René Renz, wie er sich am liebsten sieht: als Bändiger wilder Tiere.
+
René Renz, wie er sich am liebsten sieht: als Bändiger wilder Tiere.

Toter Elefant „Mädi“

Tierschützer stellen Strafanzeige

  • Claudia Isabel Rittel
    vonClaudia Isabel Rittel
    schließen

Nach dem tragischen Tod der Elefantendame Mädi wollen Tierschützer von Pro Wildlife den Friedberger Halter René Renz im Gefängnis sehen. Die Grünen verlangen Aufklärung. Sie stellen im Landtag eine weitere Anfrage zu dem Fall.

Nach demtragischen Tod der Elefantendame Mädi in Estland wird die Kritik am Friedberger Halter René Renz immer lauter. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife hat gestern Strafanzeige erstattet. Sie wirft Renz vor, sich „unfähig und verantwortungslos“ verhalten zu haben. Hätte er anders gehandelt, argumentieren die Tierschützer, könnte Mädi noch leben. Renz würden sie gerne im Gefängnis sehen. Neben ihm haben sie aber auch gegen die Vorbesitzer und gegen Unbekannt Strafanzeige erstattet.

„Nicht Renz alleine hat Mädi so heruntergewirtschaftet“, sagt Pro-Wildlife-Elefantenexpertin Daniela Freyer. Die Elefantenkuh müsse eigentlich eine ganze Tonne mehr wiegen, sagt sie. Bei Renz aber war sie laut Freyer nur etwa drei Wochen. „Doch er hat sie ertrinken lassen“, sagt Freyer. Dafür sowie „für die strapaziöse Reise nach Estland“ sei er verantwortlich. Mädi war vor knapp einem Monat auf einer Tournee in Estland in einem See ertrunken, während Renz auf ihr herumturnte. Der Fall hatte viele Menschen bewegt, Tausende hatten Berichte über Facebook geteilt.

Eigentümer unbekannt

Umstritten ist, wem Mädi zuletzt gehörte. Sowohl René Renz, der Chef einer Alligatorfarm in Friedberg-Ockstadt ist, als auch sein Bruder Daniel, dem der Universal-Circus Renz gehört, hatten unabhängig voneinander in Interviews mit Bild.de betont, dass sie nicht Eigentümer des Tieres gewesen seien. Für die Frankfurter Rundschau war René Renz bisher nicht errreichbar.

Für die Strafanzeige sei das unerheblich, meint Freyer, da René Renz zumindest Halter des Tieres gewesen sei, als es starb. Er habe wissen müssen, dass Mädi wegen ihrer Schwäche und einer Rüssellähmung im WasserSchwierigkeiten haben würde. Wegen der Rüssellähmung hatte das Tier keine Luft holen können, als Renz im Wasser auf ihr herumturnte. Denn dafür hätte sie den Kopf über Wasser strecken müssen, was ihr nicht gelang.

Außerdem stellt Pro Wildlife in Frage, ob Renz überhaupt eine Genehmigung gehabt habe, und wirft ihm Falschaussagen und Täuschung der Behörden vor.

In die gleiche Kerbe schlägt die Kritik der Grünen. Gestern stellte die Grünen-Landtagsabgeordnete Hammann eine weitere Anfrage im Landtag. Darin weiten Hammann und ihre Mitstreiterin Ellen Enslin ihre kritischen Fragen nun zudem auf die Alligatorfarm von René Renz aus. Was hält die Landesregierung von „Kindergeburtstagen als Eventveranstaltung“ mit einem „unzureichenden Schutzabstand“ zu den Repitilien, fragen sie etwa. Und „wann wurde die Alligator-Action-Farm in den letzten zehn Jahren durch die zuständige Veterinärbehörde kontrolliert?“ Außerdem fragen die Landespolitikerinnen danach, wann die zuständige Veterinärbehörde in Friedberg in den vergangenen zehn Jahren auf Missstände hingewiesen worden sei und wie sie darauf reagiert habe.

Sanfte Kritik der Kreisgrünen

Die Kreisgrünen, die gestern eine Pressekonferenz zu dem Thema abhielten, halten sich derweil mit Kritik an Amtsleiter Rudolf Müller zurück. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Tierschutz der Grünen und Wetterauer Landtagskandidat Marcus Stadler hatte vergangene Woche das Handeln des Amtes kritisiert. Es sei unverständlich, dass die Behörde Renz die Genehmigung noch nicht entzogen habe.

Gestern jedoch ging seine Kritik ausschließlich in Richtung Renz. Zu Müller hieß es, er solle seine grundsätzliche Position überdenken, dass er das Halten von Wildtieren in Zirkussen befürworte. Im Wetteraukreis stellen die Grünen mit der SPD die Regierungskoalition. Müller hat René Renz schriftlich aufgefordert, bis Ende Juni gegenüber der Veterinärbehörde Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen.

Ob die Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleitet und später ein Verfahren eröffnen wird, bleibt nun abzuwarten. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Verursacher oft sehr glimpflich davonkommen“, sagt Freyer. Dieser Fall aber sei sehr gut dokumentiert. Beim Circus Renz waren schon 2012 und im Februar 2013 Elefanten gestorben.

Mehr zum Thema

Kommentare