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Die DRK-Kleiderkammer in Friedberg.
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Die DRK-Kleiderkammer in Friedberg.

Friedberg

Shoppen wie in einer Boutique

Obwohl es kein explizites Ziel ist, sprudeln die Gewinne: Im Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes in Friedberg decken sich nicht nur sozial Schwache ein. Normalverdiener können sich "satt kaufen".

Von Jana Tempelmeyer

In einem quadratischen Regalfach ist ein gestreifter Schal in verschiedenen Brauntönen über dunkelbraune Lederpumps drapiert, die Ledertasche im Kaffeeton liegt daneben. Vor dem Regal steht eine Kleiderpuppe, die das passende Outfit trägt: einen camelfarbigen Rock in Wildlederoptik und ein schickes Jackett. Fast könnte man meinen, man befinde sich in einer edlen Boutique; schräg gegenüber steht eine Glasvitrine, gefüllt mit Broschen, Ringen und Armreifen; im Kassenbereich liegen verschiedene Halstücher, teils aus Wolle oder Seide. Tatsächlich handelt es sich um Ware aus zweiter Hand, die zu sehr günstigen Preisen angeboten wird.

In der Homburger Straße 26 in Friedberg floriert auf gut 30 Quadratmetern der Kleiderladen der DRK schon seit über drei Jahren.

Das Prinzip ist einfach und effizient: Menschen bringen ihre Kleidungsstücke in den Laden, die Mitarbeiter schauen dann, welche Stücke zu verkaufen sind und welche in die großen Altkleidercontainer wandern. Der entscheidende Unterschied zu einem traditionellen Secondhand-Laden sei, dass es dem DRK nicht um Profit gehe, sagt Pressesprecher Norbert Gerlach. Primär will man ein Angebot für Bedürftige schaffen, Normalverdiener sind aber auch willkommen und gehören zum festen Kundenstamm.

„Einkaufen für Jedermann“ nennt es Ingrid Dickenbrock, Leiterin des Kleiderladens. Die Preisspanne von Jeanshosen liegt zum Beispiel zwischen 3,50 und 6,50 Euro, unabhängig davon, was sie ursprünglich gekostet haben. Das ist besonders für Schnäppchenjäger interessant, da oftmals teure Markenjeans dabei sind.

„Ein Normalverdiener kann sich hier satt kaufen“, sagt Ingrid Dickenbrock, die neben Friedberg auch die Kleiderläden in Reichelsheim und Butzbach betreut. Insgesamt gibt es 43 Mitarbeiter in den drei Läden; 33 Ehrenamtliche und zehn Festangestellte, hauptsächlich in Teilzeit. Die Tätigkeiten reichen von Beraten über Kassieren und Dekorieren bis zum Waschen und Bügeln der „neuen“ Ware. Die Mitarbeiterinnen dürften sich selbst aussuchen, in welchem Bereich sie sich einbringen wollen, so habe jeder Spaß an der Arbeit, erzählt die gelernte Hauswirtschafterin Dickenbrock.

Obwohl es kein explizites Ziel des Kleiderladens ist, sprudeln die Gewinne. Die werden sofort umgewandelt und in laufende Projekte des Roten Kreuzes gesteckt. Die Palette ist hier breit; Katastrophenschutz, Sozialarbeit und Hausaufgabenhilfe gehören zum Hilfsangebot.

Kunden mit Sozialhilfebescheid bekommen sogar noch einmal 20 Prozent Rabatt auf die günstige Ware. Neben Kleidung für Männer, Frauen und Kinder gibt es auch Bettwäsche, Handtücher, Schuhe, Schmuck und Strumpfhosen. Manchmal sind auch exotische Teile, wie zum Beispiel schicke Abendroben oder gar Brautkleider dabei.

Unterwäsche wollte Dickenbrock zunächst nicht in ihrem Laden anbieten, auf Nachfrage hat sie es dann doch probiert. Ihre Erfahrung: Dessous aus zweiter Hand sind sehr gefragt. Im Laden gibt es zwei Umkleidekabinen, außerdem noch ein Lager. „Wenn ein Kunde etwas ganz Bestimmtes sucht, laufe ich mehrmals ins Lager und schaue, ob wir da noch etwas haben“, sagt Ingrid Dickenbrock.

„Manche Teile sind schneller weg, als sie draußen hängen“, schmunzelt die Chefin, die auch schon beobachtet hat, dass manche Kundinnen fast täglich zum Stöbern kommen. Auch die Mitarbeiterinnen sind gute Kundinnen. „Wir kaufen hier gerne ein“, lacht Ingrid Dickenbrock. Im Gegenzug bringen sie dann wieder alte Sachen von zu Hause mit. So entstehe ein „ewiger und schöner Kreislauf“.

Der Kleiderladen des DRK in der Homburger Straße 26 in Friedberg ist dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13.30 Uhr geöffnet. Ware wird nur während der Öffnungszeiten entgegengenommen.

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