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Nördlich des Vilbeler Bahnhofs schießen Neubauten aus dem Boden.

Bad Vilbel

Bäume auf der Tiefgarage

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Investoren stellen das Großprojekt „Stadtgärten“ vor. Wohnungen für 2000 Menschen sollen entstehen.

Knapp 40 Personen sitzen am Abend in der abgedunkelten Stadtbibliothek, mutmaßlich auch einige Kaufinteressenten. Der Verein Stadtmarketing macht mit der Veranstaltung Werbung für das Neubaugebiet „Stadtgärten“. Architekt Uwe Hoegen vom Büro Baufrösche in Kassel referiert. Seit dem Frühjahr wird nördlich des Bahnhofs am ersten von fünf Abschnitten gebaut. Investoren sind Actris Immobilien und Conceptaplan. 84 Reihenhäuser sind im Bau, insgesamt sollen es an die 700 Wohneinheiten für bis zur 2000 Menschen werden. Der bodenständige Quartiersname steht nicht für ebensolche Preise. Die Amsterdamer Grachtenhäusern ähnelnden Reihenimmobilien des Bauabschnittes können bis zu 750 000 Euro kosten.

„Ich bin total begeistert, wie schnell es an dieser Baustelle vorangeht“, verkündet Hoegen. Begeistert ist er auch hinsichtlich der Begrünung des Quartiers. Kein mickeriges Junggrün soll vor den frischen Fassaden der kantigen Gegenwartsarchitektur Akzente setzen. „Wir werden extra große Bäume aus Bremen holen“, so Hoegen. Die Baumschule habe auch das Henninger-Quartier in Frankfurt bestückt, ein weiteres Projekt von Actris. Hoegen spricht von landschaftsgestalterischer Qualität in den „Stadtgärten“. Die ist auch nötig, denn das private Grün ist klein. Ein Besucher widerspricht Hoegen: „Landschaftsgestaltung ist für mich was anderes, das hier ist nur Begrünung. Und wer pflegt es?“

Die Pflege von Bäumen und Grünflächen würden je nach Standort der Vegetation Stadt und Bewohner übernehmen, letztere mit einem finanziellen Beitrag, heißt es. Auch die Bewässerung stelle kein Problem dar. Das Wasser komme aus saalgroßen Zisternen. Zum Teil stehen die Bäume auf einer nur 80 Zentimeter hohen Erdschicht auf der Tiefgarage.

Der zweite Bauabschnitt wird ein rund 200 Meter langer Reihenhausriegel entlang der Bahntrasse sein. Die Züge fahren dort auf einem 2,5 Meter hohen Damm vorbei. Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) erklärt den besorgten Fragern, dass die Häuser nach den gesetzlichen Bestimmungen für den Lärm- und Erschütterungsschutz errichtet würden. Außerdem ziehe die Bahn noch eine Lärmschutzwand hoch. Die Main-Weser-Bahn wird derzeit auf vier Gleise ausgebaut, um auch mehr Güterverkehr aufnehmen zu können.

In den Folgeabschnitten wird Geschosswohnungsbau verwirklicht, durchschnittlich vier Etagen. Zwei bis fünf Zimmer sollen die Eigentumsimmobilien groß sein. Preise und Grundrisse liegen noch nicht vor. Gleiches gilt für die Häuser mit Mietwohnungen. „Gibt es Sozialbindung“, fragt einer im Publikum. „Nein, gibt es nicht“, sagt Jörg Janson von Actris. Er spricht von bezahlbarem Wohnraum bei Standardqualität. Was das in Euro pro Quadratmeter heißt, sagt er nicht. Vages auch zum fünf- und siebengeschossigen Riegelbau samt „Piazza“ an der Bahnhofsunterführung. Ein Hotel? Kleinwohnungen? Im Parterre soll Gewerbe einziehen. Laut Investor ist Gastronomie denkbar. Skepsis kommt bei den Besuchern auf, ob Bus und Bahn sowie Straßen dem Aufkommen aus den „Stadtgärten“ standhalten. Stadt und Planer winken ab. Die Arbeitszeiten seien heute flexibel, der Vilbus werde verstärkt, heißt es.

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