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Das Hallenbad an der Nidda muss einer Stadthalle weichen.

Bad Vilbel

Sorge wegen Hallenbad-Abriss

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Schulen und Vereine in Bad Vilbel befürchten, dass sie lange Zeit ohne Schwimmhalle auskommen müssen. Vorschläge der Opposition finden im Rathaus aber wenig Anklang.

Das Hallenbad in Bad Vilbel liegt in den letzten Zügen. Bald muss das 1972 eröffnete Bad an der Nidda abgerissen werden. An seiner Stelle will Frankfurts Nachbarkommune eine Stadthalle mit mehr als 1000 Sitzplätzen errichten. Erste Anzeichen für die anstehenden Arbeiten gibt es schon: Städtische Mitarbeiter haben den kleinen Spielplatz am Hallenbad in den vergangenen Tagen abgebaut und Pflanzen, die sich am Gebäude entlangrankten, entfernt.

Im Rathaus geht man davon aus, dass der Abbruch des Schwimmbads Ende Mai oder Anfang Juni beginnen kann, wie Stadtsprecher Yannick Schwander gestern auf Anfrage sagte. „Die Hallenbadsaison wird dieses Jahr noch zu Ende gebracht.“ Ein neues Kommunalbad mit acht 25-Meter-Bahnen – das sind drei mehr als zurzeit – will die Unternehmensgruppe Wund zwischen dem Schulzentrum und der B3 bauen.

Ob die Firma, wie Josef Wund noch eine Woche vor seinem Tod im Dezember angekündigt hatte, Mitte März loslegen wird, ist offen. Stadtsprecher Schwander sagte, er gehe nach wie vor davon aus. Peter Häusler von der Firmengruppe gibt sich dagegen zurückhaltend: Vor der Testamentseröffnung könne er „keine verbindlichen Aussagen zum Fortgang des Projekts“ machen, sagte er in der vorigen Woche.

Wunsch nach Klarheit

Die Schulen und Vereine in Bad Vilbel hoffen, dass bald Klarheit herrscht. Sie nutzen das Schwimmbad rege und befürchten, dass sich die Zeit bis zur Eröffnung des neuen Kommunalbads ziehen wird. Laut Birgül Senal vom Elternbeirat der Ernst-Reuter-Schule nutzen es beispielsweise die umliegenden Grundschulen für den Schwimmunterricht der dritten Klassen. Es werde ein „Riesenloch in der Unterrichtsplanung“ entstehen, sagt die Mutter. Aber auch Vereine wie die DLRG sind auf Ersatz angewiesen. Die Stadt erkundigt sich deshalb bei anderen Badeanstalten, ob sie Schwimmzeiten entbehren können. Angefragt habe man beim Hallenfreizeitbad in Karben, dem Riedbad in Bergen-Enkheim und der BG Unfallklinik in Frankfurt, sagt Yannick Schwander. Ergebnisse gebe es noch nicht.

Dass diese wirklich zufriedenstellend ausfallen, ist indes schon jetzt zu bezweifeln. Die Kapazitäten in Karben sind nahezu erschöpft, unter der Woche seien eigentlich keine Termine mehr für Schulklassen frei, sagt die Betriebsleiterin des dortigen Hallenbads, Carolin Beck. Da aber einige Schulen die gebuchten Zeiten nicht ausnutzten, könnten sich womöglich doch noch Freiräume ergeben. Sie habe die zuständigen Kolleginnen in Bad Vilbel gebeten, den Bedarf der Vereine und Schulklassen nach Karben zu melden. Darüber hinaus gebe es Überlegungen, das Hallenfreizeitbad samstags und sonntags nur für die betroffenen Vereine aus der Nachbarstadt je eine Dreiviertelstunde länger zu öffnen, sagt Beck.

Das Bad in der Frankfurter BG Unfallklinik kann, anders als das in Karben, von den Ausmaßen her keinen Ersatz darstellen. Es handele sich um ein „Therapiebad für Reha-Patienten“, erklärt eine Klinik-Sprecherin. Erwachsene könnten darin stehen. Beim Riedbad war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bad Vilbels Schulen und Vereine werden sich also auf Einschränkungen einstellen müssen. Die Grünen hatten deshalb vor Kurzem gefordert, die Schließung des Hallenbads um ein Jahr zu verschieben. „Es ist töricht, das alte Hallenbad abzureißen, wenn es für den Kurpark-West noch monatelang kein Baurecht gibt“, meint deren Fraktionsvorsitzender Jens Matthias. „So lange sollte das Hallenbad noch genutzt werden.“ Die Stadt und die schwarz-gelbe Koalition in der Quellenstadt sehen das anders; sie wollen nicht länger warten. Die geplante prestigeträchtige Stadthalle soll schließlich bis zum Hessentag 2020 stehen – auch wenn dieser Zeitplan äußerst ambitioniert ist.

Einen anderen Vorschlag machten die Freien Wähler (FW) und die SPD. Sie beantragten im Haupt- und Finanzausschuss, in der Übergangszeit eine Traglufthalle über dem Freibad aufzustellen. Diese Lösung praktiziert seit letzten September Darmstadt. Bis Mai 2020 schafft die Stadt damit einen Ersatz für das Nordbad, das neu gebaut wird. Im Bad Vilbeler Rathaus hält man nichts von einem solchen Provisorium. Zu hoch wären die Bau- und die Betriebskosten. „Das Wasser müsste sehr aufwendig beheizt werden“, sagt Stadtsprecher Schwander. Ein Argument, das die SPD und die FW überzeugt. Sie haben die Anträge für die Stadtverordnetenversammlung am 6. Februar zurückgezogen.

Die Grünen wollen an ihrem unter Umständen festhalten. Ob sie es tun, hängt vom Zeitplan der Arbeiten ab, den der Erste Stadtrat und Baudezernent Sebastian Wysocki (CDU) in der Sitzung präsentieren will. Wichtig sei seiner Fraktion, dass das Hallenbad zum „letztmöglichen Zeitpunkt“ abgerissen werde, betont Fraktionschef Matthias.

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