Wetterau

Streit um eine Kreisstraße bei Kefenrod

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Wetteraukreis stuft gegen den Protest der Kommune die K905 zur Dorfstraße ab.

Der Wetteraukreis will das knapp ein Kilometer lange Teilstück der K905 von der Ortsmitte Helfersdorf bis zur L3443 zur Gemeindestraße abstufen oder zum Feldweg umbauen. Die Ortsbeiräte der zu Kefenrod gehörenden Dörfer Helfersdorf und Hitzkirchen kündigen in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Entscheidung Protest vor dem Kreishaus in Friedberg und die Gründung einer Bürgerinitiative an. Per Zufall fiel der geringe Verkehr auf der schmalen Straße auf.

I m vergangenen Jahr gab die letzte Bankfiliale auf und der einzige Arzt machte seine Praxis dich. In diesem Februar ist der Gemeinde die Kreisstraße 905 entzogen worden - zumindest formal und auf Anordnung des Landratsamts, das sich durch der Hessische Verkehrsgesetz unter Handlungszwang sieht. Bürgermeister Rudolf Kessler (CDU) spricht von einem „unsensiblen Vorgehen des Kreises“.

Im August 2018, kurz nach den Sommerferien, besichtigten Straßenwarte von Hessen Mobil im Auftrag des Wetteraukreises, den Zustand der K905. Dabei wurden nicht nur zum Teil bekannte Schäden gemeldet, sondern auch, dass sich auf der Kreisstraße nur wenige Autos bewegen. Noch im gleichen Monat wurde eine 24 Stunden dauernde Verkehrszählung vorgenommen, die den Eindruck bestätigte. Damit stand für den Wetteraukreis fest: Der Zubringer von der L3443 nach Helferdorf und Hitzkirchen entspricht nicht mehr dem Typus einer Kreisstraße – zu wenig Durchgangsverkehr, zu wenige Autos überhaupt. Beides ist bei Betrachtung der geografischen Lage von Helfersdorf und Hitzkirchen sowie der Einwohnerzahl von 232 beziehungsweise 456 (Stand 2018) nicht verwunderlich.

Abstufung

Laut Hessen Mobil kann die Abstufung einer Kreisstraße nur durch den jeweiligen Kreis erfolgen.

Der Wetteraukreis hat 2019 die K 17 im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel und in Kefenrod die K905 abgestuft.

Kefenrod liegt am östlichen Zipfel des Wetteraukreises an der Grenze zum Main-Kinzig-Kreis. 

„Ist das die seitens der Politik viel propagandierte Stärkung des ländlichen Raumes?“, fragen die beiden Ortsbeiräte und erinnern damit auch Landrat Jan Weckler (CDU) an sein Wahlversprechen. Er bekleidet das Amt seit April 2018. Erneut zeige sich, wie weit weg Landrat und Kreispolitik von den Ängsten, Sorgen und Nöten der Menschen im ländlichen Ostkreis seien. Die Politik wende sich stattdessen lieber dem prosperierenden Westkreis zu. Kein gefühltes stiefmütterliches Zurückgesetztsein: Seit Anfang der 1990er Jahre warten die Kefenröder auf die Sanierung der K209 und K211. Doch nicht mehr lange, heißt es vom Kreis. Die Planfeststellung werde vorbereitet. Damit könne für die beiden Kreisstraßen ab 2021 Baubeginn sein.

Eine frisch asphaltierte K 905 zu übernehmen, ist für Kessler ein schlechtes Geschenk in schöner Verpackung. „Wir sind eine Gemeinde mit knapp 2800 Einwohnern und haben ohnehin schon viele Straßen, die Unterhalt kosten“, sagt er. Dabei gebe es dringendere Themen wie Kita oder Kläranlage und das Bemühen, mit dem Gemeindehaushalt wenigsten knapp in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Kessler hat sich juristischen Rat beim Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) geholt. Das Schicksal der K905 bei Helfersdorf sei wohl nicht mehr abzuwenden, sagt er. „Laut Straßengesetz braucht ein Ortsteil nur einen Verkehrsanschluss an eine überörtliche Straße“, so der HSGB. Der Erfolg einer Klage sei äußerst gering.

Der Wetteraukreis bietet Kefenrod nun eine erneute und erweiterte Verkehrszählung mit Verkehrsbefragung, woher und wohin die Autofahrer auf der K905 unterwegs sind. Das Vorhaben „sei allerdings zeit- und kostenintensiv und müsse nach dem Hessischen Straßengesetz vom künftigen Träger der Straßenbaulast bezahlt werden“ - nach gegenwärtigem Stand also von Kefenrod.

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