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Traditionsplatz mit Durchzug: die nach Colonel Knight benannte Eissporthalle in Bad Nauheim.

Bad Nauheim

Neue Arena für die Roten Teufel

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Die millionenschwere Sanierung des Colonel-Knight-Eisstadions ist fraglich. Ein Neubau soll mehr Chancen bieten.

Modern ist anders, doch das Colonel-Knight-Stadion am Kurpark hat Tradition. Die einstmals größte Eis-Arena Europas ist mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen. Sanieren ist möglich, aber teuer. Der EC Bad Nauheim mit seinen Roten Teufeln, einer Profi-Mannschaft in der zweiten Deutschen Eishockeyliga, spricht sich für einen Neubau aus. Allerdings sind dazu zwei Hürden zu nehmen, die Finanzierung und die Standortwahl.

„Wenn schon sehr viel Geld in die Hand genommen wird, dann muss in die Zukunft investiert werden“, steht für Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) fest. Eine Sanierung des städtischen Stadions, das bis zu 4500 Besuchern Platz bietet, würde mit rund acht Millionen Euro zu Buche schlagen. Das Geld müsste etwa in energiesparende Eismaschinen, Gebäudemodernisierung und in das Zumauern der Hallenseiten gesteckt werden. Letzteres, weil das 1946 von der US-Armee gebaute Stadion erst 1969 ein Dach bekam, aber an drei Seiten weitgehend offen gelassen wurde. Zuletzt wurde das Stadion 2010 für eine halbe Million Euro saniert, darunter auch das Dach. Der TÜV monierte in einem Gutachten die Konstruktion, weil sie ähnlich war wie in Bad Reichenhall, wo das Dach der Eishalle 2006 unter zu großer Schneelast einbrach und 15 Menschen ums Leben kamen. 

Bad Nauheim: Neue Halle löst Parkplatzproblem

Laut Kreß würde ein Neubau mindestens 20 Millionen Euro kosten und brächte nicht nur mehr Komfort für die Fans, sondern würde auch das leidige Parkplatzproblem lösen. Der Großparkplatz liegt gut 500 Meter Fußweg entfernt. Derzeit werden mögliche Standorte geprüft. Namen sind noch keine gefallen, aber es könnte in Richtung Friedberg gehen. Die Nähe zur Bad Nauheimer Kernstadt soll jedoch erhalten bleiben. Viele Gäste nutzten vor oder nach einem Spiel etwa die Gastronomie in der Stadt, heißt es.

„Eishockey stellt für Bad Nauheim einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar“, sagt Kreß. Bis März werde in den politischen Gremien beraten sein, wo die neue Arena entsteht, um eine Flächenumnutzung beim Planungsverband rechtzeitig anzumelden, heißt es. Laut Kreß ist ein Neubau an bisheriger Stelle allein wegen der Parkplatzsituation nicht sinnvoll. Wie das Grundstück künftig genutzt werden kann, ist noch offen.

„Die Initiative für einen Neubau ist vom Club ausgegangen. Es gab über Monate einen intensiven Austausch mit der Stadt“, sagt EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein. „Ein Umbau bietet keine Zukunft.“ Es gehe nicht allein um eine moderne Sportstätte für die Roten Teufel, sondern um den Eissport in der Stadt insgesamt, von freien Eislaufen bis zum Eisstockschießen und Kunstlauf in Vereinen. Ortwein schätzt, dass gut 400 Eissportler die Halle pro Woche nutzen. Der Neubau könnte zudem multifunktional genutzt werden, etwa für Konzerte, auch während der Eissaison.

Der Club will sein Scherflein zur Finanzierung der Halle beitragen, sieht sich jedoch außerstande, einen größeren Betrag zu übernehmen - auch weil in der Vergangenheit immer wieder Reparaturen bezahlt worden seien, so Ortwein. Die Finanzierung wird auf mehrere Säulen gestellt, die aus EC mit Sponsoren, Stadt sowie Bund und Land bestehen, sagt er. Überdies muss ein Investor gefunden werden. Für den EC sei eine frühe Entscheidung der Politik wichtig, damit kein unnötiges Geld mehr in alte Halle investiert werde, heißt es.

Das Projekt sei mittlerweile bei den Fans angekommen. „Der alte Standort hat schon seine Atmosphäre, aber unsere Fans würden zu 99 Prozent den neuen Weg mitgehen“, sagt Ortwein. 

Das Stadion im Überblick:

Colonel Paul Rutherford Knight, in Bad Nauheim stationierter Befehlshaber und Eishockeyfan, ließ das Stadion im Winter 1945 gegen Widerstand in den eigenen Reihen in 100 Tagen bauen.

100-Tage-Stadion hieß die Eisarena bis 1999, in der Eiskunstlaufstars wie Marika Kilius und Franz Ningel ihre Karriere starteten.

Das Eishockeyteam EC (Eishockey Cracks) Bad Nauheim ist Nachfolger des VfL Bad Nauheim Eissport, der 1982 Insolvenz anmeldete. sun

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