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Andrea Feiler ist seit 2011 Tagesmutter in Klein-Karben im Wetteraukreis.

Wetterau

Tageseltern fordern bessere Bezahlung

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Der Landkreis Wetterau soll endlich seiner Pflicht nachkommen, die Vertretung von Tageseltern im Krankheitsfall zu regeln. Auch an der Vergütung soll er nachjustieren.

Andreas Rasselbande ist mächtig aktiv an diesem warmen Sommermorgen. Im Hof und im Garten von Andrea Feiler in Karben verstecken sich die fünf Kleinkinder in bunten Spielhäusern, sausen von der Mini-Rutsche und spielen mit Sandförmchen. Plumpst einer auf den Po, hilft die 57-Jährige wieder auf die Beine. Sie behält ihre Schützlinge im Auge – auch wenn die Presse zu Besuch ist. Andrea Feiler arbeitet als Tagesmutter. Im gesamten Wetteraukreis gibt es nach Angaben der Kreisverwaltung 130 Tageseltern. 

„Die Kindertagespflege ist nicht mehr wegzudenken“, sagt Kreissozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD). Sie leiste neben den Tageseinrichtungen einen unverzichtbaren Beitrag, speziell im Bereich der Betreuung der unter Dreijährigen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. So ist die Tagespflege für etliche Eltern eine Alternative. Unter den Kindern in der Tagespflege sei „ein großer Anteil, die keinen Kita-Platz finden“, sagt Nicole Waldheim von der Fachberatung Kindertagespflege der Diakonie. Genauso entscheiden sich manche bewusst für diese individuelle und flexible Art der Betreuung. 

Viele Tageseltern haben jedoch das Gefühl, dass ihr „unverzichtbarer Beitrag“ nicht anerkannt wird. Seitdem die neue Satzung, die die Vergütung regelt, im Januar 2014 in Kraft trat, hat es keinen Inflationsausgleich gegeben, geschweige denn sind die Sätze analog der Tariferhöhungen bei den Erziehern angepasst worden. Zudem wird kritisiert, dass die Satzung nicht regelt, was passiert, wenn eine Tagesmutter krank oder verhindert ist. Der Kreis ist dafür zuständig, die Vergütung und Vertretung der Tageseltern zu regeln. 

Zu Letzterem ist der Kreis nach dem Sozialgesetzbuch sogar verpflichtet, wie Gabriele Ratazzi-Stoll vom Kindertagespflegebüro der Stadt Karben erklärt. Warum das bislang nicht geschehen sei? „Wo kein Kläger, da kein Richter“, hätte es vom ehemaligen Kreissozialdezernenten geheißen. Bislang hätten die Eltern der Kinder sich stets selbst um einen Ersatz gekümmert, erzählt Feiler. „Der Kreis kann froh sein, dass niemand geklagt hat“, meint Ratazzi-Stoll. Die Erste Kreisbeigeordnete Becker-Bösch hat angekündigt, sich der Probleme anzunehmen und dem Kreistag eine neue Satzung vorzuschlagen. Näheres verrät sie noch nicht. 

Andrea Feiler betreut die ihr anvertrauten Kinder im eigenen Haus und Garten in Klein-Karben. Hier wohnt sie mit ihren 17 und 21 Jahre alten Söhnen. Bis zum Ortsrand, wo die Felder beginnen, ist es nicht weit. Dorthin macht sie mit den Kindern häufig einen Ausflug.

Rasselbande geht spazieren, will einen neuen Weg probieren“, singen sie dann gemeinsam, während die gelernte Industriekauffrau die Kleinen in einem knallgelben Wagen mit sechs Sitzplätzen vor sich her schiebt. Von Montag bis Freitag, jeweils von 7.15 bis 16 Uhr, bietet Feiler die Betreuung an. Acht Kinder hat sie unter Vertrag, fünf darf sie laut Gesetz gleichzeitig betreuen. Das geht, weil nicht jedes Kind jeden Tag kommt. 

Seit Februar 2011 ist sie Tagesmutter. Los ging es mit einem Kind. Sie hatte die nötige Grundqualifizierung des Wetteraukreises absolviert, später erwarb sie noch das Zertifikat des Bundesverbandes für Kindertagespflegepersonen, das bringt etwas mehr Geld. „Ich wollte noch ein zweites Standbein“, sagt Feiler, die früher in verschiedenen Unternehmen arbeitete und bis 2014 einen Tennisladen hatte. Seit vier Jahren konzentriert sie sich ausschließlich auf die Rasselbande – mit Herzblut und Engagement. 

Gleichwohl übt auch sie Kritik. „Es ist nicht so einfach als Tagesmutter.“ Im vergangenen Jahr habe sie zusammen mit über 50 anderen Tagespflegepersonen einen Brief an die Kreissozialdezernentin geschrieben, um eine bessere finanzielle Ausstattung zu erreichen. Beispielsweise erhält sie für ein zwei Jahre altes Kind, das sie 30 Stunden in der Woche betreut, mit ihrer Qualifikation aktuell 407 Euro im Monat vom Kreis und zusätzlich 200 Euro aus Landesmitteln, macht 607 Euro – brutto versteht sich. „Wir bekommen nur die reinen Betreuungszeiten vergütet, also keinerlei Vor- und Nachbereitungszeiten.“ Dabei machten die Essenszubereitung, die Dokumentation, Einkäufe und Elterngespräche rund 20 Prozent der gesamten Arbeitszeit von Tageseltern aus, sagt Ratazzi-Stoll vom Kärber Büro.

Eine Angleichung entsprechend der Tariferhöhungen bei den Erziehern in den vergangenen Jahren hält Feiler deshalb für „sehr wünschenswert“. Becker-Bösch habe ihr und den Kolleginnen aber nur wenig Hoffnung gemacht, dass es dazu kommen werde. Lediglich eine ungleich niedrigere jährliche Anpassung sei vorgesehen. 

Dabei ist Karben schon ein besseres Pflaster für Tageseltern. Nicht nur, dass es mit dem Kindertagespflegebüro im Mütter- und Familienzentrum in Burg-Gräfenrode eine kleine und persönliche Beratungsstelle gibt. Die Stadt lege auf das Geld von Kreis und Land noch mal etwas drauf, erklärt Feiler. Wer an fünf Tagen, fünf Plätze anbiete, erhalte 200 Euro zusätzlich. Bei weniger Plätzen und Tagen etwas weniger. 

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