Beliebter Treff: die Ansprechbar der Schulsozialarbeit an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben.
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Wetterau

Sozialarbeit ausgeweitet

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die Hilfe für schwierige Schüler umfasst künftig auch Grundschulen.

Der Wetteraukreis wird eine flächendeckende Schulsozialarbeit einführen. Von den 88 Schulen im Kreisgebiet werden von September an mehr als 30 an den Start gehen. Das pädagogische Konzept für die Sozialarbeit an Schulen hat der Kreis ausgearbeitet, der auch 100 Prozent der Kosten trägt. Die Besonderheit besteht auch darin, das es erstmals an Grundschulen Sozialarbeit geben wird.

„Die Verhaltensauffälligkeiten bei Schülern steigen stetig, das ist auch für die Lehrer zunehmend ein Problem“, sagte am Mittwoch Kreissozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch bei der Vorstellung des Konzeptes. Die Schwierigkeiten der Kinder wie mangelhafte Sozial- oder Teamfähigkeit, die sich oft in Unterrichtsstörungen und Mobbing zeigt, sollten früh angegangen werden, bevor sie sich manifestieren. Nehme ein Kind seine Probleme mit in die Sekundarstufe I, könne die Schulsozialarbeit bereits weniger präventiv einwirken. Es gehe darum, das Kind in der Grundschule schon so zu stärken, dass es in der Pubertät nur noch die typischen Probleme eines Pubertierenden habe, sagte die Dezernentin. Auffälligkeiten bei Kindern ergäben sich oft durch die familiäre Situation wie Scheidung oder psychische Leiden der Eltern.

Für die Umsetzung des Konzeptes suchte der Kreis per Ausschreibung einen Partner. Das wirtschaftlich günstigste Angebot gab der Frankfurter Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ) ab, so Becker-Bösch. Sie lobte auch den „hohen fachlichen Standard“ bei JJ. Die Jugendpflegeaktivitäten von JJ erstrecken sich auf verschiedene Projekte etwa in Frankfurt und Wiesbaden. Geschäftsführer Hans Böhl erklärte, das von den entsprechenden Fachbereichen des Kreises erarbeitete Konzept werde 1:1 umgesetzt. Zunächst werde es Gespräche mit den Schulleitungen geben, wie das Konzept an den einzelnen Schulen umgesetzt werden könne und wo es Probleme gebe. Im Vorgespräch hätten alle Schulleitungen die Einführung einer Schulsozialarbeit begrüßt. „Die Grundschulen waren hellauf begeistert“, sagte Böhl.

Laut Becker-Bösch wird möglicherweise die Sozialarbeit an Grundschulen auch Ängste bei Eltern auslösen. Diese seien jedoch unbegründet. Es gehe nicht darum, in das Familienleben einzugreifen oder es auszuspionieren. Wie Böhl berichtet, wird eine Klasse mit Problemschülern zunächst während des Unterrichts oder am Nachmittag von einem Sozialpädagogen betreut, etwa um ein soziales Miteinander zu üben. Die Gruppenarbeit sei auch die erste Maßnahme, um einzelne Schüler nicht zu stigmatisieren, sagte Böhl.

Die nächste Stufe könne die Einzelbetreuung darstellen. Diese sei für den Schüler freiwillig und geschehe zumeist ohne Anwesenheit der Eltern. Die Kooperation mit den Eltern von Problemkindern werde gleichwohl gesucht. Viele nehmen dies dankbar auf, berichtete Böhl. Bei Schulverweigern werden die Mitarbeiter des Trägervereins auch Hausbesuche abstatten, um den Schulschwänzer wieder zu mobilisieren, heißt es. Die Schüler könnten zudem in eine Sprechstunde kommen. Hierbei sei es sehr wichtig, dass Ratsuchende eine Freiwilligkeit und Vertraulichkeit erfahren. „Dann spricht sich schnell herum, dass die Beratung guttut“, sagte Böhl.

Das Konzept sieht keine vollen sozialpädagogischen Stellen pro Schule vor. Der Personalschlüssel lautet zwei Betreuer auf je 1000 Grundschüler und 0,75 Personalstellen je 1000 Jugendliche der Sekundarstufe I (Jahrgangsstufe 5 bis 10). Das bedeutet, dass eine Kraft oft an mehreren Schulen tätig ist. Es wurden daher Schulverbünde gebildet, die in der Regel aus sechs Einrichtungen bestehen. Bei einer durchschnittlichen Grundschule mit gut 200 Schülern sei dennoch sichergestellt, dass die Sozialbetreuung aus acht bis zehn Stunden in der Woche bestehe, so Böhl. Die Kommunen haben zusätzlich die Möglichkeit, die Zahl der Stunden durch weitere Kräfte zu erhöhen.

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