Wohnen in Bad Nauheim

Skepsis gegen Bebauung am Sprudelhof wächst

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Die Stimmung bei den Parteien zu Wohnbebauung am Sprudelhof in Bad Nauheim (Wetterau) kippt. Eine Bürgerinitiative organisiert seit einigen Monaten den Widerstand.

Der Urheber des städtebaulichen Konzepts für das Sprudelhof-Areal in Bad Nauheim, Johannes Peter Hölzinger, sprach mit Blick auf die vorgesehene Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße von einem „Mantel für die Madonna Sprudelhof“. Im November 2017 machte er grobe Angaben, wie dieser Mantel aussehen könnte: rund elf Meter hoch mit einem fünf Meter hohen Untergeschoss, das bis auf die Zugänge zu den rund 25 Maisonettewohnungen offen ist. Dass es einen solchen Protest gegen seinen Madonna-Mantel geben würde, damit hatte Hölzinger nicht gerechnet, wie er gestern der FR verriet.

Eine Bürgerinitiative organisiert seit einigen Monaten den Widerstand. Sie hat viele Unterstützer und ein Alternativkonzept, das sie an Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) geschickt hat und im Stadtparlament beraten haben möchte. Nun werden auch in der Politik die kritischen Stimmen lauter. Bei Grünen, CDU und Freien Wählern ist die Skepsis groß. Auch die SPD könnte ohne die Wohnungen leben.

Vor bald einem Jahr hatte der Architekt und ehemalige Professor seine Pläne vorgestellt. Um das von 1905 an errichtete Jugendstilensemble neu zu ordnen, schlug Hölzinger außer der ans Badehaus 2 angebundenen Therme samt Hotel - der Abriss der alten Therme läuft gerade – auch die Häuser entlang der Ludwigstraße vor. Zwischen ihnen und dem Sprudelhof solle es terrassierte Grünflächen geben.

Darunter sollen zwei Tiefgaragen für Besucher des Sprudelhofs und der Therme entstehen. Laut Jürgen Patscha, der im Rathaus den Fachbereich Stadtentwicklung leitet, sollen nicht nur die Wohnhäuser, sondern auch die beiden Tiefgaragen mit insgesamt rund 400 Stellplätzen von einem privaten Investor gebaut werden. Die Stellplätze für die Wohnungen seien zwar auch durch die Tiefgarage zu erreichen, aber nicht in den 400 enthalten. Die Stadt wolle einen Teil davon aus dem Erlös des Grundstücksverkaufs für die Wohnungen erwerben, den Rest das Land als Miteigentümer des Sprudelhofs.

Grüne präsentieren sich geschlossen als Gegner

Die BI hat andere Pläne. Ihr Gegenentwurf sieht vor, den Kurpark, der sich an den hinteren Teil des Sprudelhofs anschließt, bis an die Ludwigstraße heranzuholen. Laubengänge, Grünflächen, geschwungene Wege, Bänke und Pavillons sollen dafür sorgen. Statt der Parkhäuser will sie eine ebenerdige und unterirdische Erweiterung des bestehenden Parkdecks. Zudem sollten die bisherigen Parkplätze an der Therme erhalten bleiben. Die Initiative meint zudem, dass dies finanziell die bessere Lösung wäre: Der Parkdeckausbau, heißt es, schlage Berechnungen zufolge mit ein paar Millionen Euro weniger zu Buche.

Mehr als fraglich ist, ob das Landesamt für Denkmalpflege dies mitmachen würde. Man werde „kein Einvernehmen zu jeder Absicht, das Parkdeck zu vergrößern, herstellen“, hatte dessen Präsident Markus Harzenetter Mitte Februar gesagt. Die Initiative schickte ihren Entwurf trotzdem an Bürgermeister Kreß. Er habe ihn im Magistrat verteilt, der nächsten Dienstag darüber beraten werde, sagte Kreß. Das Ergebnis werde er der Initiative mitteilen. Dass es das Gegenmodell in die politischen Gremien schaffe, sei nicht zu erwarten.

Die Grünen, die mehrheitlich schon im Stadtparlament gegen Hölzingers Modell votiert hatten, präsentieren sich nun geschlossen als Gegner. „An dieser städtebaulich herausragenden Grünfläche sollten keine Wohngebäude entstehen“, teilen Ortsverband und Fraktion mit. Nur zwecks Finanzierung unterirdischer Parkplätze die historischen Sichtachsen des Sprudelhofensembles zu zerstören, sei nicht akzeptabel. CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis sagte gestern, er finde den Vorschlag der Grünen gut, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die Alternativen aufzeige, um die vorgeschriebenen Stellplätze nachzuweisen. „Bei uns ist keiner in der Fraktion, der sagt, man brauche die Wohnbebauung unbedingt.“ Markus Theis, Fraktionschef der Freien Wähler, die die meisten Stadtverordneten stellen, wird noch deutlicher: „Ich persönlich kann mir eine Bebauung dort nicht vorstellen.“

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