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Startschuss für die Kultur

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Von: Claudia Isabel Rittel

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Startschuss für das Theater im ehemaligen Friedberger alten Schwimmbad.
Startschuss für das Theater im ehemaligen Friedberger alten Schwimmbad. © Martin Weis

Engagement von Bürgern ermöglicht den Umbau des alten Jugendstil-Bads. Ab kommenden Samstag gibt es erstmals ein umfangreiches Kulturangebot.

Engagement von Bürgern ermöglicht den Umbau des alten Jugendstil-Bads. Ab kommenden Samstag gibt es erstmals ein umfangreiches Kulturangebot.

Nicht nur mit hoher Anspannung und Konzentration, sondern in einer gar menschlich unmöglich anmutenden Verdrehung steht Alba Kukli auf ihren Händen. Mit den Füßen hebt sie einen Bogen mit Pfeil auf, der vor ihr auf dem Podest liegt und fokussiert das Ziel: einen roten Luftballon in der Form eines Herzens. Dann spannt sie den Bogen. Wie es oft bei großer Kunst ist, sieht man Kukli die Mühe ihrer Darbietung nicht an.

Von Anstrengung ist auch bei den Verantwortlichen der Gesellschaft der Freunde Theater Altes Hallenbad in Friedberg nichts zu spüren. Dabei haben auch sie in den vergangenen sechs Jahren einen Kraftakt hinter sich, in dem sie das baufällige alte Jugendstil-Bad, das mit Bürgerengagement 1908 erbaut wurde, zu einem Kulturzentrum umgebaut haben. Vieles ist schon geschehen. Von kommenden Samstag an gibt es Dank einer Sondergenehmigung erstmals ein umfangreiches Kulturprogramm in dem altehrwürdigen Gebäude – eine Woche jeden Tag.

Danach wird weitergebaut. Über dem Kesselhaus soll bis Ende des Jahres noch ein 100 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum entstehen. Dann ist der erste Bauabschnitt vollendet. Schon jetzt ist im Haus viel passsiert. Die Technik steht überwiegend, über das ehemalige Becken wurde eine Decke aus Spezialbeton eingezogen, das Foyer hat neue Fenster.

Eindrucksvolles Engagement

„Ein wichtiges Etappenziel ist erreicht“, sagt der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Alten Hallenbads, Uli Lang. Rund eine Million Euro habe der Verein durch Spender, Stifter, Stadt, Land und Bund zusammenbekommen. Bis zum kommenden Frühjahr kann damit weitergebaut werden. Derzeit arbeiten er und seine Mitstreiter an der Bewerbung, um 2014 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einen Zuschuss von 650 000 Euro zu bekommen.

Bürgermeister Michael Keller (SPD) lobte das Engagement des Vereins für das Alte Hallenbad als „eindrucksvoll“. „Es ist großartig, was Sie daraus gemacht haben“, sagte er in seiner Ansprache zur Eröffnung des Theaters. Und, dass es nicht selbstverständlich sei, dass Bürger Dinge tun, die eigentlich die Stadt tun müsste, für die es aber in den letzten Jahren keine Mittel mehr gebe.

Der ehemalige CDU-Stadtverordnete Bernd Pollack, der zusammen mit Lang die Idee für die kulturelle Nutzung des Theaters entwicklet und die Umsetzung angestoßen hat, zeigt sich indes enttäuscht von der Stadt. Vom Bürgermeister hätte der Verein wenig Unterstützung bekommen – lediglich 25 000 Euro jährlich für die Unterhaltung des Gebäudes. Zu wenig für „das tollste Gebäude von Friedberg“, meint er.

Dennoch war auch Pollack das Alte Hallenbad in den vergangenen Jahren eine „Herzensangelegenheit“. Und ein Vollzeit-Job trotz Rente. „Damit es jetzt weitergehen kann, muss es einen Ruck in der Bürgerschaft geben“, sagt er. Sein Ziel ist, 3000 Personen zu finden, die fünf Jahre lang 100 Euro pro Jahr spenden.

Kukli spannt den Bogen noch ein bisschen mehr, dann schießt sie ihn ab. Der Luftballon zerplatzt, das Ziel ist getroffen. In seiner Ansprache vor dem Festpublikum sagt Lang kurz darauf: „Wir sind überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein.“

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