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Bauboom in Karben: Der Charakter soll gewahrt bleiben.

Karben

Unkontrollierten Bauboom ausbremsen

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Karben Mit einer Veränderungssperre versucht die Politik, das Ortsbild zu bewahren. Ein neuer Bebauungsplan ist in Arbeit.

Der Stadtteil Petterweil soll vor drastischen baulichen Veränderungen geschützt werden. Die Stadtverordneten haben hierzu eine Veränderungssperre erlassen. Damit soll einer unkontrollierten Bebauung mit Immobilienprojekten im alten Dorfkern ein Riegel vorgeschoben werden, bis ein Bebauungsplan erarbeitet worden ist. Bereits in den Stadtteilen Burg-Gräfenrode, Klein- und Großkarben versucht die Stadt mit der Veränderungssperre das Ortsbild zu schützen.

Dem einstigen Bauerndorf, das vor mehr als 1200 Jahren erstmals urkundlich erwähnt worden ist, droht der Umbruch. Dabei sind die mehr als einhundert geschützten Einzel- und Gesamtanlagenobjekte wie Hofreiten oder Wirtshäuser aus dem 19. Jahrhundert oder früherer Zeit, wie sie die Denkmaltopografie des Hessischen Denkmalamtes ausweist, nicht in Gefahr. Sie sind ohnehin geschützt. „Die Veränderungssperre gilt für den Siedlungsbereich östlich des historischen Ortskerns. Es sind überwiegend Wohngebäude und Höfe aus den 1950er und 1960er Jahren, die darunter fallen“, sagt Heiko Heinzel, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtplanung, auf Anfrage. „Mit dem künftigen Bebauungsplan möchten wir den Charakter des alten Ortskerns erhalten und stärken“, erläutert er.

Petterweils Lage gilt als attraktiv

Gleichwohl die Stadt Karben in den vergangenen Jahren und aktuell mit der Ausweisung von größeren Baugebieten alles andere als knauserig umgegangen ist, ist die Nachfrage, in der Nachbarkommune von Bad Vilbel zu wohnen, dem Vernehmen nach enorm gestiegen – nicht zuletzt wegen der nahen Lage zu Frankfurt, den guten ÖPNV-Anschlüssen sowie neuen und zügig zu befahrenden Straßen. So wurde der abgehängt liegende Stadtteil Burg-Gräfenrode mit der Eröffnung der Nordumgehung vor drei Jahren von Auswärtigen als Wohnort entdeckt.

Petterweils Lage, nahe der B 3 und nahe Bad Homburg, ist besonders attraktiv. Zu Jahresbeginn wurde am Ortsrand an der Kreisstraße 9 ein Baugebiet von zwei Hektar ausgewiesen. Schon bald sah sich die Politik genötigt, die Fläche fast zu verdoppeln. Auch das wird nicht ausreichen, um die gemeldeten rund 100 Anfragen von Bauwilligen zu befriedigen. Laut Heinzel könnte sich die Begehrlichkeit erhöhen, nun im alten Dorfzentrum umzubauen und zu verdichten.

„Zurzeit gibt es dort einen Generationenwechsel und das bedeutet nicht selten auch einen Besitzerwechsel.“ Viele dieser Grundstücke östlich der historischen Keimzelle Petterweils wurden damals sehr großzügig geschnitten. 1000 Quadratmeter und mehr seien nicht ungewöhnlich. Die Erstbesitzer, deren Familien oft mit knappen Einkommen lebten, benötigten noch Scholle, um mit Gemüseanbau und Kleintierhaltung für den eigenen Bedarf über die Runden zu kommen. „Gleichzeitig besteht in den Bestandsgebäuden hoher Sanierungsbedarf“, heißt es.

Laut Heinzel soll der Bebauungsplan keine restriktive Verhinderungssatzung werden. Nachverdichtungspotenziale sollen mit der Erarbeitung eines Bebauungsplans sinnvoll planerisch definiert und nutzbar gemacht werden. Der Plan soll ein wesentliches Instrument zur zielgerichteten und reibungslosen Abarbeitung der Handlungsbedarfe im Geltungsbereich werden, heißt es in der Veränderungssperre. „Damit werde etwa eine Teilung eines Grundstücks nicht von vornherein ausgeschlossen“, so Heinzel.

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