Wetterau

Trinkwasserwald für die Zukunft gepflanzt

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In der Wetterau gibt es ein funktionierendes Öko-Sponsoring zum Grundwasserschutz.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) verkündete, Millionen Bäume für den Klimaschutz pflanzen zu lassen und unterstrich im März ihre Absicht, indem sie mediengerecht zum Pflanzgerät griff, um eigenhändig damit in Brandenburg anzufangen. In der Wetterau werden seit 2011 verbuschte oder von Windwurf gelichtete Flächen in den Wälder aufgeforstet, jedoch mit weniger Publicity, aber mit viel Elan der Beteiligten, die oft Privatleute sind. Die Aktionen fallen unter Öko-Sponsoring. 2015 forstete etwa das regionale Versorgungsunternehmen Ovag rund einen Hektar im Wald zwischen Rodheim und Okarben mit 4000 Setzlingen auf und zeigt sich heute zufrieden mit dem Ergebnis.

Ein Stück „Trinkwasserwald“ ist entstanden, heißt es von der Ovag. Der Name steht nicht nur für die Funktion eines Forstes, sondern auch für den Hamburger Verein Trinkwasserwald, der bundesweit Aufforstungsprojekte betreut, die auf Öko-Sponsoring basieren. Im Fall der Ovag hat der Versorger 7500 Euro für die Setzlinge investiert, um die Pflanzhelfer kümmerte sich der Verein. Familien kamen und arbeiteten unter Anleitung. Zuvor hatten Mitarbeiter des Forstamtes die Verbuschung des Geländes beseitigt. Laut Ovag gedeihen rund 60 Prozent der Bäumchen gut. Was nicht anging, soll durch neue Pflanzen ersetzt werden.

Der Verein wurde 1995 von Forstingenieuren mit dem Ziel des „Klima- und Wasserschutzes durch Wald“ gegründet, Sitz ist Hamburg.

Die Projekte werden mit Öko-Sponsoring und Ehrenamtlichen realisiert, dabei spielt Team-Building eine Rolle.

2300 Hektar „Trinkwasserwälder“ sind laut Verein geschaffen worden, die zusätzlich nahezu zwei Milliarden Liter Grund- und Trinkwasser von hoher Qualität erzeugen. 

Auch wenn die Fläche nicht im Wassereinzugsgebiet der Ovag liege, sei die Aktion wichtig, heißt es auf Nachfrage. Es werde das Bewusstsein für die Funktion des Waldes gefördert. Das Laub auf den Bäumen filtere nicht nur das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Luft. Fallen die Blätter im Herbst zu Boden, werden sie Teil eines natürlichen Regenfilters für das Grundwasser. Laut Verein Trinkwasserwald kommt hierbei dem Laubwald eine besondere Bedeutung zu. Pro Hektar werden so im Bundesdurchschnitt jährlich etwa 800 000 Liter sauberes Wasser mehr generiert, sagt Projektleiter Heiko Müller.

Helmut Link hat dieses und andere Projekte mit Trinkwasserwald als zuständiger Revierförster des Forstamtes Nidda begleitet. Er spricht von einer „sehr guten Idee“. Um 2011 wurde erstmals bei Assenheim unter Mithilfe des Vereins eine Fläche vom gut drei Hektar wiederbewaldet. Sponsor sei die Deutsche Bank gewesen. Praktikanten bis hin zu Angestellten der Bank hätten tausende kleine Bäume in den Boden gebracht. Link hatte anfangs die Sorge, dass die rund 200 Laienhelfer vielleicht doch zu viel seien und zu wenig Erfahrung mitbrächten. „Mir war wichtig, dass auch gut gepflanzt wird“, sagt er. Der Verein haben die Organisation jedoch sicher im Griff gehabt. „Die Leute wurden in drei Gruppen eingeteilt. Im Wechsel machte eine Gruppe Pause, eine arbeitete und die dritte erlebte kurzweilige Waldpädagogik. Nach acht Jahren kann Link sagen: „Es ist ein richtig schöner Wald geworden.“

Nicht zufrieden ist er mit dem Altbestand in der Wetterau. „Wo man hinschaut, graust es einem.“ Heiße, trockene Sommer habe es schon in früheren Jahren gegeben, aber diese Perioden seien kürzer verlaufen. Hinzu komme, dass das globale 1,5-Grad-Klimaziel in der Wetterau bereits überschritten worden sei. „Wir haben hier eine erhöhte Durchschnittstemperatur von zwei Grad Celsius“, sagt Link. Wärme und Trockenheit schwäche die Bäume zudem bei Befall von Pilzen und Schadinsekten. Die Fichte etwa halte es nicht mehr aus und verschwinde, ebenso wie die Buche. Eiche und Eibe werden die Bäume der Zukunft sein, so wie sie beim Trinkwasserwald in weißer Voraussicht gepflanzt worden seien. Allerdings, bis diese Bäumchen eine klimarelevante Bedeutung erlangen, müssten sie mindestens noch 50 bis 100 Jahre wachsen, so Link.

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