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Auch in die Gastronomie sollen behinderte Menschen.
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Auch in die Gastronomie sollen behinderte Menschen.

Bad Nauheim

Verein fördert Inklusion im Beruf

  • Petra Zeichner
    VonPetra Zeichner
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Mehr behinderte Menschen sollen in Hotels und Gaststätten arbeiten

Manchmal bekommt man auch blöde Antworten.“ Der junge Mann, der das sagt, ist Auszubildender zum Restaurantfachmann im Hotel Dolce in Bad Nauheim. Er ist kleinwüchsig, was ihn zu etwas Besonderem in der Hotel-Branche macht. Denn hier gibt es große „Berührungsängste“ gegenüber behinderten Angestellten, weiß Renata Baskovec.

Sie ist Personalleiterin im Dolce und außerdem erste Vorsitzende des „Fördervereins für die Integration Behinderter und behinderter Jugendlicher in das Berufsleben in Hotellerie und Gastronomie“, kurz Fibih. Seit Juli ist der Verein als gemeinnützig anerkannt.

Bisher sind etwas mehr als 2440 Euro auf dessen Konto geflossen. Davon können zum Beispiel Schulungen für behinderte Angestellte bezahlt oder technische Hilfsmittel angeschafft werden. Das Geld stammt aus dem Erlös der Feier zum 150-jährigen Bestehen des Kurhauses sowie einem Benefizkonzert im Mai. Kaum ins Gewicht fällt bisher der Mitgliedsbeitrag, der zwölf Euro im Jahr beträgt; bisher sind zu den neun Gründungsmitgliedern keine neuen hinzugekommen.

Hohe Hemmschwelle

„Die Hemmschwelle ist noch ziemlich hoch“, sagt Baskovec. Viele Personaler aus anderen Hotels befürchteten beispielsweise, dass behinderte Menschen nicht so schnell laufen könnten wie ihre nicht behinderten Kollegen. Der Förderverein will deshalb die Werbetrommel rühren, um weitere Hotels als Mitglieder zu gewinnen. Es soll einen Runden Tisch mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband geben, Internetseiten sind in Arbeit. Der Verein sei zwar im Dolce gegründet worden, sei aber losgelöst davon zu betrachten, so Baskovec.

Seinen Namen möchte der behinderte Azubi aus dem Dolce lieber nicht in der Presse lesen. Für heute heißt der 23-Jährige Philip Moulin, denn er ist gebürtiger Franzose. Aber erzählen will er schon, von „positiven wie negativen Erfahrungen“, die er täglich mache.

Besonders negativ hat sich ihm ein Gast eingeprägt, der sich nicht von ihm bedienen lassen wollte, weil er kleinwüchsig ist. Hoteldirektor Michael Prokop jedoch ließ nicht mit sich reden. „Wir haben dem Gast schriftlich mitgeteilt, dass wir unsere Geschäftspolitik nicht ändern und dass er sich gerne woanders ein Zimmer nehmen könne“, sagt er. Im Großen und Ganzen sei das Feedback der Kunden jedoch positiv. Dem stimmt auch Moulin zu. Das sei eine betrübliche Aktion in drei Jahren gewesen. „Ansonsten werde ich behandelt wie ein normaler Mitarbeiter.“

Hotelchef Prokop selbst kam auf die Idee, den Förderverein zu gründen. Bei einer Personalfeier sprach er mit einem Aushilfskoch, der geistig behindert war. Der junge Mann sei in seinem damaligen Ausbildungsbetrieb sehr unglücklich gewesen. Er wechselte ins Dolce, schloss dort seine Ausbildung ab, wurde übernommen – und dann von einem anderen Betrieb abgeworben, weil er so gut war. „Es ist ein großes Kompliment, wenn die Mitarbeiter angeworben werden“, meint Prokop. Ein Zeichen, dass alles richtig gemacht worden sei.

Derzeit arbeiten mit Philip Moulin zwei behinderte Menschen im Dolce. Im kommenden Januar macht er die Prüfung. „Ich hoffe natürlich, ich werde übernommen.“ Zwar sind die Aussichten dafür gut, doch einen Behinderten-Bonus gibt es nicht. „Wir übernehmen unsere Azubis zu 90 Prozent“, sagt Personalleiterin Baskovec. „Aber wir warten erst mal die Prüfung ab. Was zählt, sind die Noten.“

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