Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rekordhalter Schmidt auf dem Trainingsgelände am Selzerbrunnen in Klein-Karben.
+
Rekordhalter Schmidt auf dem Trainingsgelände am Selzerbrunnen in Klein-Karben.

Karben

Der spätberufene Robin Hood

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
    schließen

Bogenschütze Bernd Schmidt ist zum dritten Mal Weltmeister geworden.

Im Keiler steckt ein Pfeil. Auch den Bär, die Gans und den Dachs hat es erwischt. Bernd Schmidt vom Schützenverein Selzerbrunnen ist treffsicher. Die Ziele des Bogenschützen sind aber keine echten Tiere, sondern Nachbildungen aus hartem Schaumstoff. Wenn die Bogenschützen trainieren, stehen sie auf der großen Wiese hinter dem Vereinsheim, zwischen fünf und 30 Metern entfernt von den Schützen. Genauso schießen die Bogensportler auf die kreisrunden Zielscheiben, die in Entfernungen zwischen zehn und 70 Metern aufgebaut sind.

Niemand im Verein kann es dabei mit Schmidt aufnehmen. Wenn der 64-Jährige aus Petterweil die Sehne seines Langbogens spannt und die Holzpfeile mit Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde fliegen lässt, trifft er zumeist sprichwörtlich ins Schwarze. Das bekommen nicht nur andere Bogenschützen in Hessen und Deutschland zu spüren.

Ende März gewann der gebürtige Sachsenhäuser in der Altersklasse 55 plus seine dritte Weltmeisterschaft der International Field Archery Association. In Estland erreichte er mit deutlichem Abstand den ersten Platz. An einem Tag musste er die Zielscheibe aus rund 18 Metern treffen, am anderen Tag aus unterschiedlichen Distanzen von 27 bis sechs Metern.

Bereits 2011 in Südafrika und 2013 in Amerika wurde Schmidt Weltmeister. Kleine Aufkleber auf der Innenseite seines Langbogens, dem Arbeitsgerät Robin Hoods ganz ähnlich, zeugen von den internationalen Triumphen. Neben den drei WM-Titeln hat er vier Europameisterschaften und zehn deutsche Meisterschaften gewonnen. Dabei betreibt er den Sport erst seit 2009. Als er 2011 als völlig unbekannter Schütze bei einem Hallenturnier in Darmstadt gleich den zweiten Platz belegte, fragte man ihn gleich, ob er nicht mit zur Europameisterschaft fahren wolle.

Mit fremdem Bogen Weltmeister

Noch im gleichen Jahr folgte die WM in Südafrika, die er mit einem neuen Weltrekord gleich für sich entschied. Mit dem Gold-Bogen von Pretoria schießt der studierte Meeresbiologe noch heute. Ein anderer Schütze habe ihm den verkauft, weil sein eigener auf der Flugreise abhanden gekommen sei, erzählt Schmidt.

Seinen Erfolg kann er sich selbst nicht recht erklären. „Ich sehe es als Begabung an“, sagt der zweifache Familienvater. „Ich lasse los, wenn ich denke es passt.“ Im Gegensatz zu anderen Bögen, wie sie zum Beispiel bei den Olympischen Spielen zu Einsatz kommen, hat sein Bogen kein Visier. Er sei vor sechs Jahren gleich auf einem hohen Niveau eingestiegen. „Dann wurd’s nicht mehr viel besser.“ Über seine Fähigkeiten wundere er sich selbst.

Bis er seine Sportart fand, hatte er schon Einiges ausprobiert: Im Judo schaffte er es bis zu den deutschen Hochschulmeisterschaften. 15 Jahre lang fuhr er Motorrad-Rennen. Lange Zeit war er als Tauchlehrer tätig. Letzterem ist er zumindest auf dem Papier treu geblieben. Schmidt ist ehrenamtlicher Umweltreferent beim Hessischen Tauchsportverband.

Wie lange er die Pfeile am Selzerbrunnen und anderswo auf der Welt noch in die Ziele jagt, wisse er nicht. Die zehn Jugendlichen in der Bogenabteilung des Schützenvereins können sich von dem Spätberufenen jedenfalls noch viel abschauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare