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Die mittelalterliche Burgruine in Münzenberg ist die markanteste Wegmarke der vierten Etappe.
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Die mittelalterliche Burgruine in Münzenberg ist die markanteste Wegmarke der vierten Etappe.

Lutherweg

Weggefährten in stillen Zeiten

Ausgebildete Pilgerbegleiter geben Pilgern Denkanstöße und übernehmen einen Großteil der Organisation. Auch für den Lutherweg gibt es schon Fachleute.

Für den Lutherweg in der Wetterau ist Roswita Greulich eine Bereicherung. Die Karbenerin gehört zu den 18 Frauen und Männern, die sich von Einrichtungen der beiden Evangelischen Landeskirchen in Hessen zu Pilgerbegleitern fortbilden lassen. Nicht zu verwechseln mit Pilgerführern, wie sie sagt. Das seien die gedruckten Hilfen. Die 63-Jährige hat schon viele Pilgerwege zurückgelegt. 2011 pilgerte sie von Flensburg bis zur italienischen Grenze. Von April bis Ende Juli dieses Jahres war sie auf dem Jakobsweg zwischen Straßburg und Santiago de Compostela unterwegs. Und selbst ein Stückchen des künftigen Lutherweges, wenn auch nur bis Bad Vilbel, ist sie mit einer kleinen Gruppe gepilgert.

Ebensolche Erfahrung verlangen das Frankfurter Zentrum Verkündigung und die Pfarrstelle für Meditation und geistliches Leben, die die Fortbildung zum Pilgerbegleiter anbieten. Daneben müssen die Teilnehmer in der Lage sein, 20 Kilometer am Tag zu wandern, sich in der Natur zu orientieren und Gruppen zu leiten. Erwartet werden „gefestigte Persönlichkeiten mit einem geistlichen Profil“.

Am ersten Septemberwochenende endet für Greulich und die anderen die Fortbildung. In Worms, dem Ziel von Luthers Reise, erhalten sie in einem Gottesdienst den Segen für die neue Aufgabe. „Ab dann ist jeder auf sich selber gestellt, diese Dinge in seiner Gemeinde anzubieten“, sagt Bernd Rausch, der Vorsitzende des Vereins Lutherweg in Hessen.

Diese Dinge erklären kann Hartmut Clotz. Der frühere Pfarrer von Ober-Rosbach und Dekan des Dekanats Wetterau bietet seit vielen Jahren Pilgern seine Begleitung an. Er hat eine feste ökumenische Pilgergruppe, mit der er in der Gegend um Friedberg pilgert. Als Pilgerbegleiter legt er fest, wo Andacht gehalten wird, und auf welchen Passagen die Pilger schweigen sollen. „Stillweg“ nennt das der 81-Jährige.

Zehn Minuten lang, so Clotz, soll die Gruppe dann über ein bestimmtes Thema nachdenken. „Einer muss die Impulse geben“, beschreibt er kurz die Aufgabe der Begleiter. Ist das Innehalten vorüber, erzählen sich die Teilnehmer von ihren Gedanken. So sei er einmal mit einer Gruppe zwischen Hoch- und Nieder-Weisel an einem Soldatenfriedhof vorbeigekommen. Clotz ließ die Gruppe daraufhin über Leben und Tod sinnieren, wie er sagt. Manche Themen beschränken sich auf eine Wanderung, andere gelten gleich für mehrere. Um das abzustimmen, trifft sich die Pilgergruppe um Clotz stets Ende November. „Wir legen Ziele fest, sammeln Interessen und bestimmen Termine.“

Was für Clotz längst Routine ist, ist für viele der künftigen Begleiter auf dem Lutherweg noch neu. Deswegen bekommen sie in der Fortbildung an drei Wochenende neben Informationen zur Theologie des Pilgerns, zu Martin Luther und dem Lutherweg auch vermittelt, wie sich Themen für einen Pilgertag finden, wie sich Gebetszeiten und Impulse gestalten lassen. Auch steht die Organisation des Pilgertages auf dem Stundenplan. In Clotz‘ Gruppe erledigt das Klaus Wicke. Als erfahrener Begleiter weiß er, worauf es dabei ankommt. Mindestens vier Wochen vor jeder Tour fährt er gemeinsam mit Clotz die gewählte Route ab. Bei schlecht ausgeschilderten Strecken sei das besonders wichtig, sagt der 80-Jährige, der schon Gruppen auf dem Jakobsweg durch Frankreich und Spanien begleitet hat.

Wochen vorher ruft er zudem in den Büros der Pfarrgemeinden am Weg an. Man sollte die Gruppe schon ankündigen, damit zum Beispiel die Kirche zum Gebet offen stehe. Seine Maxime: „Die Mitgeher brauchen nichts zu tun, außer den Tag zu genießen.“ Dass es dieses Angebot über einen oder mehrere Tage geben wird, hält Bernd Rausch für einen „unverzichtbaren Bestandteil“. Natürlich gebe es aber genauso Leute, die wollten alleine unterwegs sein.

Bis Roswita Greulich als Begleiterin auf dem Lutherweg tätig ist, wird mindestens noch ein Viertel Jahr vergehen, wie sie sagt. Erstmal müsse sie den Weg selber gehen. Aufdrängen will sich die Unternehmensberaterin aber nicht. Doch wenn jemand auf sie zukomme, stehe sie zur Verfügung.

Informationen über die Ausbildung zum Pilgerbegleiter gibt es bei Pfarrerin Dorothea Hillingshäuser unter: 069/71379136.

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