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Daniel will künftig cool bleiben.
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Daniel will künftig cool bleiben.

Urlaub im Knast

Friedberg Ein Jugendlicher muss wegen Körperverletzung vier Wochen hinter Gitter

Von Jana Tempelmeyer

Daniel (Name von der Redaktion geändert) hat bei seinem Arbeitgeber vier Wochen Urlaub eingereicht. Zeit zum Entspannen stand ihm aber nicht bevor. Eher viel Zeit zum Nachdenken. Daniel fuhr nicht in die Ferien, sondern in die Jugendarrestanstalt nach Friedberg. Dort muss er vier Wochen bleiben, weil er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde.

„Die schlimmste Zeit ist nach dem Mittagessen“, erzählt der 19-Jährige. Dann sitzt er in seiner Zelle und weiß nichts anzufangen mit seiner Zeit. Zwangsläufig komme man da ins Grübeln. „Ich will mir nicht meine Zukunft verbauen“, so viel weiß Daniel nach fast vier Wochen Jugendarrest.

Vor ein paar Monaten wurde er verurteilt. Bei einem Discobesuch hatte er einem Mittvierziger so heftig ins Gesicht geschlagen, dass dieser mit gebrochener Nase in eine Klinik geflogen werden musste. „Tausendmal entschuldigt“ hat sich Daniel bei dem fremden Mann. „Der könnte mein Vater sein“, sagt der Jugendliche und schüttelt leicht fassungslos über seine eigene Tat den Kopf.

In der besagten Nacht ist der 19-Jährige stark alkoholisiert gewesen. Mittlerweile weiß er: „Mit Alkohol verhalte ich mich wie ein Arschloch.“ Und er weiß auch: Wenn er besoffen sei, sei er nur darauf aus, zu provozieren und Streit zu suchen. Ganz abstinent will Daniel trotzdem nicht leben. „Ich trinke jetzt nur ein paar Bierchen.“ Denn der 19-Jährige hat auch Angst: „Angst, meinen Job zu verlieren und keine Freundin mehr zu haben.“ Der Tagesablauf im Jugendarrest ist streng gegliedert. Um Viertel nach sechs klingelt der Wecker, nach dem Bettenmachen gibt es um sieben Uhr Frühstück. Daniel arbeitet dann bis zum Mittagessen in der Küche, anschließend kann er Sport machen und pädagogische Angebote nutzen. Nach dem Abendessen haben die Jugendlichen noch eine Stunde Hofgang, um 19 Uhr ist Zelleneinschluss. Zwei Stunden dürfen die Arrestanten dann noch Radio hören. Ansonsten sind alle elektronischen Geräte, wie Handy, MP3-Player und Playstation verboten. „Man wird auf sich reduziert und kann sich nicht mehr ablenken“, sagt Dienstleiter Peter Gebhard. „Die Jugendlichen sollen ihre Antworten selbst finden“, bekräftigt Gebhard.

Oft hat sich Daniel in den vergangenen Wochen Gedanken darüber gemacht, wieso er in seinem kurzen Leben schon dreimal wegen Körperverletzung angezeigt wurde. Zu seinen Eltern habe er ein gutes Verhältnis, daran könne es nicht liegen, glaubt er.

„Mit 16 habe ich angefangen zu trainieren, um mich stark zu fühlen.“ Die Anerkennung in der Gruppe war ihm wichtig. „Ich war bekannt, keiner hat sich an mich herangetraut.“ Ab und zu habe er auch Ärger gesucht, „weil es auch Spaß gemacht hat“, gibt Daniel zu.

In Zukunft will der Arrestant sich nicht mehr provozieren lassen. Während des Jugendarrests hat er an einem Anti-Aggressionstraining teilgenommen. „Keep Cool“ werde von Pädagoginnen geleitet, die Übungen zur Selbsterkenntnis anböten, aber auch verhaltenstherapeutische Ansätze lieferten, berichtet Gebhard. Außerdem hat Daniel bei einem Filmprojekt mitgemacht, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten erzählen und Rollenspiele machen.

Der 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr für die Ausbildung zum Straßenbauer. „Mein Chef war nicht begeistert, als ich ihm von dem Arrest erzählt habe“, gibt der Nordhesse offen zu. „Aber ich habe ehrlich mit ihm gesprochen“, darauf ist Daniel stolz. Der vierwöchige Urlaub wurde ihm dann genehmigt.

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