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Mal figurativ, mal abstrakt sind die Werke, die es in der Galerie Alte Mühle zu sehen gibt. rolf oeser

Kultur

Vieldeutige Begegnungen in Bad Vilbel

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Der Kunstverein zeigt seine neue Ausstellung und unterstreicht damit einmal mehr die tragende Rolle, die er für das Stadtleben hat.

Zwei Menschen in Acryl auf Leinwand, schemenhaft, die sich nahe sind. Zwei Keramikschalen, die eine schwarz, die andere weiß, in Yin- und Yang-Form. An einer Hausfassade klettern auf einem Foto bunte Menschenfiguren empor. Menschen begegnen sich oder Dinge, so auch Mensch und Tier.

„Begegnungen“ lautet denn auch der Titel der neuen Ausstellung der Kunstvereins Bad Vilbel, an der 17 Künstlerinnen und Künstler mitgewirkt haben. Das Thema hat der Künstlerstammtisch ausgesucht, und hatte für die Art der Darstellung zweierlei im Sinn: sowohl figurativ als auch abstrakt.

„Wir sind ein liberaler Kunstverein, beides ist möglich“, so Wolf Pannitschka, Leiter des Stammtischs, bei der Vernissage am vergangenen Freitagabend in der Galerie Alte Mühle. Und so kommt es, dass sich auf dem einen Bild Farben begegnen, auf dem anderen Lebewesen, und in einem anderen Werk sich Formen gegenüberstehen.

Seit 23 Jahren gibt es den Kunstverein, und schon lange hat er im kulturellen Leben der Quellenstadt eine tragende Rolle. In der Kunstschule bietet er Kurse für alle Altersgruppen an und hat dabei gesellschaftliche Trends im Blick, beispielsweise mit einem Graffiti-Workshop für Kinder ab acht Jahren.

Er gestaltet auch das Erscheinungsbild der Stadt mit, etwa mit den überdimensionalen Sprudelflaschen, vom örtlichen Getränkegroßhändler Hassia gestiftet, von Mitgliedern des Vereins bemalt. Der jährliche Künstler-Weihnachtsmarkt lockt bis zu 1600 Besucher in die Galerie in der Alten Mühle, in der Stadtbibliothek betreut der Kunstverein unter dem Titel „Buchstabenkunst“ Lese-Workschops für Kinder. Rund 400 Mitglieder hat der Kunstverein, etwa 30 davon aktiv.

„Kunst muss für alle erlebbar sein“

„Das wird auch von der Stadt geschätzt, dass wir hier vor Ort sind“, sagt Vorsitzende Cornelia Weinheimer. Die „riesige Bedeutung“ des Kunstvereins rühre auch von dem Anspruch her, den er hätte: „Kunst muss für alle erlebbar sein.“ Und daran wirken seit Kurzem auch drei Mitglieder im siebenköpfigen Vorstand mit, die „deutlich jünger als 60 Jahre sind“, betont Weinheimer: Nicole Wächtler, Ingrid Strohkark und Samira Idrisu,

Das Motto „für alle erlebbar“ trifft nicht nur auf die Zurschaustellung von Kunst an vielen öffentlichen Orten und auf die Angebote der Kunstschule zu. Auch der Verein selbst schließt niemanden aus: Die Mitglieder sind nicht alle studierte Künstler, sondern etliche sind Amateurinnen – die sich freilich im Laufe vieler Jahre ebenfalls eine gewisse Professionalität erarbeitet haben.

So wie Karin Ostendorf, die bis zur Rente hauptberuflich in einer Apotheke arbeitete. Doch schon vor über 25 Jahren fand sie über einen Töpferkurs zu ihrem Metier. Dann bot sie einen eigenen Kurs mit dem formbaren Material im Bad Vilbeler Freizeitzentrum Efzet an, den leitet sie noch immer. Mittlerweile hat sie auch eine eigene Töpferwerkstatt.

Semi-professionell – was die bildende Kunst betrifft – ist auch Künstlerstammtischleiter Pannitschka. Er ist Architekt, und seit er im Ruhestand ist, versteht er sich als hauptberuflicher Künstler. Seine farbenfrohen Gemälde beschreibt er als „experimentelle Acrylmalerei zwischen Figuration und Abstraktion“. Auch er bildete sich in seinem damaligen Hobby weiter, unter anderem mit einer gestalterischen Grundausbildung in der Bauhaus-Tradition und einem Kunstaufenthalt in Florenz.

Die Ausstellung ist am kommenden Wochenende noch einmal zu sehen. Und eine weitere Begegnung steht bevor: Unter dem Titel der Veranstaltungsreihe „connecting people“ strebt der Verein ein Projekt mit einer afrikanischen Kunstschule an. Doch das ist erst im Werden.

Die Ausstellung „Begegnungen“ ist noch einmal am Samstag, 2., und Sonntag, 3. März, zu sehen, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Ort: Galerie Alte Mühle, Lohstraße 13.

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