+
Der Weg entlang der Nidda, die renaturiert werden soll, wird als Radweg ausgebaut. Die Baumfällungen dazu sind umstritten.

Bad Vilbel

Die Nidda erhält eine Furt für Rinder

  • schließen

Der Fluss wird im Stadtgebiet weiter renaturiert. Der dort verlaufende Fernradweg R4 wird neu gebaut.

Die gelben Schilder in den Bäumen am Nidda-Radweg zwischen Büdinger Straße und Im Rosengarten lassen Böses erahnen. „Kettensägenmassaker“ steht darauf. Die „Initiative Gelbwespen“ hat sie angebracht. Gewässerökologe Gottfried Lehr muss nicht lange über die Antwort auf den Protest nachdenken. „Hinterher wird der Zustand deutlich besser sein“, sagt er. Die Stadt informierte gestern über die Pläne, die Nidda auf 500 Meter Länge zu renaturieren. Ein Lückenschluss der Renaturierung in der Stadtgemarkung, der mit den Neubau des Uferradwegs und Fällarbeiten einhergeht.

Laut einer Schwachstellenanalyse zu Radwegen im Kreisgebiet soll dieser Abschnitt zu den unkomfortabelsten zählen, sagt Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU). Der relativ schmale Weg dicht an der steilen Uferböschung wird künftig drei Meter breit sein und eine asphaltierte Fahrbahn haben. Weil es sich um den touristisch wichtigen Fernradweg R4 handele, sei er um einen halben Meter breiter als der Standard, sagt Planer Karsten Ott vom Büro IMB Plan in Frankfurt.

Noch mehr an Breite sei aber auch an Tagen mit hoher Nutzerzahl nicht notwendig; gegebenenfalls werde nebenan noch ein Grünstreifen zum Ausweichen angelegt, der habe sich andernorts bewährt, sagt Ott. Denn mit dem künftig besseren Zustand des Radwegs könnte es auch für die Bewohner im Stadtteil Dortelweil attraktiver werden, sich für Erledigungen in der Kernstadt auf das Velo zu setzen.

Nach der Renaturierung der Nidda wird jedoch nicht auf dem alten Pfad geradelt. Der R4 wird um bis zu zehn Meter gen Norden verschwenkt, damit die neue Uferzone Platz erhält. Zurzeit fließt der Fluss, der bei Frankfurt-Höchst in den Main mündet, in einem tiefen, kanalartigen Bett, das man ihm in den 1960er Jahren ob des Hochwasserschutzes geschaufelt hat. Die Uferkanten würden künftig niedriger sein, ohne dass dadurch der Schutz vor einem sehr starken 100-Jahre- Hochwasser gemindert werde, so Lehr, der die Renaturierung plant und begleitet.

Der Uferbereich wird stellenweise so stark abgeflacht, dass ein Zugang zur Nidda leicht möglich ist. Dazu wird der Flussquerschnitt um vier bis zehn Meter verbreitert, was auch den Wasserstand senkt. In der Nähe des biologisch geführten Dottenfelderhofs wird eine Furt angelegt, durch die die Rinder des Hofs auf eine Weide getrieben werden. Hierzu wird eine stabile Kiesbank hergestellt.

Allerdings hat der naturnahe Rückbau der Nidda nicht nur finanziell seinen Preis. Die Bäume entlang des Uferwegs werden wohl zum großen Teil verschwinden. „Es ist nicht lustig, Bäume fällen zu müssen“, sagt Lehr. Aber zum einen stehe das „kosmetische Begleitgrün“ der Uferabflachung im Wege, zum anderen sei es ohne Nutzen für den Fluss. „Wegen des Klimawandels brauchen Gewässer eine Klimaanlage“, sagt Lehr. Ein dichter Baumbestand könne mit seinem Schatten helfen, die Wassertemperatur im Sommer um bis zu fünf Grad Celsius zu senken. Dazu müssten jedoch flusstypische Bäume wie Weide, Esche oder Erle direkt am Gewässer stehen. An anderer Stelle an der Nidda in Bad Vilbel sei bei der Renaturierung bereits so verfahren worden, etwa an der Erlenbachmündung. Dort seien zudem frühere Flussbewohner zurückgekommen – wie Biber und Eisvogel, sagt Lehr.

Mit der Renaturierung wird in diesen Tagen angefangen. Voraussichtlich drei Wochen würden die Arbeiten dauern, so Lehr. Erst dann kann der neue R4-Abschnitt, der rund 900 Meter lang ist und in der Kernstadt am Festplatz beginnt, angegangen werden. Diese Bauzeit werde etwa zwei Monate betragen, so Planer Ott. Schon mit Beginn der Renaturierung werden Radler und Fußgänger die Umleitung am Dottenfelderhof nehmen müssen.

Hintergrund: Kostenverteilung

Der Radwegneubau über 900 Meter kostet 300 000 Euro, davon übernimmt das Land Hessen 75 Prozent.

Die Renaturierungkosten für den Nidda-Abschnitt übernimmt die Gerty-Strohm-Stiftung. Laut Stiftung handelt es sich um einen niedrigen sechsstelligen Betrag.

In Bad Vilbel wird seit mehr als 15 Jahren in Teilen die Nidda renaturiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare