Wetterau

Zu wenige Klassenräume in der Wetterau

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Der Kreiselternbeirat moniert in einem offenen Brief die Situation an den Schulen im Kreis Wetterau.

Erstmals hat der Kreiselternbeirat in einem Schreiben an Eltern, Lehrer und Schüler die Situation der Schulen im Kreisgebiet bewertet und Forderungen aufgestellt. Kritisiert wird etwa das Land Hessen und seine schlechte Personalausstattung an Schulen. Lehrerausfälle würden mit fachfremder Vertretung oder Schülerbeaufsichtigung überbrückt, heißt es.

Aber auch an den Wetteraukreis als Schulträger werden Forderungen gestellt, besonders hinsichtlich des Schulbaus, der laut Kreiselternbeirat mit den Zuzugszahlen nicht Schritt halte. Andreas Gerhardus, Pressesprecher des Beirats, sagte der FR, im Februar seien die Vorstandswahlen gewesen, danach habe es drei Treffen mit Schulelternbeiräten gegeben. Die in dem Brief erwähnten Themen hätten sich bei den Treffen herauskristallisiert.

Für die Vorstandsspitze mit Thomas Seeling als Vorsitzendem und seiner Vertreterin Carolina Schmelz ist die Situation bei der Ganztagsschule nicht allein den Zuzügen geschuldet. Nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie sei bei der Kultusminsterkonferenz 2001 der Ausbau der Ganztagsbetreuung beschlossen worden. Einen Rechtsanspruch werde es jedoch erst 2025 geben. „Lebenswirklichkeit und -notwendigkeit in vielen Familien ist heute die Berufstätigkeit beider Elternteile oder eines alleinerziehenden Elternteils“, so der Beirat. Zudem werden der Ausbau durch Schuldverschiebungen zwischen Kreis, Land und Schulen gebremst.

Eine ähnliche Diskrepanz zwischen politischen Vorgaben und Umsetzung zeichne sich beim Thema Inklusion ab, heißt es im Brief. Der Wetteraukreis gehört zur Modellregion inklusive Bildung. Doch „viele Lehrkräfte und Schulen klagen über Probleme und Überforderung bei der Umsetzung. Sie fühlen sich vor Ort von Land und Schulträger alleingelassen, nur unzureichend ausgebildet und ausgestattet“.

Elternvertretung sieht dringenden Handlungsbedarf

Eng verknüpft sind Ganztagsschule und Inklusion auch beim Raumbedarf. Zudem sei die Entwicklung der pädagogischen Programme vielfach von räumlichen Bedingungen abhängig und stocke nun. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf“, stellt die Elternvertretung fest. Auch der Zuzug verlange größere Schulen. Als Indikator für den Bedarf sei daher nicht allein die Geburtenrate heranzuziehen, sondern die Zahl der geplanten Neubaugebiete. Die Vergrößerung des Raumangebots dürfe jedoch nicht zu Lasten der Pausenhöfe gehen. Dies würde Bewegungs- und Rückzugsräume reduzieren.

Der Kreis weist den Vorwurf zurück, zu wenig zu tun. Laut Prognosen werden hier bis 2030 allein durch innerörtlicher Verdichtung und Neubaugebiete bis zu 30 000 Menschen mehr wohnen. Der stark ansteigenden Schülerzahl werde mit einem umfangreichen Ausbauprogramm entgegnet, heißt es vom Kreis auf Anfrage der FR. „Das Investitionsvolumen des Wetteraukreises wird 2019 und 2020 nahezu verdoppelt.“

Rund 70 Prozent des Investitionvolumens von mehr als 35 Millionen Euro im Jahr fließen in den Bereich Schulbau. Geld allein hilft nur bedingt. „Vor dem Hintergrund der Überhitzung des Baugewerbes und des Fachkräftemangels ist der Schulneu- und Erweiterungsbau derzeit zeitintensiv“, erläutert Kreispressesprecherin Petra Schnelzer.

Mit der Modellregion Inklusive Bildung sei der Kreis in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt ein Vorreiter in Hessen. Der Kreis komme seine Verpflichtung als Schulträger nach, die Inklusion weiter zu unterstützen, so Schnelzer. Ende 2018 habe der Kreistag ein Eckpunktepapier verabschiedet, das einen räumlichen und finanziellen Rahmen definiere. Bei der Ganztagsschule können der Kreis jedoch nach geltendem Landesrecht lediglich Anreize und Beratung bieten. Die Entscheidung zur Ganztagsbetreuung liege bei den Schulen.

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