Wetterau

Zu wenige Berufsschüler

  • schließen

Neuer Schulentwicklungsplan: Berufsschulen im Kreis werden „verschlankt“

Dass es dem Handwerk personell schlecht geht, schlägt nun auch bei den Berufschulen im Wetteraukreis immer stärker durch. Der Entwurf des Schulentwicklungsplans (SEPL) 2019 sieht für diese Schulform Einschnitte vor, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen werden. Klassen zu einigen Berufen müssen mangels Auszubildenden geschlossen werden. Überdies wird für künftige Lehrlinge möglicherweise der Weg zur Berufsschule länger ausfallen, weil er den schulischen Teil der dualen Ausbildung in einem anderen Landkreis erhält.

„Der Trend in Richtung Abitur mit anschließendem Hoch-schulstudium ist ungebrochen. So registrieren wir für einzelne Berufe teilweise nur sehr geringe Schülerzahlen“, notiert Landrat und Bildungsdezernent Jan Weckler (CDU). In den vergangenen vier Jahren sei die Schülerzahl um 700 auf 63780 im aktuellen Schuljahr gesunken.

Die Flucht ins Abitur für bessere berufliche Chancen in einer rasch wandelnden Arbeitswelt ist nicht der einzige Grund, wie Weckler feststellt. Die sinkende Geburtenrate ist ein anderer. „Der geburtenschwächste Jahrgang wurde 2013/14 eingeschult und wird erst 2023/24 die Berufsschule erreichen.“ Die Berufsschulen stünden daher vor „großen Herausforderungen“. Die Hoffnung, die Leerstellen im ausreichenden Maß mit jungen Geflüchteten zu füllen, habe sich nicht erfüllt. Trotz Integrationskursen an den Berufsschulen hätten die Deutschkenntnisse dieser Jugendlichen meist nicht ausgereicht, um eine Lehre erfolgreich abzuschließen. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Im Jahrgang 2017/18 besuchten 223 Personen InteA-Kurse, in 2018/19 waren es 133.

Offenbar sind manche Ausbildungsberufe aber auch unattraktiv, etwa wegen ihres späteren Einkommens, wie dieser Tage der Münchener Merkur an einem Lohnvergleich (Stand 2018) zeigt. Ein Bäcker geht etwa durchschnittlich mit 24 000 Euro im Jahr nach Hause, ein Friseur mit weniger als 23 000 Euro.

Das Bäckerhandwerk hat auch in der Wetterau keine gute Zukunft. Mit Genehmigung des SEPL werden nach den Sommerferien Bäcker in Ausbildung an der Berufsschule Büdingen nicht mehr unterrichtet. Wegen stark nach unten gegangener Schülerzahlen soll es ab dann dort ebenso keine Klassen für Lebensmittelfachverkäufer und Tischler mehr geben. Zudem wird Büdingen zur Dependance der Berufsschule Nidda abgestuft. Landrat Weckler notiert, dass damit eine frühere Forderung des Hessischen Kultusministeriums erfüllt werde, die mit der Genehmigung der aktuellen SEPL einhergegangen sei.

Weckler sieht das Überleben der Wetterauer Berufschulen in Kompetenzzentren etwa mit der Fusion von Bildungseinrichtungen und in der Konzentration von Ausbildungsberufen. In Nidda zeigt sich dies künftig darin, dass bei den dortigen Beruflichen Schulen in der zwei Jahre dauernden Berufsfachschule die Schwerpunkte Elektrotechnik, Metalltechnik und Fahrzeugtechnik zu einem Schwerpunkt Mechatroniker zusammengefasst werden. Im Gegenzug soll der zunehmenden Differenzierung in anderen Berufsfeldern Rechnung getragen werden. Der Kfz-Mechaniker verästelte sich mittlerweile etwa in die Ausbildungsgänge Nutzfahrzeuge, Personenwagen oder Kfz-Servicemechaniker.

An den Berufsschulen im Kreis wird Unterricht für 64 Berufe geboten, jedoch sind bei 51 Berufen die Klassen mit weniger als 15 Lehrlingen bedrohlich unterbelegt. Hierzu zählen auch Mechaniker, Elektroniker und Informatikkaufleute. Für einige Berufe sei die Bildung von Kompetenzzentren zu prüfen, für andere die Reduzierung auf einen Schulstandort, der nicht unbedingt im Kreisgebiet liegt. Laut Weckler laufen aktuell Gespräche zu Kooperationen mit benachbarten Landkreisen wie Gießen, Main-Kinzig oder gar Lahn-Dill. Nicht nur zur Vermeidung von vielen Miniklassen, sondern auch wenn neue Berufe aufgenommen werden, heißt es.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare