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Vogelschutz kontra Windkraft

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Wetterau Ornithologen diskutieren Auswirkungen auf Tierverhalten

Der Arbeitskreis Wetterau der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) hat sich in seiner jüngsten Sitzung damit befasst, wie die Ausweitung der Windenergiegewinnung mit dem Vogelschutz vereinbart werden kann. Die Landesregierung plant, die Windkrafterzeugung bis 2020 zu verzehnfachen. Die Vogelschützer sehen erhebliche Probleme: Neben der direkten Kollision der Tiere mit den Rotoren bestehe die Gefahr, dass Vögel Windräder weiträumig meiden und dadurch wertvolle Brut- und Rastgebiete verloren gehen.

Besonders betroffen ist laut Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte der Rotmilan. Der steht im Zentrum eines langjährigen Forschungsprojektes der HGON. Mit 10000 bis 14000 Paaren brüte mehr als die Hälfte des weltweiten Bestands in Deutschland. Seit den 90er Jahren habe die Zahl der Vögel um 30 Prozent abgenommen. Das Tier meide Windanlagen nicht. Es sei nachgewiesen, das Rotmilane vielfach Opfer der Windräder würden.

Deshalb fordern die Vogelschützer, dass Windräder einen Mindestabstand von 1000 Metern von Neststandorten des Rotmilans haben sollen. Außerdem sollen die Flächen am Fuß der Windräder so gestaltet werden, dass sie als Nahrungsflächen für den Vogel nicht attraktiv sind.

Umstritten ist laut Hormann, welchen Einfluss die Windräder auf die Schwarzstorchpopulation haben. Der Vogelsberg weise in Hessen die größte Dichte an Brutpaaren auf. Die Vogelschützer empfehlen, Windanlagen mindestens 3000 Meter entfernt von deren Nestern zu errichten. Da die Störche in einem Radius von 12 bis 15 Kilometern Nahrung suchen, müsse bei Planung der Anlagen die Lage der Nahrungsgebiete berücksichtigt werden.

Bei Zugvögeln könnten Windräder dazu führen, dass sie die Landschaft weiträumig meiden, sagt Hormann. Im Norddeutschen Tiefland könnten die Zugvögel den Anlagen leicht ausweichen. In Mittelgebirgsregionen, wie in Randbereichen der Wetterau, sei der Einfluss der Windräder auf das Zugverhalten jedoch von zentraler Bedeutung. Vor allem Wiesenvögel wie der Kiebitz würden Windräder meiden. Sie würden die Anlagen im Abstand von mehreren Hundert Metern umfliegen.

Ein Sonderfall sei der Kranich. Die Wetterau sei sein bedeutendstes hessisches Rastgebiet. Bei günstigem Wind hätten die Anlagen keinen Einfluss auf den Zug dieser Vögel, bei ungünstigen Wind- und Sichtverhältnissen würden sie aber bis zu 1500 Meter Abstand halten. Die Vogelschützer fordern deshalb windanlagenfreie Zugkorridore für den Kranich. (ieb.)

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