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Entwicklungshilfe Bad Nauheim

"Unser Verein tut, was er kann"

Die Bundesverdienstkreuz-Trägerin Lydia Schmidt engagiert sich für ein Hilfsprojekt in Nepal. Im FR-Interview spricht sie über spricht sie über das Kinderhaus Kathmandu, in dem etwa 60 Waisenkinder leben.

Von Bad Nauheim.

Die Bundesverdienstkreuz-Trägerin Lydia Schmidt engagiert sich für ein Hilfsprojekt in Nepal. Im FR-Interview spricht sie über spricht sie über das Kinderhaus Kathmandu, in dem etwa 60 Waisenkinder leben.

Lydia Schmidt kümmert sich seit 18 Jahren um Waisenkinder in Nepal. Kürzlich ehrte Bundespräsident Joachim Gauck sie mit dem Bundesverdienstkreuz.

Frau Schmidt, wäre Ihnen Geld aus Berlin nicht lieber gewesen?

Natürlich kann unser Verein jeden Euro gut gebrauchen. Vom Bund haben wir aber noch nie Unterstützung bekommen. Wir finanzieren uns allein aus privaten Spenden.

Wie hoch sind die Summen? Die staatliche Entwicklungshilfe der Deutschen in Nepal umfasste 32 Millionen Euro in den Jahren 2010 und 2011, schreibt die Botschaft in Kathmandu.

Diese Summen haben mit unserem Engagement in Nepal nichts zu tun. Ich würde sagen, unsere investierte Summe liegt bei etwa zwei Millionen in den vergangenen 18 Jahren. Wir haben viele private Geldgeber, die regelmäßig etwas überweisen. Zwischen zehn und 500 Euro im Monat. Manchmal spenden auch Firmen.

In Budhanilkanta bei Kathmandu leben etwa 50 Kinder in Ihrer Obhut. Die ersten müssen jetzt erwachsen sein. Was ist aus ihnen geworden?

Viele haben die Schule und ein Studium absolviert. Manche wurden Lehrer, Krankenschwestern oder Journalisten. Devendra, der 1996 zu uns kam, weil sich seine geistig behinderte Mutter nicht um ihn kümmern konnte, hat gerade seinen Master in Tourismusmangagement bestanden und arbeitet jetzt in einer Trekking-Agentur. Leider ist es sehr schwer, in Nepal eine gut bezahlte Arbeit zu finden.

Auffällig ist, wie stark Sie die Entwicklungshilfe des Vereins ausweiten. Nach dem Bau zweier Unterkunftsgebäude für die Kinder eröffneten Sie eine Schule. Alleinstehenden Frauen in der Nähe helfen Sie, eingelegtes Gemüse zu vertreiben. Fünf behinderte Erwachsene fanden Jobs auf Agrarflächen des Kinderhauses . Wie geht es weiter?

Das Kinderhaus selbst soll nicht größer werden. Es ist ein enormer Aufwand, sich um jedes einzelne Kind zu kümmern. Wir müssen darauf achten, das gespendete Geld möglichst effektiv zu verwenden. Deshalb übernimmt der Verein jetzt die Patenschaft für sieben Schulen weit draußen auf dem Lande. Zum einen finanzieren wir das Schulgeld für einzelne Kinder, zum anderen schaffen wir Möbel und Lehrmaterial an, geben auch mal einen Zuschuss zu den Lehrergehältern. Mit dem Ziel, dass die Gemeinden ihre Schulen nach ein paar Jahren selbst finanzieren können.

All dies wäre doch Aufgabe des nepalesischen Staates. Die Regierung scheint völlig korrupt und unfähig. Straßen, Brücken, die Stromversorgung und auch soziale Hilfen organisieren und bezahlen Ausländer.

Das mag sein. Ich kann die nepalesische Regierung nicht zwingen, mehr für das Volk zu tun. Unser Verein tut, was er kann.

Andere Vereine auch. Alleine aus Hessen gibt es mindestens 13 Hilfsprojekte. In Friedberg zum Beispiel die Vereine Phoolbaari Nepal und Nepali Samaj. Vernetzen Sie sich miteinander, um koordinierter in Nepal helfen zu können?

Manche kennen sich, aber jeder Verein ist anders strukturiert. Und die Erfahrung zeigt, dass letztlich jeder seine eigenen Schwerpunkte setzt.

Sie leben in Bad Nauheim – gut achttausend Kilometer vom Kinderhaus entfernt. Können Sie Maßnahmen wirklich aus dieser Ferne steuern?

Das geht nur mit vertrauenswürdigen Helfern vor Ort. Die haben wir. Ich fliege im September wieder hin und kümmere mich dann um Dinge, die nicht zum Alltag gehören. Diesmal werden wir mit einigen Ärzten aus Kathmandu ein Healthcamp bei Gurkha machen und Sprechstunden für die Landbevölkerung anbieten.

Das Interview führte Klaus Nissen.

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