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Sozialarbeiter und Polizei sprechen Jugendliche an.
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Sozialarbeiter und Polizei sprechen Jugendliche an.

Bad Vilbel

Vorglühen im Dunkeln

Mit dem Alkohol-Präventionsteam der Stadt unterwegs auf der Vilbeler Kerb.

Von Rebecca Röhrich

Seit einigen Jahren beobachten Polizei und Sozialarbeiter der Quellenstadt eine massive Zunahme beim Alkoholkonsum von Jugendlichen - vor allem während des Bad Vilbeler Marktes. Gerade die 14- bis 15-Jährigen greifen vermehrt zu Hochprozentigem. Deshalb gehen Sozialarbeiter, Ordnungsamt und Polizei seit zwei Jahren während der Vilbeler Kerb auf die Suche nach jungen Menschen, die unerlaubt Alkohol trinken. Sie werden bei jedem ihrer Einsätze fündig, so auch an diesem Samstagabend.

Im europäischen Vergleich ist der Alkoholkonsum in Deutschland hoch und seit einigen Jahren trinken immer jüngere Menschen bereits früh Schnäpse und Liköre. Besonders besorgniserregend ist hierbei das so sogenannte Rauschtrinken. Also ein Alkoholkonsum, der nur das Ziel hat betrunken zu werden. Der Genuss ist dabei nur Nebensache. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, trinken sich junge Menschen ab 12 Jahren immer regelmäßiger einen Rausch an. Bei den 15-Jährigen betrinkt sich jeder Zweite regelmäßig.

„Das Problem ist vor allem, dass die Teenies immer häufiger Schnaps trinken. Das geht schon mit 14 Jahren los“, sagt Sozialarbeiter Gerhard Rauschenberg, der seit über zehn Jahren in Sachen Suchtprävention bei Jugendlichen in der Wetterau unterwegs ist. „Wir hatten vor einigen Jahren eine 14-Jährige die mitten auf dem Festplatz eine Flasche Wodka angesetzt hat. Das waren für uns ein ganz klares Alarmsignal“, ergänzt Mario Migdalski, Ordnungspolizeibeamter der Stadt Bad Vilbel. Gemeinsam mit dem Kollegen Karsten Schön von der Polizei ziehen die drei los.

Ziel ist das Gespräch

Es ist 21 Uhr und der Festplatz füllt sich langsam. Zunächst geht es aber in die Peripherie des Festgeländes. Denn die Jugendlichen ziehen sich zum „Vorglühen“ gerne in die dunklere Umgebung zurück. Aktuell ist die Kohlensäureschaltanlage dafür ein beliebter Ort. Und tatsächlich: Auf einer Bank sitzen fünf Jungs. Vor ihnen stehen zwei Schnapsflaschen und ein Energydrink. Auf den ersten Blick ist das Alter der Leute schwer einzuschätzen. Polizeioberkommissar Thorsten Schön spricht die Gruppe freundlich an und lässt sich die Ausweise zeigen. Alle sind volljährig.

Trotzdem bietet Schön ihnen an, mit dem Alkoholmeter zu testen, wie viel Promille sie bereits intus haben. Der 18-jährige Darius erklärt sich bereit und pustet in das kleine Röhrchen: 0,54 Promille. Im Vergleich zu dem, was an diesem Abend noch gemessen werden wird, ein geringer Wert. Darius findet die Präventionsarbeit der Polizei und der Sozialarbeiter gut. „Aber bei uns ist es nicht Sinn der Sache, sich total abzuschießen“, sagt der Abiturient. „Wir wollen uns ja an den Abend noch erinnern.“

Migdalski, Schön und Rauschenberg ziehen weiter. Ein weiterer beliebter Treffpunkt ist die „Mulde“, die kleine Skateranlage im Burgpark. Dort wurde mittlerweile ein Flutlicht installiert, um den Platz besser einzusehen. Als sie dort ankommen, liegt der Skatepark im Dunkeln. Jemand hat den Stecker der Flutlichtanlage gezogen. Ein paar Grüppchen sind auf dem Gelände zu erkennen. Aber die Jugendlichen machen einen guten Eindruck. Nur der Stecker der Flutlichtanlage wird noch schnell von Migdalski eingesteckt, bevor es weitergeht.

„Wir suchen vor allem das Gespräch“, sagt Schön. „Denn das erste Ziel ist, die Jugendlichen über die Gefahren von Alkohol aufzuklären.“ Wenn es nach dem Jugendschutzgesetz geht, darf ab 16 Jahren Bier und Wein konsumiert werden. Ab 18 Jahren sind dann alle im Handel erhältlichen Spirituosen erlaubt. Auch die Altersgrenze für Tabak ist vor Kurzem von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt worden.

„Der Tabakkonsum geht aber seit Jahren immer mehr zurück“, sagt Rauschenberg. „Das gilt auch für den Cannabismissbrauch.“ Sorge bereite ihm und seine Kollegen von Polizei und Ordnungsamt der konstant hohe Konsum von starken alkoholischen Getränken.

Der Promillepegel steigt

Beim beliebtesten Jugend-Treff der Kerb, am FFH-Platz, trifft das Präventionsteam dann auch einige junge Leute, die stark alkoholisiert sind. Der 18-jährige David ist so betrunken, dass die Polizei trotz Volljährigkeit eine Personenkontrolle durchführt und die Angaben des jungen Mannes überprüfen lässt. Beim Alkoholtest zeigt das Gerät 2,12 Promille an.

Das ist sehr viel. Glücklicherweise hatte der junge Mann eine nicht ganz so stark betrunkene Freundin dabei. „Wenn unter 18-Jährige zu stark alkoholisiert sind, verständen wir die Eltern. Die müssen ihre Kinder dann abholen.“ Erstaunlicherweise stoßen die Beamten dabei oft auf Unverständnis vonseiten der Erziehungsberechtigten. „Alkohol zu trinken ist gesellschaftlich sehr akzeptiert.“

Mittlerweile ist es 22.30 Uhr. Einen 15-Jährigen mit 0,6 Promille schickt Oberkommissar Schön nach Hause. Dort hinbringen kann er ihn allerdings nicht. „Es kann sein, dass der uns später nochmal über den Weg läuft. Dann werde ich seine Eltern kontaktieren“, sagt Schön. Bis zur Sperrstunde um 2 Uhr wird das Präventionsteam noch so manchen Alkoholtest durchführen.

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