Wetterau

Gedruckte Mundart

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Sammelband zum „Wetterauer Plattschwätzer“ / Wettbewerb am Freitag in Butzbach.

Dieses Buch ist ein Stück regionale Identität. Auf 224 Seiten finden sich sämtliche Beiträge des Mundartwettbewerbs „Wetterauer Plattschwätzer“ seit 2011, als dieser erstmals ausgerichtet wurde. Es ist zugleich ein Erinnerungswerk, wie Landrat Joachim Arnold (SPD) bei der Vorstellung des Buches gestern sagte. Die heimische Mundart erinnere ihn an seine Kindheit in Wölfersheim, vor allem an die Großmutter.

So erzählen viele der Geschichten von früher, vom dörflichen Leben und von der Schönheit der Heimat. „Die Wearrera soll leawe!“ („Die Wetterau soll leben!“) ist der passende Untertitel des Buches, der aus dem 19. Jahrhundert vom Philologen Karl Weigand stammt. In den Texten geht es aber auch um alltägliche Dinge wie den Besuch eines Möbelhauses und eine Autowäsche.

Die Themen reichen von Kindheitsträumen bis zum Kinderkriegen, vom Arztbesuch bis zu den Wölfen im Wald. Die Mundart-Texte haben stets eine hochdeutsche Fassung auf der gegenüberliegenden Seite. Verständnisprobleme sollte es also nicht geben.

Zum Beispiel wenn es um den Küchentisch aus großmütterlicher Zeit geht, dessen Vielseitigkeit Petra Graf in Niddaer Platt herausstellt: „Ean Kechedesch woar froiher ean oig wichdiche Platz eam Haus.“ Dieser Satz lässt sich problemlos verstehen. Schwieriger wird es, wenn die Autorin in die Tischschublade blickt: „Omma ihr Trobbe gäje Mooedregge, Eanmachsgummi, Noolekesse ean Zwern, Kligger, e Deddche Soloadsohme ean nadirlich des Easbestegg ean die Froisteggsbrärerchen“.

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Man erfährt, dass der „Kechedesch“bisweilen als „Weggeldesch fier die Klensde“, als „Biehldesch“ diente. Natürlich war der Tisch aber genauso gut für die „Vierbereitunge zoum Koche“, zum Beispiel mittels „Buhneschnebbelmaschinche“. Ein Gedicht aus Ockstadt wiederum handelt von Schimpfnamen. Ewalda Klein erklärt darin, was zum Beispiel unter einem „Lackaff“, einer „Bambelschnud“ oder einem „Spitzglicker“ zu verstehen ist.

Dies sind zwei der insgesamt zehn Beiträge zum diesjährigen „Wetterauer Plattschwätzer“. Auch sie sind schon in dem Buch enthalten. Ob ihre Macher eine Chance haben, die Plattschwätzer-Trophäe 2015 einzuheimsen, entscheidet das Publikum am morgigen Freitag in Butzbach-Ostheim. Jeweils zehn Beiträge waren es auch in den vergangenen Jahren. Sie alle finden sich in dem im Hanauer Cocon-Verlag erschienenen und von Samstag an im Handel erhältlichen Buch.

Dies, sagte Landrat Arnold gestern, sei wesentlich Kreissprecher Michael Elsaß zu verdanken. Er habe angeregt, aus den vielen mündlich vorgetragenen Beiträgen der vergangenen Jahre, einen Sammelband zu machen. Viel Arbeit sei das gewesen, sagte Elsaß, und die Übersetzung ins Hochdeutsche zum Teil eine „richtig harte Nuss“. Dank ihr könnten aber auch „Nicht-Plattschwätzer“ das Buch gut nutzen.

„Das Buch wird die Schönheit und die Besonderheiten unserer Mundart auch für die Zukunft erhalten“, sagte am Mittwoch die Florstädterin Erika Werner, die sich vor vier Jahren maßgeblich für die Ausrichtung des ersten „Wetterauer Plattschwätzer“ eingesetzt hatte.

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