Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sanierte Trinkkuranlage in Bad Nauheim
+
Sanierte Trinkkuranlage in Bad Nauheim

Bad Nauheim

Wasser wie Hering mit Lakritzen

Aus der sanierten Trinkkuranlage in Bad Nauheim fließt wieder Wasser. Bürgermeister Witzel sieht das als Startschuss für eine Wiederbelebung der Kurtradition.

Von Bruno Rieb

Die Trinkkur soll in Bad Nauheim wieder eine größere Rolle einnehmen. In den tschechischen Kurstädten Karlsbad und Marienbad habe die Trinkkur wieder an Bedeutung gewonnen, „das soll auch hier wieder so werden“. Das wünschte sich Bad Nauheims Bürgermeister Bernd Witzel (UWG), als er am Samstagnachmittag die sanierte Trinkkuranlage in Betrieb nahm.

Für knapp sieben Millionen Euro ist die 100 Jahre alte, ausgedehnte Jugendstilanlage saniert worden. Die Gastronomie wurde aufgewertet und der Veranstaltungssaal im südlich Teil des hufeisenförmigen Gebäudeensembles deutlich vergrößert. Er fasst nun weit über 330 statt bislang 180 Menschen. Bei der Eröffnungsfeier erlebte er seine Feuertaufe: Der Saal war rappelvoll. „Halbe Preise“ im Café lockten Einwohner und Kurgäste.

Neuer Betreiber der Gastwirtschaft ist Matthias Polster. Der Großveranstaltungs- und Cateringspezialist hatte im vergangenen Jahr die Landesgartenschau in Bad Nauheim betreut. Für Witzel ist die Anlage ein „wunderschönes Bürger- und Kurzentrum“. Am kommenden Donnerstag, 27. Januar, wird das Stadtparlament erstmals im Saal tagen.

Als letzter Gebäudeteil soll der Ostflügel der Trinkkuranlage saniert werden. Die großen Glasscheiben zwischen den Säulen sollen entfernt und ein neues Pflaster verlegt werden, damit dort „wieder gewandelt werden kann“. Das Pflaster soll dem historischen entsprechen. „Solche Platten müssen sie erst einmal finden“, sagte Witzel.

Ob der nördliche Raum des Ostflügels weiterhin für Kunstausstellungen genutzt werden soll, ist noch ungewiss. Derzeit ist dort die Ausstellung „Improvisation“ mit Werken von 40 Künstlern zu sehen. In der einstigen Gaststätte „Überflieger“ im Ostflügel möchte der Bürgermeister wieder Kleinkunstveranstaltungen ermöglich. Im bereits sanierten Teil der Trinkkuranlage ist ein neues Trauzimmer entstanden, „behindertengerecht, in wunderschönem Ambiente“, findet der Bürgermeister.

Herzstück der Anlage ist der „Kurbrunnentempel“. Hier hatte sich der Architekt Wilhelm Jost vom Jugendstil gelöst und an frühchristlichen Kirchen orientiert. Das Heilwasser wird an einem achteckigen Ausschank gereicht. Am Samstag war es rege gefragt, obwohl es schmeckt „wie Hering mit Lakritzen“, wie einst der Dichter Erich Kästner befand, der 1930 und 1932 in Bad Nauheim zur Kur weilte.

Das Wasser der beiden Natrium-Chloridsäuerlinge wird bei schwacher Säurebildung des Magens und bei Darmträgheit empfohlen, um die Sekretion von Magen und Bauchspeicheldrüse und die Magenmotorik anzuregen.

Ausgeschenkt wurde es dereinst von „Brunnenmädchen“. Die hätten das höchste Monatsgehalt in der Kurstadt gehabt, weil ihnen reiche Kurgäste reichlich Trinkgeld zugesteckt hätten. Witzel: „Ich hoffe, dass es wieder so wird.“

Es wird übrigens heute wie anno dazumal empfohlen, das erste Glas Heilwasser „morgens nüchtern, gegebenenfalls leicht angewärmt“ zu trinken.

Die Kunstausstellung „Improvisationen“ ist bis zum 30. Januar täglich von 11 bis 18 zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare