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Quellen-Forschung

Tote Maus im Wasserkrug

Der Historiker Konrad Schneider forscht über Vilbeler Mineralquellen um 1900 - und berichtet über haarsträubende hygienische Zustände. Von Ben Reichardt

Von Ben Reichardt

Vilbeler Wasser ist heute von unbestrittener Güte. Dass das nicht immer so war, hat der Historiker Konrad Schneider in seinem Aufsatz "Vom Abfüllen im Hinterhof zum hygienischen Brunnenbetrieb: Vilbeler Mineralquellen um 1900" beschrieben.

Während andernorts die Brunnenbetriebe Steinzeugkrüge mit eigenen Marken verwendeten, wurden in Vilbel beliebige Krüge ohne Marktstrategie abgefüllt. Befüllt wurden die Krüge damals, wie der Brunnen vor dem Vilbeler Rathaus heute zeigt, durch Einsenken in einem eisernen Korb, der hinab gelassen wurde. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es technisch möglich geworden, dem Wasser Kohlensäure zuzugeben und so künstliche Mineralwasser zu produzieren. Die hierfür notwendigen Anlagen wurden von den örtlichen Gesundheitsbehörden beaufsichtigt.

"Die Betreiber nahmen es jedoch mit der Hygiene nicht immer sehr genau", schreibt Konrad. So wurden um 1900 Beschwerden gegen Vilbeler Mineralwasser aus dem Frankfurter Polizeipräsidium laut. "Sie richteten sich gegen mangelnde Sauberkeit und schlechten Geschmack des Wassers, unter anderem nach Petroleum". Ganz Dreiste verkauften einfach reines Brunnen- als Mineralwasser. Es kam aber auch vor, dass unzufriedene Kunden Kritik an den unappetitlichen Zuständen bei den Abfüllern bemängelten. Nämlich, wenn ihr Wasser "aus einer zu großen Nähe zu Abortgruben und Misthaufen stammte". Im Jahr 1899 wurde gar eine tote Maus in einem Krug "Vilbeler Wasser" entdeckt.

Kurz zuvor hatte die Obrigkeit bereits durchgesetzt, dass aus hygienischen Gründen die Krüge nur noch mit Hähnen und nicht mehr per Hand befüllt wurden. Der Grund: "Ein amtlicher Chemiker in Frankfurt sah in den Vilbeler Füllbetrieben einen Herd für Typhus." Obwohl das Kreisamt Friedberg strenge Kontrollen durchführte, ließen die Beschwerden über Vilbeler Wasser nicht nach. Dass das Wasser nicht gerade reinen Ursprungs war, hatte seine Ursache zum Teil darin, wie manche Abfüller ihre Brunnen gebaut hatten. Zum einen unter Missachtung des hessischen Quellenschutzgesetztes gebohrt, zum anderen unzureichend gegen Schmutz geschützt. Für "in Ordnung" wurde damals schon der Hassia-Sprudel Fritz Hinkels befunden. Hassia pumpte bereits maschinell. Gereinigt wurden Krüge durch Schwenken und Bürsten.

Das schützte die Betriebe aber nicht davor, dass sich der Kreisarzt Friedrich Wilhelm Grandhomme im Juni 1904 "gegen eine Zulassung des krankheitserregerverdächtigen Vilbeler Wassers in Frankfurt aussprach". Die Vilbeler Mineralwasserbetriebe reagierten. Mit dem Ziel der Qualitätsverbesserung gründeten die Brunnenbetreiber im Jahr 1907 den Verein der Mineralwasserhändler. Bald darauf verdrängte auch die leichter zu reinigende Glasflasche die Steinzeugkrüge.

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