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Kreuz auf dem Groß-Karbener Friedhof.
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Kreuz auf dem Groß-Karbener Friedhof.

Karben Friedhöfe

Umstrittene letzte Ruhe

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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Die Friedhofsgebühren in Karben sollen steigen. Auf dem „Waldfriedhof“ sollen nach Willen des Magistrats auch sarglose Bestattungen aus religiösen Gründen möglich sein.

Die Urne tritt zunehmend an die Stelle des Sarges. Dieser Trend sorgt dafür, dass der Magistrat von Karben nun die Friedhofsgebühren erhöhen will. Zurzeit deckten die Gebühren nur rund 80 Prozent der Aufwendungen, die die Stadt für ihre Friedhöfe habe, sagt Stadtsprecher Ekkehart Böing. Die Zahl überrascht nicht, schaut man sich vor dem Hintergrund des Urnentrends die Kosten der verschiedenen Gräberarten an: Während ein Reihengrab für Erwachsene 700 Euro kostet, ist ein Urnenreihengrab schon für 350 Euro zu haben.

Noch größer ist die Differenz bei den Wahlgräbern. 1400 Euro stehen hier 400 Euro für ein Urnenwahlgrab gegenüber. Auch bei den Kosten für die Bestattungen klafft eine große Lücke. 800 Euro kostet die Sargbeerdingung in einem Reihengrab, für eine Urne fallen gerade mal 200 Euro an.

50 Euro pro Sargträger

Besonders drastisch will die Stadtverwaltung die Gebühren für die Nutzungsrechte an einer Urnenkammer erhöhen. Auf 800 Euro sollen sie verdoppelt werden. Doch auch die für ein Urnenwahlgrab sollen von 400 auf 600 Euro steigen. Vergleichsweise gering nimmt sich da die geplante Gebührenerhöhung für die Nutzung eines Wahlgrabes aus. Anstatt 1400 Euro sind ab dem 1. Juni 1500 Euro fällig – vorausgesetzt die Stadtverordneten stimmen am Donnerstag zu.

Zudem beabsichtigt der Magistrat, sämtliche Friedhofsgebühren bis 2018 jährlich um rund drei Prozent anzuheben. Änderungen gibt es überdies bei den Sargträgern. Bislang stellte die Stadt die Träger. Bald sollen auch die Bestattungsunternehmen eigene Leute einsetzen können.

Die geplanten Schritte sind umstritten. „Es werden immer mehr Leistungen gestrichen und die Gebühren angehoben“, sagt der Karbener Bestattungsunternehmer Thorsten Winter. So habe man die Urnenbeisetzungen den Bestattern aufs Auge gedrückt. Das hätten vorher Mitarbeiter des Friedhofsamtes erledigt. Immer noch verlange die Stadt aber für die Beisetzung eine Gebühr.

„Das Einzige, was die Stadt bereitstellt, ist der Platz“, so Winter – und ergänzt: „Man kann den Angehörigen doch nichts in Rechnung stellen, was man gar nicht gemacht hat.“ Das sei eine „Abrechnung für eine nicht erbrachte Leistung“. Auch die Absicht der Stadt, künftig private Träger für Särge und Urnen zuzulassen, sieht Winter kritisch: „Es ist in der Vergangenheit vorgekommen, dass die Stadt nicht genug Sargträger zur Verfügung stellen konnte und wir mussten aushelfen.“

50 Euro soll ein Träger laut der neuen Satzung kosten. Winter sagt, er könne, wenn die Stadt mal nicht genug Leute habe, für diesen Betrag aber keinen Träger anbieten.

Gräber für die Ewigkeit

Doch sollen die Stadtverordneten nicht nur die Gebührenerhöhung auf den Weg bringen. Der Magistrat will auf dem „Waldfriedhof“ in Klein-Karben aus religiösen Gründen künftig auch sarglose Bestattungen ermöglichen. Diese Option gibt das hessische Friedhofsbestattungsgesetz den Kommunen. In dem Stadtteil hatte der Magistrat schon vor zehn Jahren ein Gräberfeld für Muslime ausgewiesen, wobei bislang nur Beerdigungen im Sarg erlaubt waren. „Wir hatten da bisher erst eine Bestattung“, berichtet Böing.

Rudolf Jeckel vom Karbener Bestattungshaus Horst Eberhard bezweifelt, dass viele Muslime die Möglichkeit nutzen werden. Muslime hätten eine ganz andere „Trauerkultur“. Jeckel sagt, er habe die Erfahrung gemacht, dass Muslime immer noch in ihrer Heimat bestattet werden wollten. Im Islam würden Gräber für die Ewigkeit angelegt.

Anders in Deutschland, wo die Nutzungsdauer für Gräber nur wenige Jahrzehnte beträgt. Skeptisch steht auch Thorsten Winter der geplanten Änderung gegenüber. Er fragt sich, wie der Transport der Verstorbenen zum Grab geschehen solle. So dürfe dieser aus hygienischen Gründen nicht schon außerhalb des Grabes bloß in ein Tuch gehüllt sein. Solle der Tote mit einem Sarg bis zum Grab transportiert werden? „Mit uns wurde nicht über die praktische Umsetzung geredet“, moniert Winter.

Auch Jeckel hält viele Fragen für ungeklärt. So seien in muslimischen Gegenden die Gräber relativ flach, während der Sarg hier mehr als einen Meter tief liegen müsse. Ferner sieht er die Gefahr, dass das Leichenwasser, welches die Verwesung fördere, durch das Tuch ins Grundwasser gehe.

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