Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Svetlana Dauss bei der Kinderbetreuung im Planet Zukunft.
+
Svetlana Dauss bei der Kinderbetreuung im Planet Zukunft.

Büdingen

Unterwegs in die Zukunft

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
    schließen

Seit vier Jahren betreibt Büdingen mit Hilfe des Landes eine spezielle Familienförderung. Deutlich mehr Kinder gibt es aber noch nicht.

Die Rakete als Logo zeigt, wo es in Büdingen seit fünf Jahren hingehen soll – zum „Planet Zukunft“. Es soll mehr für Familien mit Kindern getan werden, mehr als nur die Defizite der Vergangenheit auszugleichen. Im Jahr 2006 wurde die Stadt mit der Burg im Wappen in das Landesmodellprojekt „Familienstadt mit Zukunft“ aufgenommen. Ein verpflichtendes Konzept und insgesamt fünf Millionen Euro aus Wiesbaden soll für die nötige Schubkraft sorgen. Die Laufzeit des Projekts beträgt zehn Jahre.

In der Bilanz des bisher Erreichten spiegelt sich vielschichtiger Erfolg, so die Erkenntnis in einem Gespräch mit Bürgermeister Erich Spamer (FWG), Heike Pfannenschmidt, Leiterin des Familienzentrums „Planet Zukunft“, Projektleiterin Daniela Wüstenbecker-Russell und Dieter Reuter, Vize-Vorsitzender des Elternvereins Kinderlobby.

Das im Rahmen des Projekts geschaffene Familienzentrum und der Elternverein gelten als Motoren des Vorhabens. Von ihnen kommen Ideen, die mit vielen Partnern umgesetzt werden. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist der Kinderlobby zuzuschreiben. Als das Sozialministerium das Modellprojekt auslobte, legten die 20 Eltern des damals erst seit zwei Jahren bestehenden Vereins zusammen mit der Stadt ein 43-seitiges Konzept vor, das unter anderem die Gründung des Familienzentrums mit Räumen für ein Bistro, Veranstaltungen und Betreuung forderte.

Bürgermeister Erich Spamer (FWG) zeigt sich mit der Zwischenbilanz zufrieden. Die Liste der erreichten Verbesserungen ist lang und erstreckt sich von längeren Kita-Öffnungszeiten, unentgeltlicher Hausaufgabenbetreuung sowie Deutsch-Unterricht bis zu mehr Betreuungspersonal in Kindergärten. Dank des Projekts gibt nun auch einen „Traumwald“, in dem Familien die Natur kindgerecht erleben und kennenlernen können.

Andere Vorhaben stecken noch in den Kinderschuhen – etwa das Gütesiegel „Familienfreundlichkeit“ für Handel und Gastronomie oder die barrierefrei umgestaltete Internetseite der Stadt. Beim Dornröschen-Projekt wird nicht etwa geschlafen. Es steht für den Aufbau eines Netzwerks aus Ehrenamtlichen, die Familien in den 15 Stadtteilen in verschiedenen Belangen unterstützen sollen.

Nicht alles läuft glatt bei der Verwirklichung des Konzeptes und neuer Ideen, muss Spamer einräumen. Die Unternehmer seien kaum ins Boot zu bekommen. Geschäftsführer wurden zum Vortragsthema „Familienfreundliche Arbeitszeiten“ eingeladen. „Die Resonanz war sehr, sehr spärlich“, berichtet der Rathauschef. Allerdings tut sich die Stadtverwaltung mit ihren 330 Beschäftigten auf 178 Stellen offenbar auch schwer, Erziehung und Beruf, etwa durch Home-Office, besser zu verbinden.

Das Modellprojekt greift auch auf demografischer Ebene noch nicht. Der Geburtenindex beginnt zwar langsam wieder auf den Wert von rund 1,5 Kinder pro Familie zu steigen – wo er vor zehn Jahren in Büdingen war. Doch die konkreten Zahlen weisen einen gegenläufigen Trend aus: 2007 registrierte das Standesamt noch 198 Geburten. Zwei Jahre später sind es 176. Die Geburtenzahl für dieses Jahr lag bis zum September bei 114 Babys.

„Familien bekommen mehr Kinder, aber nicht mehr Frauen in der Stadt gebären“, erklärt Projektleiterin Wüstenbecker-Russell den steigenden Geburtendurchschnitt. Es sei derzeit überdies noch zu früh, aufgrund der Ergebnisse der Projekt-Aktivitäten bereits eine demografische Wende in Büdingen zu erhoffen. Diese sei frühstens in zehn Jahren zu erwarten. Bei der Entwicklung der Geburtenquote kann nicht auseinanderdividiert werden, welchen Einfluss das Landesprojekt und die gleichzeitigen familienpolitischen Aktionen der jeweiligen Bundesregierung darauf haben.

Für Dieter Reuter vom Elternverein Kinderlobby steht fest, dass mit dem Projekt der Einfluss der Eltern auf die Stadtpolitik auf jeden Fall gewachsen ist – und das nicht nur im Hinblick auf die Bildung von Gesprächs- und Arbeitskreisen. „Die einzelnen Familien fühlen sich ernster genommen“, lautet ein Teil seiner Zwischenbilanz.

„Das Projekt hat die Eltern stark gemacht, Wünsche zu formulieren“, erklärt Wüstenbecker-Russell bisherige Erfolge. Dabei laufe nichts wie zuvor ins Leere, sondern die „andere Seite reagiert“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare