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Beobachtet den Rückkehrer Meerforelle: Gewässer-Ökologe Gottfried Lehr an der Eschbach-Mündung in die Nidda.

Natur

Freude in Bad Vilbel: Meerforelle  wieder heimisch 

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Dank Steighilfen wandern die Fische zwischen Nidda und Atlantik.

In den 1960er Jahren war die Nidda stellenweise auf ihrem 90 Kilometer langen Verlauf, der im Vogelsberg beginnt, fischfrei. Abwasser aus Haushalten und Fabriken wurde nahezu ungeklärt eingeleitet. „Die Leute sagten damals: Der Fluss ist nur noch eine Kloake“, sagt Gewässer-Ökologe Gottfried Lehr, der seit Jahren Renaturierungsprojekte in der Nidda betreut. Gestern gab es für ihn und andere, etwa die Interessengemeinschaft Nidda und die Notgemeinschaft Usa, Letztere wurde wegen eines verheerenden Fischsterbens 1987 initiiert, in Bad Vilbel einen Grund zum Feiern. Seit zehn Jahren schwimmt die Meerforelle wieder in dem Fluss. 2009 gab es den ersten Besatz. Mittlerweile hält sich die Population weitgehend von selbst.

Der silbern glänzende Wandergeselle hat es bereits bis in die kleinen Flüsse wie die Usa in der Wetterau oder den Eschbach im Hochtaunus gezogen, berichtet Jörg Schneider von der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerökologische Studien, die das Projekt Meerforelle begleitet. „Seit einigen Jahren registrieren wir Rückkehrer“, sagt Schneider. Zur Wiedererkennung erhielt der Lachsverwandte vor dem Aussetzen an der Flosse eine Kerbe, schmerzfrei zugefügt, wie es heißt. In der Usa wurde die erste Laichgrube entdeckt, so Schneider. Wie groß die Population in Zahlen derzeit ist, lässt sich nicht abschätzen. Der Bestand sei jedoch am Wachsen.

Das sei ein Erfolg vieler Stellen, weit über die Wetterau hinaus, so Lehr. Er kann die Stadt Frankfurt nicht genug dafür loben, dass sie sukzessiv Nidda-Wehre mit Fischtreppen ausstattete. An den Staustufen ohne eine solche Steighilfe werden im Frühling und Herbst die Wehre abgesenkt, sagt Lehr. Das passe nicht nur der Meerforelle, sondern ebenfalls Mittelstreckenwanderern wie der einst verschwundene Barbe und der Nase.

Bad Vilbel: Fischtreppe an der Schleuse

Zwischen dem schleusenfreien Rhein und der Nidda liegen zwei Main-Staustufen. Die Schleuse Griesheim besitzt eine Fischtreppe, dass Wasserbauwerk bei Eddersheim ebenso, aber nur als Provisorium. An dieser Schleuse laufen die Planungen für ein bundesweites Pilotprojekt, teilt das Wasserstraßen-Neubauamt in Aschaffenburg mit. Die Bundesanstalt für Wasserbau und die Bundesanstalt für Gewässerkunde erforschen dort eine hydraulisch und ökologisch optimierte Fischabstiegseinrichtung, heißt es. Als voraussichtlicher Baubeginn wird 2022 genannt.

Das Projekt Meerforelle wurde 2007 mit einem Gutachten begonnen, mit dem Jörg Schneider beauftragt und das von der Firma Bad Vilbeler Hassia Mineralquellen bezahlt wurde. Die Kosten für den Fischbesatz von 2009 bis 2013 übernahm der Wetteraukreis. Manpower gab es von der IG Nidda und der Notgemeinschaft Usa. Laut Lehr ist Zurücklehnen nicht angesagt. Der Klimawandel heize Bäche auf, das schade den Fischen. Mehr Uferbäume müssten zur Abschattung gesetzt werden. Zudem verwies er auf die Feinstoffstudie der Universität Frankfurt zum Projekt „NiddaMan“. Die Belastung mit Hormonen, Medikamenten und Düngenitrat sei bedenklich, heißt es darin. Die Selbstreinigungskraft der Nidda reiche nicht, um die Stoffe hinreichend abzubauen – ungeachtet der renaturierten Abschnitte.

Weitere Infos zur Meerforelle

Die Meerforelle lebt, wie der Name es sagt, im Meer; zum Ablaichen wandert sie den Rhein, Main und die Nidda sowie die angeschlossenen Bäche hoch. Schleusen und Wehre bilden hierbei unüberwindliche Hindernisse.

Nach dem Ablaichen wandert der bis zu einem Meter lange Lachsfisch wieder ins Meer, ein Massensterben wie bei anderen Lachsarten gibt es nicht. sun

www.ignidda.de

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