Aufsichtsbehörden des Landes und Forscher der Universität Frankfurt. Der Fluss verschlammt im hohen Maße.

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt will mit dem Fachbereich Biowissenschaften der Goethe-Universität die Gründe der Sedimentablagerungen herausfinden. Das RP vermutet, dass bisherige Maßnahmen zur Hebung der Gewässergüte nicht nur wenig Erfolg zeigen, sondern möglicherweise auch kontraproduktiv sind.

„Die Horloff ist ein Mittelgebirgsfluss. Sie hat jedoch nicht mehr das typische Kiesflussbett. Stellenweise ist die Schlammschicht bis zu einem Meter tief“, sagt Jörg Oehlmann, Direktor des Institut für Ökologie, Evolution und Diversität im Fachbereich Biowissenschaften. Er ist auch für das Projekt NiddaMan zuständig, in dessen Einzugsbereich die Horloff liegt. Die starke Sedimentierung habe erhebliche Nachteile für die Fauna und Flora in dem Fluss, weil für bestimmte Arten wie Bodenfische der Lebensraum knapper werde. Überdies reichere sich der Schlamm mit Schadstoffen wie Pestiziden und Düngemitteln an, die der Regen von den Feldern in die Horloff wäscht. Eine Belastung, die auch für die Nidda, in welche der Fluss bei Reichelsheim mündet, nicht ohne Folgen ist .

Laut Oehlmann führt eine starke Verschlammung auch dazu, dass von den kleinen Flüssen weniger natürliche Feststoffe in die großen Gewässer wie den Rhein gelangen, so dass deren Sedimentschichten weniger neues Material erhalten und damit stärker erodieren - zum Nachteil der dortigen Tiere und Pflanzen.

Dem RP zufolge werden zunächst Daten „zur Beurteilung der Sedimentsituation“ gesammelt und mit den vorhandenen Informationen des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie dem für Bodenmanagement und Geoinformation ausgewertet. Eine Begehung der Horloff soll zudem eine Möglichkeit bieten, der Ursachenermittlung näher zu kommen.

Wie der weiteren Verschlammung Einhalt geboten werden kann, dazu gibt es zurzeit keinen konkreten Plan. Ein Ausbaggern der Horloff hält Oehlmann aus mehreren Gründen für nicht sinnvoll. Die sehr hohen Kosten, die aufwendige Entsorgung und das Freisetzen von möglichen Giften etwa aus dem früheren Kohletagebau in der Region stehen dagegen, erläutert er.

Im Blickfeld der Wissenschaftler liegt zudem der Pflanzenschutzeintrag. Laut Oehlmann ist das vor allem im Frühjahr und Herbst der Fall, wenn Vorlaufherbizide auf die Felder gebracht werden. Bei Regen rufen dann Messstationen per Handymeldung zum Probennehmen. Bisherige Messungen ergaben, dass die Belastung zeitweilig den Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter um das bis zum 20-fache übersteigt.

Die Sumpfige

Die Horloff ist 44,5 Kilometer lang. Sie entspringt im Vogelsberg nördlich von Schotten und mündet nahe dem Reichelsheimer Flugplatz in die Nidda. Die Höhendifferenz beträgt 405 Meter.

Der Name kommt aus dem Althochdeutschen „horawin“, was „sumpfig“ bedeuten soll.

NiddaMan ist ein Projekt der Universität Frankfurt, FB Biowissenschaften, Bereich Aquatische Ökotoxikologie, zur stofflichen Belastung auf die Gewässer im Einzugsgebiet der Nidda. 

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