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„Die Stadt kann sich sehen lassen“

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Von: Claudia Isabel Rittel

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Thomas Stöhr ist seit 2004 Bürgermeister von Bad Vilbel.
Thomas Stöhr ist seit 2004 Bürgermeister von Bad Vilbel. © Rolf Oeser

Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) spricht im FR-Interview über Stadtentwicklung, Familienpolitik und Wohnungspreise.

In knapp sechs Monaten ist Bürgermeisterwahl. Welche Themen stehen in den nächsten Jahren an?
Es sind Themen, die wir zum großen Teil schon angepackt und teilweise bewältigt haben. Wir werden weiter an der Stadtentwicklung arbeiten und wir werden uns um Familien und Senioren kümmern. Auch Kultur und Sport sind Bereiche, mit denen sich Bad Vilbel in Hessen blicken lassen kann.

Sie sind seit 2004 im Amt. Was haben Sie richtig gemacht?
Wenn ich nur mal die letzte Wahlperiode sehe, denke ich dass viel vorangebracht worden ist. Es ist relativ unstreitig, dass durch die Entwicklung der Neuen Mitte, den Erwerb des Woolworth-Areals, die Entwicklung an den Bahnhöfen, die drei Kreisel und das große Projekt Schwimmbad viel für die Stadtentwicklung und Infrastruktur der Stadt getan wurde. Zudem haben wir die Zahl der U3-Plätze seit 2007 verdoppelt.

Gibt es Punkte, bei denen Sie aus der Rückschau gerne etwas anders gemacht hätten?
Es gibt niemanden, der keine Fehler macht. Und das ist ja auch natürlich. Bei den Erdablagerungen in Gronau zu Beginn meiner ersten Amtsperiode habe ich mich im Nachhinein darüber geärgert, dass zwar die Verträge kontrolliert wurden, aber da hätte man durchaus auch die Mengen aufschreiben sollen und addieren müssen. Dass wir das nicht gemacht haben, hat mich persönlich geärgert. Es hätten vorab Genehmigungen für größere Mengen eingeholt werden müssen.

Bei der Kinderbetreuung gibt es seitens der Eltern immer wieder Kritik.
Ich glaube es ist unbestritten, dass wir großartige Leistungen in dem Bereich haben. Kaum eine Stadt hat die U3-Plätze in einer Legislatur verdoppeln können. Wir stehen mit unserem Angebot gut da und haben als eine von wenigen Städten auch einen hohen Betreuungsschlüssel festgelegt, so dass wir bei Qualität und Quantität im Vergleich zu den meisten Städten hier im Ballungsraum ganz vorne mit dabei sind. Natürlich gibt es weiterhin Probleme, etwa mit der Personalgewinnung. Aber das ist in ganz Hessen so, nicht nur in Bad Vilbel. Problematisch ist auch der Bereich, der in der Verantwortung des Kreises liegt, nämlich die Schülerbetreuung.

Wie sieht es denn im Kinder- und Gemeinschaftshaus in Massenheim aus – sind dort inzwischen alle Gruppen belegt?
Es ist fast zu drei Vierteln belegt. Um noch fehlende Erzieherinnen bemühen wir uns. An diesem Neubau sehen Sie übrigens auch gut, wie viel die Stadt in diesem Bereich investiert hat.

Die Innenstadt ist inzwischen sehr belebt, auch durch den Anziehungspunkt Neue Mitte. Das führt auch zu Kritik am starken Verkehr. Muss man da ran?
Ich denke, dass sich die CDU und ich dieses Themas angenommen haben. Durch die Nordumgehung und die drei Kreisel läuft der Verkehr wesentlich besser. Auch den Ausbau des Niddaradwegs und ein Parkleitsystem haben wir erfolgreich umgesetzt. Zudem sind wir an Generalverkehrsplänen dran. Das Versprechen steht, dass wir an dieser Stelle nicht locker lassen und weiterhin Verbesserungen für die Bad Vilbeler erreichen werden.

