Rosbach

Bürgerentscheid soll Kita-Abriss stoppen

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Die Stadt Rosbach hält die Sanierung einer Kita für zu teuer und beschließt den Abriss. Doch eine Bürgerinitiative will das verhindern und sammelt knapp 1900 Unterschriften.

Eine Bürgerinitiative will mit einem Bürgerentscheid den Abriss einer Kindertagesstätte verhindern. Hierzu haben die Initiatoren knapp 1900 Unterschriften gesammelt, fast doppelt so viele wie nötig. Die Stadt prüft nun die Listen.

Die Brüder-Grimm-Kita im Stadtteil Ober-Rosbach besteht seit 45 Jahren und muss laut Bürgermeister Thomas Alber (parteilos) saniert werden. Zudem müsse die Stadt den Untergrund entsorgen, heißt es – das Außengelände der Kita liegt über einer Hausmülldeponie. Die Kinder sollen in die künftige Betreuungseinrichtung im Neubaugebiet „Die Sang“ gehen. Im April hatten die Stadtverordneten dem Abriss mehrheitlich zugestimmt.

„Die Deponie ist für den Bürgermeister und seine Unterstützer nur ein Vorwand“, sagt BI-Sprecherin Anna Reimann. Anfang der 1990er Jahre sei das Gelände unter Aufsicht des Landes Hessen saniert worden. Seit 1993 kontrolliere eine Messanlage die Luftwerte auf Methan, die Grenzwerte seien „nie auch nur annähernd erreicht“ worden. Für die Kinder werde der Weg weiter, sie müssten in eine unpersönliche Groß-Kita mit 170 Plätzen. Laut BI wird der Neubau die Stadt auch teurer kommen als eine Sanierung.

Den Bau soll nach den Plänen der Stadt ein Investor übernehmen, eine Firma soll die Einrichtung betreiben. Die Stadt übernimmt einen Betriebskostenanteil. Die Vertragsdauer beträgt voraussichtlich 20 bis 25 Jahre. Für Irritationen sorgte ein Interessent aus München, der seinen Geldgebern sechs Prozent Rendite verspricht, im Internet: Er gab sich als Gewinner der Ausschreibung aus. Wer wollte, konnte sogar schon seinen Nachwuchs für 2019 online anmelden. Auf Verlangen der Stadt hat er die Seite gelöscht.

Alber sagt, im Mai habe es eine Interessentenabfrage mit 15 Meldungen gegeben, nach Ausschreibungsende am 15. August seien es noch zwei Drittel. Der Münchner sei der einzige kommerzielle Anbieter, bei allen anderen handele es sich um gemeinnützige Träger. Der Magistrat werde den Stadtverordneten drei Vorschläge vorlegen. Der künftige Betreiber könne das zwölfköpfige Team der „Brüder Grimm“ übernehmen. Wer nicht wechseln wolle, finde in einer anderen Kita der Stadt Arbeit.

Dass der private Betreiber schlechter bezahlen werde, glaubt Alber nicht – das verhindere der knappe Fachkräftemarkt. Ebensowenig müssten Eltern finanzielle Nachteile befürchten. „Wir wollen keine Elite-Kinderbetreuung, sondern eine für alle.“

Die Modernisierung der alten Kita werde rund 2,3 Millionen Euro kosten. Damit besitze die Stadt immer noch ein altes Gebäude, ohne die gewollte Mensa für die Ganztagsbetreuung. „Zugezogene Eltern betrachten die Kita nicht ideologisch, sie wollen für ihre Kinder eine schöne, neue Einrichtung“, sagt Alber. Konsequenterweise müsse auch die Deponie angegangen werden – für geschätzte 2,5 Millionen Euro. Nur so lasse sich ausschließen, dass vielleicht in ein paar Jahren wegen strengerer Richtlinien der Betrieb eingestellt werden müsse. Schon jetzt seien wegen der Thematik 20 Plätze unbesetzt.

Bevor das Stadtparlament am 29. August über die Zulassung eines Bürgerentscheids abstimmt, wünscht sich die SPD, dass die Stadt die Bürger vor Ort über den Zustand der Kita informiert. Informationsbedarf meldet auch die CDU an.

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