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Sole-Einsatz in Bad Nauheim
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Sole-Einsatz in Bad Nauheim

Winterdienst in Bad Nauheim

Mit Sole gegen glatte Straßen

Heilwasser ist nicht nur gut gegen Krankheiten, sondern auch gegen vereisten Asphalt. Das macht sich die Kurstadt Bad Nauheim jetzt bei ihrem Winterdienst zunutze.

Von Bruno Rieb

Die Bad Nauheimer Heilquellen sind nicht nur gut bei Magen- oder Herzbeschwerden, sie helfen jetzt auch gegen Knochenbrüche. Versuchsweise setzt die Kurstadt ihre Sole als Taumittel ein. Sie will damit nicht nur viel Geld sparen, weil Streusalz teuer geworden ist, sondern vielleicht auch viel Geld verdienen, wenn sich der Einsatz bewähren sollte. „Es wäre schön, wenn das in der ganzen Region eingesetzt würde“, sagt Bürgermeister Bernd Witzel (UWG).

Ein entsprechend umgerüstetes Winterdienstfahrzeug hat bereits zwei Einsätze hinter sich. „Es funktioniert einwandfrei“, sagt Norbert Klötzl, Fachdienstleiter beim Kur- und Servicebetrieb der Stadt.

Wenn die kurstädtische Sole aus der Quelle sprudelt, ist ihr Salzgehalt noch zu gering für den Einsatz als Taumittel. Nur drei bis fünf Prozent beträgt der Salzanteil, für den Einsatz auf winterlichen Straßen sind mindestens 15 Prozent nötig, besser noch 22 Prozent.

Die 15 Prozent Salzgehalt werden erreicht, indem die Sole mehrfach über das Reisig der Gradierbauten rieselt. Dabei verdunstet Wasser – und der Salzgehalt steigt. Auf diese Weise eine höhere Konzentration zu erreichen, wäre zu teuer, weil das Reisig dann zu schnell verkruste und für viel Geld ersetzt werden müsse, sagt Frank Müller, Leiter des Kur- und Servicebetriebes. Es sei weniger kostspielig, der Sole Salz beizumischen, um eine höhere Konzentration zu erreichen. Ein Kubikmeter Sole mit einer Salzkonzentration von 22 Prozent werde für 100 Euro gehandelt, sagt Klötzl. Doch das ist Zukunftsmusik. Für ihren Versuch begnügt sich die Kurstadt mit der 15-Prozent-Sole. Die reicht für Temperaturen bis minus vier Grad. Davon gibt es in Bad Nauheim reichlich. In zwei Tanks lagern jeweils 6000 Kubikmeter.

Für ihre rund 130 Kilometer Straßen braucht die Stadt etwa 800 Kubikmeter im Jahr. 7200 Kubikmeter könne die Stadt also verkaufen und sich so zusätzliche Einnahmen erschließen, sagt Klötzl. Sole habe gegenüber Streusalz den Vorteil, dass sie nicht weggeweht und auch präventiv eingesetzt werden könne, wirbt Müller. In einem normalen Winter können laut Klötzl 60 Prozent der Einsätze mit Sole gefahren werden. Bei Temperaturen unter minus sieben Grad und bei geschlossener Schneedecke eigne sich das salzhaltige Wasser nicht.

Lohnende Investition

50?000 Euro kostet es laut Klötzl, ein Fahrzeug aufs Solesprühen umzurüsten. Die Investition amortisiere sich in Bad Nauheim bereits in drei Jahren, weil jährlich rund 200 Tonnen Salz à 80 Euro die Tonne, also 16?000 Euro, eingespart werden könnten. Die Sole fließe ohnehin in die Usa, antwortet Bürgermeister Witzel auf die Frage nach den Umweltauswirkungen des salzhaltigen Wassers. Splitt nach dem Winter wieder zusammenzukehren, findet er viel lästiger.

In Skandinavien sei der Einsatz von Solesprühgeräten seit vielen Jahren Praxis, und auch auf deutschen Autobahnen gebe es damit Versuche. Das Vorbild für Bad Nauheim ist Bad Karlshafen, das bereits seit einigen Jahren seine Sole im Winterdienst einsetzt. Die Bad Nauheimer Unabhängigen Wähler hatten davon erfahren und beantragt, dass Bad Nauheim das auch ausprobieren solle.

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