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Dieses alte Gebäude in der Kernstadt ist den Bad Vilbelern bestens bekannt.

Besuch im Inneren

Als es in Bad Vilbel noch ein echtes Gefängnis gab

Wo heute Anleger über die beste Finanzierung rätseln, warteten früher Gefangene auf ihr Urteil.

Bad Vilbel - Gefangen sind in Bad Vilbel heutzutage, wenn überhaupt, nur noch Autofahrer im Berufsverkehr oder Besucher in fesselnden Inszenierungen der Burgfestspiele. Ein echtes Gefängnis gibt es schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Längst lässt das alte Gefängnis von außen kaum mehr erahnen, welche Schicksale sich dort abgespielt haben. Doch ein Besuch im Inneren bringt so manch ein Geheimnis zutage. 

Die Mauern des Hauses der Bergstraße 34 haben schon viele Geschichten gehört: Sorgen von Menschen in Finanznöten, Hoffnungen von aufstrebenden Anlegern oder Ratschläge für Personen, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Seit nunmehr 19 Jahren gehört das ehrwürdige Steingebäude dem Bad Vilbeler Finanz-Coach Matthias Weck. 

Dieses alte Gebäude in der Kernstadt ist den Bad Vilbelern bestens bekannt.

Doch da sind noch mehr Geschichten, die über die Jahre durch die alten Gemäuer hallten. Etwa die von W. Meuchner aus Rödelheim, der im April 1857 in die holzverkleideten Wände ritzte: "Wier waren unsre drei Gesellschaft. Kam herbei, der erste fangt die Leis. Der zweite fangt die Flöh, dem dritten wird es weh." 

Läuse, Flöhe, Schlägereien: Es waren harte Sitten, die im 1853 erbauten Gefängnis herrschten. Nur wenige Jahrzehnte war das Gefängnis in Betrieb, doch die Jahre reichten aus, um zahlreiche Geschichten im Wandholz zu verewigen. Matthias Weck hat sie bei der großen Sanierung vor 19 Jahren gerettet. Zu bestaunen sind sie inzwischen im Keller des Hauses, der für Feierlichkeiten gemietet werden kann. 

Aus rotem Bruchstein 

Die Geschichte des heutigen Kulturdenkmals der Stadt Bad Vilbel begann im Jahr 1852. Mit der Gründung des Kreises Vilbel wurde die heutige Quellenstadt zur Kreisstadt. So zog auch das Landgericht in Vilbel ein und mit diesem ein Gefängnis. Dieses wurde schließlich an der Ecke Bergstraße/Am Felsenkeller gebaut. 

Noch heute ist es neben der Burg das einzige Gebäude der Stadt, das mit einheimischem roten Bruchstein errichtet wurde. Zehn Zellen könnte das Gefängnis damals gehabt haben, schätzt Weck. Auf zwei Stockwerken wurden die Gefangenen hinter vergitterten Fenstern untergebracht, in einem kleinen Gewölbekeller war Platz für Kohlen und Kartoffeln. 

Auf den alten Holzvertäfelungen haben die Gefangenen ihre Geschichte niedergeschrieben und Tage gezählt. Matthias Weck stellt die restaurierten Holzblöcke in seinem Partykeller aus.

Doch bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde in der nahgelegenen Landgrabenstraße ein größeres Gefängnis gebaut, und die Zeit, in der Kriminelle im steinernen Gebäude an der Bergstraße weilten, war so plötzlich vorüber, wie sie begonnen hatte. Es sollte mehr als hundert Jahre dauern, bis dem Gebäude eine neue, feste Nutzung zukam. 

Vorübergehend wurde das alte Gefängnis als Schulgebäude genutzt, später als Armenhaus und Unterkunft für Obdachlose. Nach dem ersten Weltkrieg vermietete die Stadt das Haus an ärmere Bürger. Den zweiten Weltkrieg überstand es unbeschadet, ehe es in den folgenden Jahren als städtischer Wohnraum, etwa für Asylsuchende, genutzt wurde. Über die Jahre zerfiel das Gebäude dabei zusehends, die Umstände, unter denen dort gehaust wurde, waren unzumutbar: "Das Haus war ein Schandfleck, eine Ruine", erinnert sich Weck. 

Zwei Jahre Arbeit 

Der 52-Jährige kennt das Gebäude von klein auf. Ende des vergangenen Jahrhunderts stand es schließlich leer und sollte verkauft werden. Im Jahr 1999 machte der junge Vermögensberater der Stadt ein Angebot. Zusammen mit zwei weiteren Bietern fand er sich im Rathaus ein, dort schrieb jeder der Bieter eine Zahl auf einen Zettel, steckte diesen in einen Briefumschlag, die nacheinander geöffnet wurden. 

Weck hatte die höchste Summe geboten und war folglich Besitzer eines völlig heruntergekommenen Gebäudes, das zudem unter Denkmalschutz steht. "Viele haben mich als Spinner bezeichnet", blickt er zurück, "doch ich wusste schon damals, wie es später einmal aussehen wird". 

In einem dicken Aktenordner hat Matthias Weck alles Wichtige zur Geschichte des 1853 erbauten Hauses zusammengetragen.

Für das Geld, das Weck in die Sanierung des alten Hauses gesteckt hat, hätte er sich nach eigener Aussage ein freistehendes Einfamilienhaus bauen können. Die Arbeiten dauerten zwei Jahre und forderten viel Kreativität. 

Alles musste im Einklang mit dem Denkmalschutz geschehen. Da der rote Bruchstein nicht mehr zur Verfügung stand, nahm Weck die Steine, die er aus den lediglich 1,60 Meter hohen Türen im Innenraum entnahm, um damit Stücke in der Außenwand auszubessern. Den heute prächtigen Gewölbekeller fand Weck mit einer lichten Höhe von knapp einem Meter vor. Erst nachdem er etliche Kubikmeter Erde nach außen tragen ließ, konnte er auch den Kellerraum ausbauen. 

"Es ist zu 100 Prozent so geworden, wie ich es mir erträumt habe", freut er sich heute. Vieles konnte Weck erhalten, etwa die alte Eingangstür, die Treppe im Innenraum und ein altes Gitter an einem Fenster an der Rückseite. Der Vater von zwei Kindern erfreut sich täglich an dem "Stück Bad Vilbeler Geschichte", in dem er arbeiten darf. Die Zeiten des Gefängnisses sind dabei endgültig vorbei, denn auf eines achtet Weck ganz besonders: "Das hier ist ein offenes Haus, es gibt keine Zäune, und die Tür steht den Bad Vilbelern offen."

Dominik Rinkart 

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