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Trillerpfeife als Waffe

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Die Bürger sollen wachsam sein – etwa an Bahnhöfen.
Die Bürger sollen wachsam sein – etwa an Bahnhöfen. © Renate Hoyer

Der Kreispräventionsrat startet die Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“. Sie soll Bürger dazu motivieren, anderen in Gewaltsituationen zu helfen.

Von Bruno Rieb

Richtig einzugreifen, wenn jemand bedroht wird, ist nicht einfach. Die Gefahr ist groß, selbst angegriffen zu werden. Einer 80 Jahre alten Frau zu raten, sie solle wegrennen, hilft ihr wenig. Mädchen einer dritten Grundschulklasse beizubringen, sich gegen einen Mann mit einem Tritt zwischen dessen Beine zu wehren, ist gefährlich – für die Mädchen. In Notsituationen stünden sie dann da und könnten gar nichts tun, weil sie die Kampfsporttricks wegen des Größenunterschiedes nicht einsetzen könnten, sagt Dieter Baer.

Bear kennt sich aus. Er war Jugendkoordinator der Frankfurter Polizei und hat dort die Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“ mitaufgebaut. Die war recht erfolgreich, berichtet er. In den 90er Jahren habe in der Mainmetropole die Angst davor, Opfer einer Gewalttat zu werden, an erster Stelle gestanden, noch vor der Angst vor Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Inzwischen rangiere die Angst vor Gewalt an fünfter Stelle, sagt Baer.

Weil das Programm so erfolgreich war, wurde es vom Land Hessen übernommen. Jetzt steigt auch der Wetteraukreis ein. Die Voraussetzungen wurden am Dienstag geschaffen: Werner Koch, Staatssekretär im hessischen Innenministerium, übergab Landrat Joachim Arnold (SPD) die Urkunde, mit der dem Kreis die Nutzungsrechte für die Kampagne übertragen werden.

Dorothea Fingerling vom im Januar gegründeten Kreispräventionsrat ist der Motor der Kampagne. Sie hat als Mitarbeiterin der Stadt Frankfurt dort „Gewalt – Sehen – Helfen“ mitaufgebaut, hat die Kampagne in ihrer Heimatstadt Karben initiiert und treibt sie nun im Kreis voran.

Im ersten Schritt sollen Multiplikatoren in einer dreitägigen Schulung ausgebildet werden. Diese sollen dann kreisweit vermitteln, wie in Gewaltsituationen richtig eingegriffen werden kann. 14 Personen gibt es laut Fingerling bislang, die dabei mitmachen wollen.

Die Kampagne richtet sich laut Baer an Erwachsene. Für Schulen müsse ein besonderes Programm aufgelegt werden. Es sei auch nicht als Konkurrenz zur Arbeit der Polizei zu sehen. Hier gehe es darum, die Opfer zu schützen. Aufgabe der Polizei sei es, die Täter zu stellen.

„Eigenschutz geht vor“, betont Baer. Es gehe nicht darum, sich in Prügeleien hineinzustürzen. Der „Königsweg“ sei es, dem Täter das Opfer zu entziehen, „ohne dass mir selbst etwas passiert“. Die Kampagne richte sich vor allem gegen „die Unkultur des Wegschauens“. Landrat Arnold möchte die Wetterauer Bürger dazu bewegen, dass sie etwa „mit wachen Augen“ am Friedberger Bahnhof stehen und auch beim Spaziergang durch ihre Gemeinde wachsam sind, denn „überall können sie auf Gewalt stoßen“.

Dorothea Fingerling überreichte dem Landrat eine Trillerpfeife. Das sei die „einzige Waffe“ die der Kampagne „Gewalt – Sehen – Helfen“ zur Verfügung stehe, sagte sie.

Der Kreispräventionsrat wird vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises koordiniert, erreichbar unter Telefon 06031/835301.

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