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Strom aus Wind und Wasser

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Von: Martin Brust

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Windräder
Windräder © Rolf Oeser

Die Bad Vilbeler Stadtwerke setzen auf Wasser- und Windkraft und wollen dazu mit den Kollegen aus Viernheim kooperieren. Photovoltaik rechnet sich derzeit nicht.

Die Stadtwerke Bad Vilbel (SWBV) planen „zur Reduzierung der Abhängigkeit von den spekulationsgetriebenen Großmärkten ein deutliches Engagement in der Stromerzeugung“. Voraussetzung sei „eine positive wirtschaftliche Prognose“ der jeweiligen Projekte. In Relation zur Investition bieten „insbesondere Wasser- und Windkraft die Chance, eine entsprechend hohe Stromerzeugung umzusetzen“. So steht es im gestern veröffentlichten Konzept der Stadtwerke für den Einsatz erneuerbarer Energien. Gemeinsam mit den Stadtwerken Viernheim (SWV) soll Anfang 2011 die VBV Wind GmbH gegründet werden. Beide Seiten werden jeweils die Hälfte der Anteile halten.

In Windkraft investieren die SWBV, weil gute Wasserkraft-Standorte nicht mehr verfügbar sind und Photovoltaik (PV) zu teuer ist. Die PV ist in der Stadt auch politisch umstritten. PV habe mit drei Euro pro Jahresleistung dreimal so hohe Investitionskosten wie Windenergie und belaste die Stromverbraucher über die EEG-Umlage höher als Windenergie. Für Strom aus Anlagen mit erneuerbarer Energie (EEG) bekommen deren Betreiber eine Zusatzvergütung zu den Marktpreisen, die alle deutschen Stromkunden finanzieren.

Derzeit rechne sich PV auch betriebswirtschaftlich nicht, denn der Reduktion der EEG-Umlage sei noch keine Preissenkung bei den Modulen gefolgt, so SWBV-Geschäftsführer Ralph Franke. Wenn sich das ändern sollte, sei die PV eine Option, so Franke. Ob die Stadtwerke über die EEG-Umlage zulasten der Stromkunden investieren, sei aber letztlich eine politische Entscheidung.

Folglich haben sich die SWBV „in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat ein verstärktes Engagement in der Windkraft“ zum Ziel gesetzt. Die SWV betreiben bereits eine Anlage in der Pfalz. Gemeinsam suche man nun Standorte; VBV soll die operative Umsetzung übernehmen. Die Stadtwerke sind spät dran, im Energiekonzept steht: „Die Suche nach geeigneten Standorten ist relativ aufwendig. Da ausgewiesene Vorranggebiete bereits vergeben sind, müssen andere Standorte entwickelt werden.“ Wer die Diskussion um Windkraft verfolgt hat, weiß, auf wie großen Widerstand sie in Hessen trifft. Beim regionalen Flächennutzungsplan gab es selbst nach jahrelanger Diskussion keine einvernehmliche Lösung, der Vorwurf der Verhinderungsplanung stand im Raum.

Die beiden Stadtwerke haben eine Reihe von Projekten geprüft und verworfen. Derzeit gebe es Gespräche mit Gemeinden in Rheinland-Pfalz und Thüringen und auch bereits einen Nutzungsvertrag. Weil Verhandlungen und Genehmigungsverfahren aber noch laufen, will Franke dazu keine Details nennen. Biomasse als Energiequelle wird in dem Konzept nicht erwähnt. Das liegt laut Franke daran, dass kein langfristiger Zugang zu Biomasse vertraglich gesichert werden konnte. „Bei langen Transportwegen ist dieser Energieträger aber nicht mehr wirtschaftlich“, so der Geschäftsführer weiter.

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