Wölfersheim

Potenzielle Kläger sammeln sich

  • schließen

Der Widerstand gegen das 14 Fußballfelder große Rewe-Lager im Wölfersheimer Ortsteil Berstadt (Wetterau) wächst. Bürgermeister Eike See (SPD) steht in der Kritik.

Der Widerstand gegen das Rewe-Logistikzentrum im Wölfersheimer Ortsteil Berstadt wächst. Mehrere Bürger prüfen derzeit die Möglichkeit einer Klage, die Gemeinde Echzell tut Gleiches. Zehn Wölfersheimer haben zudem jetzt einen mehrseitigen offenen Brief an alle Gemeindevertreter verschickt. Darin werden nicht nur die Vorteile des im Endausbau bis zu 100 000 Quadratmeter großen Lagers angezweifelt, sondern auch die Aussagen von Bürgermeister Eike See (SPD) zur Umwelt- und Verkehrbelastung sowie den Steuereinnahmen. Kritisiert wird zudem die unzureichende Transparenz im Entscheidungs- und Planungsprozess, nicht zuletzt wegen eines umstrittenen Info-Abends im Dezember. Es ergebe sich der Eindruck, dass eine schnell getroffene Entscheidung nicht mehr hinterfragt werden dürfe, so die Unterzeichner. Doch genau dies fordern sie nun nachdrücklich von den Gemeindevertretern. Der BUND klagt bereits gegen die Änderung im Regionalplan, mit der Rewe der Weg frei gemacht wird. Verhandelt wird am 23. Januar in Gießen.

„Uns hat man das Messer auf die Brust gesetzt“, sagt Ortrud Stoll. Sie und ihr Mann Wolfgang, Landwirte, wollen ebenfalls klagen. „Die Existenz ist gefährdet.“ Anders als in den 1970er Jahren, als die Stolls Land für den Kohleabbau und später für den Autobahnbau hergeben mussten, gibt es nun keinen gleichwertigen Ersatz. „Wir verlieren Ackerland von allerhöchster Qualität“, sagt Stoll. Die Ersatzfläche liegt zudem 20 Kilometer entfernt.

Sees Amtsvorgänger Rouven Kötter (SPD), mittlerweile Erster Beigeordneter im Regionalverband, hatte Rewe angeworben. „Schon bald ist den Grundbesitzern klar gemacht worden, wer nicht verkauft, wird enteignet.“ Für die Stolls würde der Verkauf keinen Reichtum bringen. „Das Geld müsste versteuern werden wie Einnahmen aus dem Kartoffelverkauf.“ Die Stolls nutzen die Hilfe der BI Bürger für Boden, die einen Rechtshilfefonds auflegt hat. „Wir beißen uns jetzt da durch“, so Wolfgang Stoll.

3500 zusätzliche Fahrzeugbewegungen

Gleiches haben Beate Körner-Weinsheimer und ihre Familie vor. Zwei Generationen wohnen im „Römerhof“, ein Aussiedlerhof auf Echzeller Gemarkung. „Gegenüber von uns wird die Zufahrt zum Rewe-Lager entstehen“, sagt die Frau. Laut Rewe sind 3500 zusätzliche Fahrzeugbewegungen, davon 1500 Lastwagen, Tag und Nacht zu erwarten. „Die Belastung durch Lärm und die ständige Beleuchtung des Geländes und des 625 Meter langen Gebäudes sei nicht abschätzbar“, sagt Körner-Weinsheimer. Sicher sei, die Lebensqualität werde sich drastisch verschlechtern. Wegziehen sei nicht eine Frage des Wollens. „Eine Entschädigung wurde nicht angeboten, aber es wurde eine Verkehrswertschätzung vorgenommen. Das Ergebnis ist ein Witz!“ Es sei zudem verwerflich, wenn Rewe 30 Hektar besten Ackers versiegele, weil der Handelskonzern in Gießen keinen Kompromiss bei der Bauhöhe eingehen wollte. Nun kann Rewe bis zu 35 Meter hoch bauen statt 20 Meter.

Schon im Sommer 2018 hat die Gemeinde Echzell eine Resolution verabschiedet. Das Lager entsteht unmittelbar an der Gemarkungsgrenze. „Die Nachteile liegen einseitig bei Echzell“, sagt Bürgermeister Wilfried Mogk (parteilos). Ein Fachbüro berate die Gemeinde, wie gegen die Regionalplanabweichung und den Bebauungsplan juristisch vorzugehen sei. Große Sorge bereite die Verkehrsentwicklung, nicht nur wegen der Rewe-Fahrzeuge, die etwa bei einem Stau auf der A45 durch den Ort rollen. Wegen Rewe werde die B455 mit drei Ampelanlagen und einem Kreisel bestückt, die ein Durchkommen zur A45 verlangsamten. „Durch den Ort fährt dann auch mehr Ausweichverkehr“, sagt Mogk und fügt an: „In Echzell gibt es nur Gegner des Lagers.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare