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Traubenlese in der Wetterau

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Seit zwei Wochen werden die Trauben in Münzenberg-Gambach geerntet. © Jürgen W. Niehoff

Münzenberg - Wächst hier - schmeckt mir“, so lautet das Motto für den Gambacher Direktvermarkter „Wetterauer Früchtchen“ von Dana Hüsch und Maximilian Reuhl. Es gilt auch für die Weintrauben, die seit nun mehr zwei Jahren auf dem Hof der Reuhls gedeihen.

Über viele Generationen hinweg haben die Reuhls in Münzenberg-Gambach von der traditionellen Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht gelebt. Der Umschwung hin zum Obstanbau erfolgte erst mit dem heutigen Chef des Hofes, mit Maximilian Reuhl im Jahr 2006. „Mein Vater hatte zwar zuvor zwar auch schon mal mit Obstanbau versucht. Aber das hielt sich damals noch im kleinen Rahmen“, berichtet Maximilian Reuhl, der inzwischen den Hof leitet und sich als gelernter Gärtnermeister der Fachrichtung Obstanbau vor allem auf den Anbau von Erdbeeren, Spargel, Himbeeren und Süßkirschen spezialisiert hat. „Obstanbau und Direktvermarktung sind heute die wichtigsten Themen in der Betriebsentwicklung“, betont Reuhl. Dabei gilt es für ihn immer, die Augen für Neues offen zu halten. Und so musste ihn seine Frau Dana Hüsch nicht lange überreden, als sie mit der Idee ankam, es doch einmal mit dem Anbau von Tafeltrauben zu probieren.

„Bester Wetterauer Lößboden mit meterdicken Tonschieferuntergrund und damit garantiert keine Staunässe. Einen besseren Standort kann es doch gar nicht geben“, lobt sie das rund ein Hektar große Gelände, auf dem ihre Reben nun wachsen. Ihre Liebe zur Traube hat sie von den Eltern und Großeltern geerbt. Die hatten im Iran ursprünglich ihren Lebensunterhalt mit dem Traubenanbau bestritten. Auch als ihre Eltern in den 90er-Jahren nach Deutschland übersiedelten, war sie in den Schulferien immer wieder in den Iran zu den Großeltern gefahren und hatte dort den Anbau hautnah miterlebt.

WESPEN

Landwirt Reuhl hat ein Problem: Wespen. Die fallen über seine Trauben her und saugen diese aus. Deshalb will er über die Reben Dächer bauen und sie mit Netzen zuhängen. „Da wir ökologisch zertifiziert sind, gibt es bei uns weder Chemie noch Insektenvernichtungsmittel“, versichert Dana Hüsch. In diesem Jahr habe der Preisanstieg bei den Materialien aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass der Schutz erst für das nächste Jahr vorgesehen ist. jwn

„Das erste Jahr war zwar etwas schwierig, weil es im vergangenen Jahr gerade in der Wachstumsphase im Frühjahr sehr viel geregnet hat. Doch die Reben haben es überlebt“, freut sie sich über den ersten Erfolg. Bei der Auswahl der Rebsorten seien sie von einem Winzer aus der Pfalz beraten worden. Der habe inzwischen so viel Freude an dem Projekt entwickelt, dass er sich auch weiterhin um die Reben kümmern wolle. „Vor knapp zwei Wochen haben wir mit der Traubenlese begonnen und sind eigentlich recht zufrieden mit ihr“, berichtet Landwirt Maximilian Reuhl.

Da auf dem kleinen Weinberg nur Reben mit Tafelweintrauben stehen - „Trauben zur Weingewinnung müssen vom Regierungspräsidium gesondert genehmigt werde“, klärt seine Frau Dana auf -, kann die Lese täglich nach Bedarf erfolgen. „Es werden nur so viel Trauben gepflückt, wie wir in unseren Läden am Tag verkaufen können“, macht Reuhl den Unterschied deutlich zwischen seinem Obst und dem in den Discountmärkten. Dafür beschäftigen Reuhls 30 Festangestellte und 200 Saisonkräfte an ihren beiden Hofläden und 25 Verkaufsständen, verteilt während der Saison über die ganze Region.

Da der Trend immer mehr in Richtung saisonal und regionales Einkaufen geht, zeigen sich auch größere Einkaufsketten an den regionalen Produkten interessiert. Diesen Geschäftszweig wolle er noch auszubauen, zeigt sich Reuhl zuversichtlich. Dabei spiele der Preis eine untergeordnete Rolle, da das Preisgefälle gar nicht so stark sei. „Außerdem hat die Frische ihren Preis. Das akzeptieren mittlerweile die meisten. Und zweitens richten auch wir uns mit unseren Verkaufspreisen im Großen und Ganzen nach den Aldi-Preisen“, klärt Reuhl weiter auf. Bis Ende Oktober wird sich in diesem Jahr die Ernte hinziehen.

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Maximilian Reuhl und seine Frau Dana Hüsch kontrollieren die Reife der Trauben. niehoff (2) © Jürgen W. Niehoff

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