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Renoviert: die Sternwarte auf dem Johannisberg.

Volkssternwarte

Bad Nauheim: Blick in unendliche Weiten

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Die Sanierung der Volkssternwarte ist beendet.

Wenn sich am Himmel ungewöhnliche, scheinbar unerklärliche Dinge abspielen, können die Bad Nauheimer wieder auf den Johannisberg zum Turm der einstigen Bergkirche eilen - nicht wie in früheren Zeiten, um religiösen Beistand zu erbitten, sondern um etwa mit dem Blick durch ein Teleskop den astronomischen Wissensdurst zu stillen. Die Sanierungsarbeiten dauerten acht Monate – und damit vier Monate mehr als geplant. Die Volkssternwarte auf dem frühmittelalterlichen Glockenturm ist von heute an wieder dienstags für das Publikum geöffnet. Rund 255 000 Euro hat die Stadt in die Instandhaltung gesteckt, vor allem um die Schäden im Bruchsteinmauerwerk zu beheben.

„Mehr als 100 Jahre ist hier nichts geschehen“, erläutert Walter Gröning, Vorsitzender des Sternwartevereins. Bereits 2015 zum 50-jährigen Bestehen der Himmelsbeobachtungsstation, die sich aus der Ferne durch ihre weiße Kuppel zu erkennen gibt, sei auf die baulichen Probleme am Turm hingewiesen worden. Die Stadt habe die Mahnung des Vereins gehört, so Gröning, aber das Geld musste zunächst in den Haushalt platziert werden. „Der Verein ist mit seinen 30 Mitgliedern zu klein, um die Kosten zu stemmen.“ Laut Gröning ist die Sanierung zudem um 75 000 Euro teurer gekommen.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts vom Kirchenschiff nichts mehr übrig war, wurde der dickwandige Turm für die Aussicht über Bad Nauheim und weit in die Wetterau bis zum Vogelsberg genutzt. Dazu wurde das achteckige Bauwerk um einige Meter höher gemauert, damit der Blick von Baumwipfeln nicht gestört wird. „Der Aufsatz hat sich um vier Zentimeter geweitet. Er musste jetzt ein Korsett erhalten“, sagt Gröning und zeigt auf die schmalen Stahlfassungen.

Laut dem Ersten Stadtrat Peter Krank (parteilos) wurde mit einer Drohne eine Bestandsaufnahme gemacht. Das Ergebnis: Durch zahlreiche Risse in den Mörtelfugen war Feuchtigkeit in das Mauerwerk eingedrungen, so dass der Verbund der Steine nicht mehr sichergestellt war, heißt es. Auch wurden einige Schlusssteine auf den Zinnen erneuert, und der Boden auf dem Dachgang erhielt einen regendichten Estrich. Im Turminneren wurde neben der Elektrik die historische, offene Holztreppe wieder ins Lot gebracht, die teilweise abgesackt war, wurden einige altersschwache Stufen ausgetauscht. Ein Querbalken verbessert zudem die Statik.

Mehr als 2000 Besucher zählt das Sternwartenteam im Jahr. Keineswegs sind es nur Erwachsene. Kita-Gruppen und Schulklassen lernen dort etwas über die Himmelskörper und können bei klarer Sicht durch eines der beiden Fernrohre, ein Spiegel- und ein Linsenteleskop, blicken. In den kommenden Wochen soll ein drittes Instrument installiert werden, mit dem - gefahrlos für das Auge - das turbulente Geschehen auf der Sonne beobachtet werden kann.

„Selbst wenn mal nicht in den Himmel geschaut werden kann, wird es hier oben nicht langweilig“, sagt Gröning. Vorträge, Diskussionen über Raumfahrt oder Beratung zur Anschaffung eines Fernrohrs oder dessen Handhabung füllen dann die Zeit. Dienstags ist in der Regel Publikumstag, wenn es nicht zu einem besonderem astronomischen Ereignis eine Sonderöffnung gibt.

Bad Nauheimer müssen zur Publikumsöffnung nicht in die Zeitung schauen. Leuchtet am Turm ein rotes Licht, dann kann man sich auf den Weg machen.

Das Observatorium

Die Sternwarte wurde 1965 auf der Plattform des 20 Meter hohen ehemaligen Glockenturms gebaut. Ideengeber war der Friedberger Amateur-astronom Erwin Krauskopf.

Publikumsabend bei freiem Eintritt ist dienstags von 20 Uhr an, erstmals nach der Sanierung am 18. Februar.

Der Turm steht an der Straße Johannisberg 14. Der Zugang zum Observatorium ist nicht barrierefrei. 

www.sternwartewetterau.de

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