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Metallschmelze für den Druck von Gegenständen

Karben

Die Wasserpumpe aus dem Drucker

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Autozulieferer Continental eröffnet konzernweites Kompetenzzentrum für 3D-Druck.

Bei Continental in Karben bricht ein neues Zeitalter der industriellen Fertigung an. Bauteile, die bislang in materialabtragender Technik oder im Gussverfahren produziert werden, kommen künftig aus dem Drucker – zumindest bei geringer Stückzahl. Der Autozulieferer hat nunmehr sein erstes 3D-Druck-Kompetenzzentrum auf dem Gelände seines Elektronikwerks Automotive GmbH eröffnet. Es hat eine Prototypfunktion für andere Standorte auch im Ausland und für externe Partner, teilt der Konzern mit. Rund 150 Techniker und Ingenieure werden Muster und Kleinserien in dem Kompetenzzentrum herstellen, das dem konzerneigenen Dienstleister Continental Engineering Services zugeordnet ist.

Ein Ersatzteillager könnte demnächst in den Speicher eines USB-Sticks passen, Bauteile könnten ohne Umweg vom Konstruktions-PC in die Fertigung gehen, um etwa ein reales Muster zu Testzwecken zu erhalten. Oder es lassen sich Geräteteile erstellen, für die es weder Ersatz noch Produktionwerkzeuge gibt.

Die Technik heißt additive Fertigung. Die herkömmlichen Maschinen wie Fräse oder Bohrer werden nur noch für die Nachbearbeitung benötigt. Der 3D-Druck erfordert vor allem einen PC, die Abbildung des zu druckenden Objektes in Form von Daten, die auch durch Abtasten mit einem 3D-Scanner erstellt werden können, und einen 3D-Drucker. Ein Laserstrahl verflüssigt darin Kunststoff oder Metallpulver, etwa aus Aluminium oder Stahl, und lässt den Gegenstand schichtweise wachsen, so wie beim Tintenstrahldrucker das Bild Linie um Line entsteht. Der 3D-Druck ist reif für hochwertige Bauteile wie Wasserpumpen oder Bremssättel, heißt es von Continental. „Gedruckte Bauteile etwa aus Aluminium sind mittlerweile in Bezug auf ihre Haltbarkeit und Optik absolut vergleichbar zu traditionell hergestellten Teilen“, bemerkt Werksleiter Thorsten Rauch.

„In Karben wird das konzernweite Know-how gesammelt“, heißt es von Pressesprecherin Alena Liebram. Dort werden Technologien erprobt, Prozesse und Verfahren entwickelt und für Continental „weltweit ausgerollt“. Die Technologie der additiven Fertigung ist nicht auf einen oder wenige Bereiche von Continental beschränkt, heißt es. „Zurzeit werden die verschiedenste Projekte auf eine Serienfertigung aus dem 3D-Drucker analysiert.“ Fest steht dabei schon jetzt: „Durch die Vielseitigkeit der Möglichkeiten kann die additive Fertigung in Zukunft Einzug in die gesamte industrielle Fertigung erhalten“, so Liebram.

Über Geld wird bei dem 8000 Quadratmeter großen Kompetenzzentrum, das die komplette Prozesskette, angefangen vom Design, Fertigung und Nachbearbeitung vereint, nicht in Beträgen gesprochen. Die Investition erstrecke sich über mehrere Jahre, so dass zurzeit keine Angaben über die Höhe der Ausgaben gemacht werden könnten, sagt Liebram.

Die Folgen des 3D-Drucks für die Beschäftigten sind laut der Pressesprecherin nicht nur am Standort Karben positiv. „Die additive Fertigung ist keine substituierende Technologie. Es werden so ganz neue Möglichkeiten geschaffen“, sagt sie. So könnten ganz neue Produkte entstehen, die in Karben gefertigt würden. Im nahen ContiTech Schlauchleitungswerk werden hingegen knapp 90 Stellen abgebaut. „Die dort vorgenommenen Anpassungen gelten jedoch nicht für das benachbarte Elektronikwerk“, betont Liebram.

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