Wenn man von den großen Straßen absieht, die den Verkehr um die Innenstadt herumleiten, und den Blick auf die Innenstadt lenkt. Glauben Sie, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen so dauerhaft haltbar ist?
Genau deswegen habe ich ja vor kurzem den Arbeitskreis Innenstadt initiiert. Da werden alle diese Themen auf den Tisch kommen und wir werden über Verkehr und andere Punkte reden. Aber ohne Nordumgehung und die B3 bräuchten wir uns gar nicht über eine Stadtentwicklung in der Innenstadt zu unterhalten, weil wir sonst gar nicht diese Verweilkapazität hätten. Dann würde ja weiterhin der gesamte Verkehr durch die Innenstadt fahren. Bewusst ist daher auch der City-Parkplatz entstanden, der nicht über die Frankfurter Straße angefahren wird. Darüber und auch über den Busverkehr möchte ich mit Hauseigentümern und Gewerbetreibenden sprechen.

Sehen Sie eine Konkurrenz zwischen öffentlichem Nahverkehr, Fußgängern, Autofahrern und Radfahrern?
Man muss das insgesamt betrachten und darf keine Komponente vergessen. Der Ausbau der Radwegeverbindung entlang der Nidda ist bewusst nahe der Innenstadt begonnen worden, um die Innenstadt für den Radverkehr und den Radtourismus noch besser zu erschließen. Zudem ist die Innenstadt hervorragend durch den Busverkehr angebunden.

Derzeit entstehen verschiedene größere und kleinere Neubausiedlungen. Viele der neuen Wohnungen liegen in einem recht hochpreisigen Niveau. Gerade werden etwa in der Innenstadt Wohnungen für einen Quadratmeterpreis von 4200 Euro zum Kauf angeboten. Ist das die Entwicklung, die Sie sich für die Stadt wünschen?
Zunächst einmal glaube ich, dass jede Stadt darauf stolz sein kann, wenn man sie in der Region attraktiv findet. Ich sehe das etwas differenzierter, wenn ich mir die Neubautätigkeiten anschaue. Zum einen gibt es die von Ihnen beschriebenen Projekte. Es gibt aber auch viele, die sicher nicht an den Höchstpreisen liegen, wie Sie sie im Taunus oder in Frankfurt haben. Zudem darf ich daran erinnern, dass wir im Quellenpark 60 Sozialwohnungen bauen wollen. Daran erkennen Sie, dass es uns wichtig ist, eine gute Durchmischung zu erreichen.

Welche Beispiele haben Sie bei moderaten Preisen im Kopf?
Derzeit werden ja in der Friedberger Straße auch verschiedene Eigentumswohnungen gebaut...

...die Stattmitte meinen Sie?
Ja, die Stattmitte, aber auch verschiedene kleinere Bauvorhaben, die in den vergangenen Jahren angestoßen wurden. Es wird Entwicklungen am Schöllberg geben und in den Ortsteilen, wo kleinere Bauobjekte entstehen, die auch zu annehmbaren Preisen möglich sind. Ich denke, es ist eine ganz gute Mischung dabei. Auch in Massenheim bei der alten Ziegelei soll Wohneigentum für Leute aus dem ganz normalen Mittelstand entstehen. Auch haben mir verschiedene Investoren versichert, dass sich die Preise an Angestellte und Familien richten. In Bad Vilbel geht es nicht um absoluten Luxus.

Die Genossenschaft für Bauen und Wohnen hat zuletzt kaum neu gebaut.
Sie hat auf bestehenden Grundstücken und Gebäuden aufgestockt. Hintergrund dafür ist, dass die Wohnungen dringend modernisiert werden mussten. Es macht ja gar keinen Sinn ein finanzielles Wagnis einzugehen, während einem die Mieter weglaufen, weil die Wohnungen nicht auf dem neuesten – insbesondere energetischen – Stand sind.

Wie wollen Sie das strukturelle Defizit im Haushalt in den Griff bekommen?
Wir können beim Haushalt Erfolge dahingehend ausweisen, dass wir in den vergangenen Jahren deutlich Schulden reduziert haben. Es ist das Ziel, möglichst auf eine schwarze Null zu kommen und ich glaube dabei befinden wir uns auf einem guten Weg. Die Kunst ist, dass wir es trotz immer neuer Belastungen und der Verpflichtung zu sparen schaffen, weiterhin sehr hohe Standards und Angebote für unsere Bürger zu haben und keine rigorose Schließungspolitik machen müssen wie viele andere Städte.

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