Seilbahn

Pendler sollen durch die Wetterau schweben

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Der Bau einer Seilbahn soll geprüft werden. Die Seilbahn wäre eine  Alternative zu Straße und Niddatalbahn.

Im US-amerikanischen Portland gibt es sie, im bolivianischen La Paz ist sie sogar zu einem richtigen ÖPNV-Netz verknüpft: Die Seilbahn. Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) brennt förmlich für die Idee, die Pendlerströme zwischen Schöneck, Niederdorfelden (beide Main-Kinzig-Kreis) und Bad Vilbel (Wetteraukreis) durch die Luft zu befördern. Im Vergleich zu Portland und La Paz ist die Topografie auf der rund fünf Kilometer langen Luftlinie brettflach, aber die nicht selten kilometerlangen Staus etwa auf der L3008 bilden doch wieder eine Gemeinsamkeit.

Nicht allein dieser Zustand war für Büttner ausschlaggebend. „Bad Vilbel will ein riesiges Schwimmbad und hat große Neubaugebiete“, sagt er der FR. Auch Niederdorfelden wächst. Dieser Tage hat Büttner Spatenstich vollzogen für ein Baugebiet, wo einmal Häuser für 600 Menschen stehen sollen, nebst Altenheim und Ärztehaus. Ob des immensen Wachstums in der Region dauere der Ausbau von Bahn und Straße zu lange, abgesehen von der langwierigen Planungs- und Genehmigungsphase, so Büttner. „Wir brauchen innovative Ideen, sonst steuert wir auf den Kollaps zu.“ Eine Seilbahn sei schnell gebaut, benötige kaum Land und sei nach Bedarf auch schnell wieder zu entfernen, fast rückstandsfrei. Zudem sei die Landesregierung festen Willens, dieses Transportmittel in das Mobilitätsförderungsgesetz aufzunehmen, um es damit S- und U-Bahn gleichzustellen.

An Infrastruktur benötige die Linie „zwei, drei Parkhäuser“. Endhalt in Bad Vilbel wäre der Festplatz, von dort seien es noch rund 500 Meter Fußweg zum Bahnhof, so Büttner. Im Bad Vilbeler Landtags- und Stadtpolitiker Jörg-Uwe Hahn (FDP) hat er einen Mitstreiter gefunden. Allerdings endet Hahns Vision von einer Seilbahn-Tram am Nordbahnhof, um mit wenigen Schritten in die S-Bahn zu wechseln. Komfort müsse auch bei der Seilbahn gelten, damit sie eine echte Alternative zum Auto werde, sagt Hahn.

„Ich unterstütze die Seilbahn, sie ist prüfenswert“, sagt Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Er gibt Hahn „völlig Recht“, was die Endhaltestelle angeht. Alles andere werde keine Akzeptanz beim Pendler finden. Doch um den Bahnhof zu erreichen, müsste die Gondeln hoch über eng bebautes Gebiet schweben. „Und wie kommen die Leute runter zum Zug“, fragt er. Auch hält Stöhr es für fraglich, ob der RMV für einen Parallelbetrieb zur Niddatalbahn zu begeistern ist. Auf dieser Linie, auch Stockheimer Lieschen genannt, sieht er noch viel Potenzial durch Taktverdichtung und zusätzliche Waggons. Zwar ist für das Lieschen, das mit einer Diesellok und zum Teil auf eingleisiger Strecke rollt, derzeit Bad Vilbel Endstation. Mit dem Ausbau der Main-Weser-Bahn um das dritte und vierte Gleis für die S-Bahn werde es aber direkt zum Frankfurter Hauptbahnhof fahren, so Stöhr. Nach aktuellem Planungsstand wird der Abschnitt Frankfurt-Bad Vilbel bis 2022 fertig. „Früher, als vermutlich eine Seilbahn nach Bad Vilbel in Betrieb gehen kann“, so Stöhr.

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