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Altenstadt

„An seinen Fingern klebt Blut“

  • Petra Zeichner
    VonPetra Zeichner
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Im Prozess um die ermordete Vebronia Tabbo ist der Angeklagte Bashar G. gestern freigesprochen worden - obwohl das Gericht davon aus geht, dass G. und sein Bruder das Opfer an den Tatort transportiert haben. Doch für eine Verurteilung reichten die Beweise nicht aus.

Obwohl Richter Peter Grasmück es als erwiesen ansah, dass Bashar G. zusammen mit seinem Bruder Gabi G. die bewusstlose Vebronia Tabbo am 23. Mai 2013 in einen Wald bei Limeshain-Rommelshausen transportierte, gibt es keine Strafe für die beiden. Und vieles spricht für den Richter dafür, dass der Ehemann Tabbos das Opfer dort am selben Tag mit einem Ast erschlagen hatte. Aber aus Mangel an Beweisen hieß das gestrige Urteil am Hanauer Landgericht „Freispruch“. „Man muss damit leben, dass die Tat ungesühnt bleibt“, sagte Grasmück.

Für diese neue Beweislage hatte ein weiteres rechtsmedizinische Gutachten gesorgt. Aufgrund dessen waren die beiden Brüder, die in Untersuchungshaft saßen, Anfang März auf freien Fuß gesetzt worden. Die rechtsmedizinische Untersuchung hatte gezeigt, dass die Frau stranguliert worden war, bevor sie erschlagen wurde. Aber ob sie noch Lebenszeichen von sich gegeben hatte, als sie vermutlich auf dem Rücksitz von Bashar G.s Auto lag, konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden.

Richter Grasmück betonte: „Der Transport einer Person, die man für tot hält, ist nicht strafbar.“ Unverständlich müsse es der Öffentlichkeit erscheinen, dass keine Strafe greife, sagte Staatsanwalt Mathias Pleuser. Aber für Mord und Totschlag gebe es nicht genug Beweise. Auch eine fahrlässige Tötung komme nicht in Betracht, da die mutmaßlichen Täter davon ausgehen mussten, dass sie eine Tote im Wald ablegten. Hätte dort keiner zugeschlagen, wäre es fahrlässige Tötung gewesen.

Bleibt noch die unterlassene Hilfeleistung, die „zumutbar“ sein muss, wie Pleuser ausführte. Und das sei sie in diesem Fall nicht gewesen, wenn man davon ausgehe, dass die Täter Familienangehörige seien, da sich niemand selbst belasten müsse.

Keine ausreichenden Beweise

Ein Jahr lang hatten die Ermittler recherchiert. So fanden sie Fasern an der Kleidung der Toten, die vom Rücksitz des Autos von Bashar G. stammen. DNA-Spuren von beiden Brüdern an der Jacke und einem Schuh des Opfers ließen darauf schließen, dass die beiden die Frau getragen hatten. Das Handy von Bashar G. war zur mutmaßlichen Tatzeit im selben Funknetz eingeloggt, in dem auch der Tatort liegt. Doch das und mehr reichte nicht. „Wir haben keine ausreichenden Beweise“, sagte der Richter.

Auch der Staatsanwalt kam zu dem Schluss: Das Verhalten des Angeklagten sei rechtlich nicht zu belangen, moralisch allerdings schon. „An seinen Fingern klebt Blut“, sagte er.

Richter Grasmück stellte in seiner Begründung klar: „Da gibt es überhaupt nichts zu deuteln, dass Sie der Transporteur waren.“ Wie „Abfall“ habe er Vebronia Tabbo, die Mutter seiner Freundin, im Wald abgelegt. Aber der Richter betonte auch: Wenn es einen begründeten Zweifel an der Schuld eines Angeklagten gebe, gelte der Grundsatz „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“. Das sei Teil des hiesigen Rechtssystems.

Der Wahlverteidiger des Angeklagten verzichtete auf ein Plädoyer. Auch Bashar G. selbst wollte nichts mehr sagen. Er hatte stets behauptet, nichts mit dem Transport und anschließenden Mord zu tun gehabt zu haben. Wie Staatsanwalt Pleuser sagte, wird er auch das Verfahren gegen den Bruder Gabi G. einstellen.

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