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Süßen sowie viele Sorten Äpfel und Birnen gibt es sonntagvormittags auf der GOA zu kaufen. Hier bedient Stephan Erb.
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Süßen sowie viele Sorten Äpfel und Birnen gibt es sonntagvormittags auf der GOA zu kaufen. Hier bedient Stephan Erb.

Karben

Sonntags wird verkauft

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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90 Pächter bewirtschaften die Gemeinschaftsobst- und Gartenanlage in Klein-Karben. Für viele ist es ein angenehmer Ausgleich zur Büroarbeit.

Der Blick fällt auf Karben und gegen den Taunus, der sich an diesem grauen Vormittag wie eine dunkle Wand am Horizont zeigt. Der Wind, der in der Ferne die Windkraftanlage flott in Betrieb hält, ist auf der Klein-Kärber Höhe mit dem Namen Pelzkappe als sehr zugig zu spüren. Die Höhe soll eine eiszeitliche Endmoräne gebildet haben. An der südwestlichen Hanglage stehen – wie mit der Schnur gezogen – Reihen mit niederstämmigen Obstbäumen, rund 4500 Stück. Dieter Schaub und sein Sohn Stefan sowie Schwiegersohn Stephan Erb sind drei der 90 Pächter der Gemeinschaftsobst- und Gartenanlage (GOA) Klein-Karben, die 1958 von 14 Landwirten als Verein gegründet worden ist und in der heute nicht selten auch Büromenschen ihren Ausgleich suchen.

„Seit 20 Jahren bin ich Mitglied. Für uns Landwirte bedeutetet die Anlage ein Nebenverdienst“, sagt der 70-jährige Dieter Schaub. Drei Parzellen mit durchschnittlich je 75 Bäumen hat er in Pacht. Sohn und Schwiegersohn sind seit fünf Jahren mit je einer Parzelle dabei. „Was soll man machen, wenn man einheiratet“, sagt Stephan Erb, 46, und lacht. Hobbyimker ist er wegen der Einheirat auch noch geworden. „Hier sehe ich, was ich am Ende des Tages geleistet habe im Vergleich zur Büroarbeit“, sagt er. „Die Arbeit hier in der Ruhe und der Natur ist ein Ausgleich zur Hektik im Beruf“, heißt es ebenso bei Schwager Stefan, 42.

Nur noch wenige Landwirte

Mittlerweile gibt es nur noch vier Landwirte in der Gemeinschaftsobst- und Gartenanlage. Der Stressausgleich der heutigen Pächter, darunter viele jüngere Familien, wird denn auch gelassen betrieben. „Ich freue mich immer über die Rückmeldungen der Natur auf mein Tun, auch wenn mal in einem Jahr was schiefgeht“, sagt Erb mit Blick auf den lokalen Hagelschauer über der Klein-Kärbener Höhe Ende August, der mehr als 50 Prozent der Erträge zu Saft- und Geleeobst verarbeitet hat. Schaub Senior trauert hingegen dem Verlust bitterlich nach.

Die Arbeit in der GOA, die außer um die Geländegrenzen keine Zäune hat, verlangt jedoch öfter kräftigen körperlichen Einsatz, Baumschnitt, Mahd der Baumgassen, Ernten und das Obst verwerten oder vermarkten. Bei durchschnittlich zehn Kilogramm Ertrag pro Baum nicht wenig und zu viel für den Eigenverbrauch. Allerdings: „Die 150 Liter Apfelsaft trinken meine Kinder schon im Jahr weg“, sagt Erb.

Per Los erhalten die Pächter einen Verkaufssonntag. Erb und die Schaubs haben diesmal Glück gehabt mit ihrem Termin im Spätsommer, wenn die Früchte gerade von den Bäumen geholt sind und den Kunden selbst gepresster Apfelmost angeboten werden kann. Kanister und Wasserflaschen werden dann befüllt. Manchmal helfen hierbei auch Stefan Schaubs Sohn oder die Frau, wenn es für die Obstanbauer an der Verkaufstheke viel zu tun gibt. Schmackhafte Sorten

Vier Birnen- und sieben Apfelsorten liegen diesmal in den Holzkisten, eine Zwetschgenstiege gibt es. Und der Kunde wünscht sich bei dieser Vielfalt nicht selten Beratung – auch wenn Fruchtfleischqualität und Aroma auf dem Namensschild stehen. Doch wie die „Gräfin von Paris“ oder der „Topaz“ auf dem Gaumen wirkt, das geht eben nur über das Probieren. Flugs schneiden Erb oder Schaub ein Achtel aus der Frucht heraus, um es dem Kunden als Kostprobe zu reichen. Wer häufiger bei der GOA einkauft, kennt die Sorten und lässt sich den Tragebeutel gleich gut füllen. 1,50 Euro kostet das Kilogramm, egal ob Apfel oder Birne.

Es wird nach Integrierter Landwirtschaft abgebaut, sagt Dieter Schaub. „Ein bisschen muss gespritzt werden“, sagt er. Schulungen und fachliche Beratung sollen ebenso wie die neu angeschaffte Spritze dazu beitragen, mit so wenig Chemie wie möglich auszukommen, sagt Schaub. Um dies zu erreichen, werde der Obstanbau in der Gemeinschaftsanlage auch nach alten Methoden betrieben. So würden etwa die Baumstreifen mechanisch freigehalten. „Für die Mitglieder heißt das natürlich mehr Handarbeit.“ Aber davon kann die junge Generation in der GOA ja offenbar nicht genug bekommen.

Verkauf mit wechselndem Anbieter sonntags von 10 bis 12 Uhr, Tag der offenen Tür am Montag, 3. Oktober, 11 bis 18 Uhr, Büdesheimer Straße in Klein-Karben. www.goa-karben.de.

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